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Kulturpresseschau | Beitrag vom 31.03.2020

Aus den FeuilletonsErinnerungen an japanische Filmkunst

Von Gregor Sander

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Filmausschnitt des Akira Kurosawa Films "Das Schloss im Spinnwenwald" von 1957 mit Darsteller Toshiro Mifune (imago images )
Der japanische Starschauspieler Toshiro Mifune wäre am 1. April 100 Jahre alt geworden - daran erinnert Gerhard Midding in der "Welt". (imago images )

Die "Welt" beschäftigt sich anlässlich des 100. Geburtstags des Schauspielers Toshiro Mifune mit dem japanischen Film. Die Dramaturgie des Vorenthaltens von Regisseur Akira Kurosawa im Zusammenspiel mit Mifune sei unübertroffen.

"Der Begriff 'Museum' hat etwas verstaubtes an sich", schreibt Wladimir Kaminer in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG: "In den Hollywoodfilmen werden die Museen als eine Art Grabstätten des Wissens und der Kunst dargestellt, leere verdunkelte Hallen, ein idealer Ort zum Morden." In gewohnt flapsiger Kaminer-Manier drückt er sich dann um eine wirkliche Antwort auf die Frage, die die SZ ihm und anderen eigentlich stellt: "Welche Aufgabe hat ein Jüdisches Museum in Deutschland?"

Als Anlass dient der Amtsantritt der neuen Leiterin Hetty Berg. Gewohnt meinungsstark antwortet Eva Menasse: "In Deutschland und also auch im Jüdischen Museum können Dinge nicht gesagt und verhandelt werden, die in Israel zum Meinungsspektrum gehören. Das Museum kann sich eigentlich nur darauf beschränken, die Geschichte der Juden zu erzählen und wertvolle Kultusgegenstände auszustellen. Gähn." nörgelt Menasse und den Direktorinnenposten beschreibt sie so:

"Hetty Berg wird als Superdiplomatin über das Minenfeld also quasi dahinschweben müssen, scharf beobachtet von denen, die beim kleinsten Verstoß gegen ihre spezifischen Nahost-Ansichten 'Antisemitismus' schreien und Netanjahu zu Hilfe rufen."

Unsinnige Vorgaben per Gesetz

Michael Wolffsohn benennt klar, was das Museum nicht leisten sollte: "Widersinnig ist die Vorgabe des Gesetzgebers oder der Politik, das Berliner Museum solle eine Forschungseinrichtung sein. Das ist Aufgabe der Fachdisziplinen an Universitäten", stellt der Publizist in der SÜDDEUTSCHEN fest, während sich die Schriftstellerin Dana von Suffrin für das Jüdische Museum wünscht, was man sich für alle kulturellen Einrichtungen wünschen kann:

"Was, diesen Idioten haben sie heute Abend eingeladen? Das gibt es nicht! Das schaue ich mir an!"

Kunst mit der Kamera

In der Tageszeitung DIE WELT wird ganz genau auf einen Körperteil im Kinofilm geschaut: "Ist die Kamera auf den Rücken fixiert, bleibt das Antlitz notwendig unsichtbar. Der Nacken ist ein Hindernis, das sich ihr in den Weg stellt, bevor sie, wie nach dem Aufbruch einer Blockade, endlich den Rest des Schauspielers entdeckt. Niemand verstand sich auf diese Dramaturgie des Vorenthaltens so gut wie das Gespann des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa und seines Starschauspielers Toshiro Mifune."

Der Darsteller wäre am 1. April hundert Jahre alt geworden und Gerhard Midding betont in seiner Hommage, dass Mifune nicht nur aus einem stahlharten Nacken bestand: "Als der jüngste, tollkühnste der 'Sieben Samurai' ist er eine Naturgewalt wie die Sintflut, die auf die letzte Schlacht herab prasselt. Die paranoide Unrast seines Macbeth kommt nicht einmal im Sterben zum Stillstand: ein gehetztes Raubtier, das in einem Regen von Pfeilen einen vielfachen Tod stirbt."

Grimme-Preis-Regisseure enttäuschen

Für ihr Dokudrama "Meister des Todes" über verbotene Waffengeschäfte der Firma Heckler & Koch in Mexiko erhielten der Regisseur Daniel Harrich und der Drehbuchautor Gert Heidenreich 2015 den Grimme-Preis. Am Mittwoch läuft im Ersten nun die Fortsetzung, die die Macher etwas sehr einfallslos: "Meister des Todes 2" tauften.

Da ist die TAZ in ihrer Fernsehkritik schon kreativer: "Planet der Waffen", wird da getitelt. Oliver Jungen zeigt sich trotz Starbesetzung von Axel Milberg bis Désirée Nosbusch in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG wenig begeistert: "Leider macht Harrichs Team filmisch eine Menge falsch, so dass am Ende ein plakatives Gerichtsdrama mit leider angestückt anmutender, emotional zugespitzter Seitenhandlung in Mexiko herausgekommen ist", so Jungen.

Und der Berliner TAGESSPIEGEL beschwert sich über die Deutsch sprechenden Mexikaner: "In einem Film, der den Opfern von Rüstungsexporten eine Stimme geben will, wirkt diese kulturelle Aneignung besonders deplatziert", meint Thomas Gehringer.

Uns bleibt hier am Schluss nur eine aktuelle Warnung an alle Hipster und Einsiedler zu vermelden, die in der TAZ zu lesen ist: "Der Bart könnte eine Gefahrenquelle bei der Übertragung des Coronavirus sein. Hat sich damit die Vollbartmode erledigt?"

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