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Kulturpresseschau | Beitrag vom 06.05.2020

Aus den FeuilletonsEtwas an die Jugend weitergeben

Von Ulrike Timm

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Die Bratschistin Tabea Zimmermann erhält den hochdotierten internationalen Ernst von Siemens Musikpreis 2020. (Rui Camilo/EvS Musikstiftung/dpa )
Die Bratschistin Tabea Zimmermann erhält den hochdotierten internationalen Ernst von Siemens Musikpreis 2020. (Rui Camilo/EvS Musikstiftung/dpa )

Die Bratschistin und Siemens-Musikpreisträgerin Tabea Zimmermann macht ihrer Wut in der "FAZ" Luft. Sie findet, etablierte Konzertveranstalter förderten zu wenig die Jugend. Deswegen möchte sie mit ihrem Preisgeld junge Menschen fördern.

"Ich habe manchmal eine Stinkwut" – in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN zieht die Bratschistin und Siemens-Musikpreisträgerin Tabea Zimmermann so fröhlich wie ehrlich vom Leder. Wem gilt die Stinkwut?

Zum Beispiel großen und etablierten privaten Konzertveranstaltern, die für junge Leute keine verbilligten Konzertkarten rausrücken. Oder ihr mit Sätzen kommen wie "'Okay, Sie wollen ein Bartok-Quartett spielen? Dann müssen Sie die Gema-Gebühren selbst zahlen' – Das bekam ich tatsächlich zu hören", erzählt Tabea Zimmermann.

Programmtipp: Ein Konzert mit Tabea Zimmermann übertragen wir am 10. Mai.

Wir erinnern freundlich: der angebliche Musikschreck Bela Bartok wurde im 19. Jahrhundert geboren, starb 1945. Und manch ein Konzert-Begeisterungstest, den die Pressebeschauerin gerne mit Musikeinsteigern unternimmt, enthielt ein Werk von Bartok. Hat eigentlich immer gut geklappt.

Mit Preisgeld Jugend fördern

Aber zurück zur Bratschistin Zimmermann, die ihren Preis coronabedingt nicht wie geplant schon am 11. Mai in Empfang nehmen kann. Mit dem Preisgeld möchte Tabea Zimmermann "unbedingt etwas an junge Menschen weitergeben, weil ich selbst so stark von der Förderung durch andere profitiert habe."

Was sie jungen Musikern wünscht, angesichts eines doch schwer durchkommerzialisierten Konzertbetriebs?

"Den Mut, sich selbst zu sagen, dass sie nicht überall dabei sein müssen. Man muss sehr früh lernen abzuschätzen: Was tut mir gut, was tut mir nicht gut? Wenn mir eine Person mit Macht und Einfluss in irgendeiner Weise nicht guttut, dann muss ich mich fernhalten, auch wenn dabei ein Konzert weniger für mich herausspringt."

So viel Gradlinigkeit wünscht man sich öfter. In jeder Kunst. Und nicht nur da.

Die gedachte Nähe

Dabei ist die Bratsche ja eigentlich ein vermittelndes Instrument. Ob das auch fürs Hackbrett gilt? Die SÜDDEUTSCHE vermeldet: Auf indischen Theaterbühnen sind Kussszenen verboten, "und ein Hackbrettsignal zeige an, dass man sich Nähe nun denken müsse."

Ob Christian Stückl, Intendant des Münchner Volkstheaters, das auch für deutsche Bühnen für tauglich hält, bleibt offen. Aber: Stückl präsentiert ein konkretes Konzept, wie es gehen könne auf der Bühne und im Zuschauerraum in Corona-Zeiten.

Reinhard Brembeck findet das schon deshalb gut, weil in offiziellen Verlautbarungen der Politik die Kultur derzeit an letzter Stelle stünde, "nach Fahrschulen und Biergärten".

"Allerdings ist es jetzt mehr als überfällig, dass Politiker, angefangen bei dem nicht gerade durch seine Liebe zur Kunst aufgefallenen bayerischen Ministerpräsidenten, endlich den Spielbetrieb wieder freigeben. Zumal sie ja auch anderen, etwa der Bundesliga, Spielerlaubnis erteilt haben", meint Brembeck in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Und weiter:

"Ein Zweimannduell im Strafraum ist kaum weniger intim als die Kussszene aus Shakespeares Othello'".

Alle ins Internet

Der TAGESSPIEGEL widmet sich der re:publica, die, per se internet-affin, diesmal komplett im Netz stattfindet. Was ein ziemlicher Aufwand war und anstrengend, bei einem Konzept, das eigentlich 1000 Sprecherinnen und Sprecher in die reale Bütt schicken wollte. Aber, meint Begründer Markus Beckedahl gegenüber dem TAGESSPIEGEL:

"Wir sind als Konferenz gestartet, wo viele Menschen zusammenkamen, die sich sonst größtenteils nur aus dem Internet kannten. Wir haben uns zu einem Festival weiterentwickelt, das immer ein Ziel hatte: Einen Ort zu schaffen, wo viele relevante gesellschaftliche Fragestellungen auf Augenhöhe diskutiert werden. Wenn das gerade nur online geht, dann machen wir das eben so."

"Wirklich frei ist nur, wer die Kunst der Gelassenheit beherrscht", räsoniert Thomas Ribi ein wenig sehr beflissen in der NZZ. Die Überschrift zum angestrebten Aggregatzustand? Heißt, tatsächlich: "Wie ein Boot in der Flaute". Bleiben wir also "entspannt, aber aufmerksam". Chapeau und toitoitoi.

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