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Kulturpresseschau | Beitrag vom 27.09.2020

Aus den FeuilletonsEin soziales Netzwerk ohne Trolle

Von Klaus Pokatzky

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Die Logos verschiedener sozialer Netzwerke (imago images / ZUMA Wire / Anto Magzan)
TikTok ist schon längst ein alter Hut. Mit Telepath drängt nun ein neues soziales Netzwerk auf den Markt: Es will Harmonie verbreiten. (imago images / ZUMA Wire / Anto Magzan)

Konstruktive Diskussionen und Fakten in sozialen Netzwerken? Das muss kein Widerspruch sein, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet: Der neue Anbieter Telepath habe angekündigt, weder Diskriminierung noch Fake News zu dulden.

"Überall in den sozialen Netzwerken findet sich toxisches Verhalten", lesen wir in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG über digitale Manieren, die wohl eher als unsozial zu bezeichnen sind: "Streit und Missgunst sind Standard des menschlichen Umgangs, die Lüge ist zum bevorzugten Mittel der Kommunikation geworden."

Telepath - das Harmonienetzwerk

Doch wo Gefahr droht, naht das Rettende auch. Ein neues Netzwerk will die Höflichkeit hochhalten – sein Name: Telepath. "Auf der Plattform", schreibt Michael Moorstedt, "soll es keine Diskriminierung und keine Fake News geben. Stattdessen: wohltuende und konstruktive und sachliche Diskussionen."

Das klingt zivilisiert und verletzt auch nicht. "Zum einen bedarf es für eine Anmeldung des Klarnamens und der eigenen Telefonnummer. Das soll verhindern, dass sich Fake-Accounts und Trolle auf der neuen Plattform ausbreiten. Zum anderen verspricht das Netzwerk eine rigide Moderation." Wir wünschen Telepath viel Erfolg.

12.000 Belarussen sind inzwischen verhaftet

"Wir hoffen das Beste und bereiten uns auf das Schlimmste vor." Das sagt eine Historikerin. "Jedenfalls ist die belarussische Gesellschaft heute schon eine andere als noch vor ein paar Jahren", meint im Interview mit der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG Svetlana Babac: ein Pseudonym – der Name der Gesprächspartnerin wurde verändert - zu gefährlich könnte es für sie sonst werden in ihrem Land:

"Natürlich traut sich nicht jeder, auf die Straße zu gehen, weil immer eine Verhaftung droht. Letzte Woche ist beispielsweise ein guter Freund von mir, ein wunderbarer Übersetzer ins Deutsche, verhaftet und für sieben Tage ins Gefängnis geworfen worden. Das war ein ziemlicher Schock für uns. Nach einer lokalen Protestaktion lief er allein nach Hause, da haben sie ihn geschnappt. 12.000 Menschen sind inzwischen verhaftet worden."

US-Republikaner treten ohne Programm zur Wahl an

Wie gut geht es uns da im freien Westen. "Donald Trump will eine mögliche Wahlniederlage nicht eingestehen und weigert sich, eine friedliche Amtsübergabe zuzusichern", werden wir da aber in einem anderen Beitrag der FRANKFURTER ALLGEMEINEN auf den Boden der politischen Tatsachen zurückgeholt.

"Dass Rechtspopulisten wie Trump, die sich als einzig legitime Vertreter des vermeintlich wahren Volkes darstellen, meinen, eigentlich gar nicht verlieren zu können, hat seine eigene Logik", meint der Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller und weist uns darauf hin, dass zu dieser Logik in den USA auch gehört, dass Trumps Republikaner in den jetzigen Wahlkampf ohne jedes Programm gezogen sind:

"Vor dem Parteitag im August beschlossen sie, kein Wahlprogramm für 2020 zu formulieren; man beschränkte sich darauf, dem Präsidenten und seiner 'America first'-Agenda die Treue zu schwören." Was ist nur los in unserem freien Westen?

In den USA herrscht der Sadopopulismus

"Es ist sehr wichtig, dass deutsche Leser die Amerikaner nicht für verrückt erklären. Es ist wichtig, Mitgefühl zu haben", ruft uns da Timothy Snyder zu. "Wir leiden, damit wir mehr leiden können", erklärt der amerikanische Historiker die Politiklogik seines Landes in lebensbedrohenden Coronazeiten.

"Wir sterben im Jahr 2020, damit wir auch 2021 sterben können. Das ist nicht Populismus. Es ist Sadopopulismus", meint er im Interview mit der Tageszeitung DIE WELT.

"Diese USA sind nicht mehr in der Lage, Kraftakte zu schaffen: Der Gemeinsinn ist weg." Das schreibt im Berliner TAGESSPIEGEL Klaus Brinkbäumer – der nach zwei Jahren in den USA nach Deutschland zurückgekehrt ist: "Die Deutschen wirken gelassener als die Amerikaner, haben sie sich auf eine andere, eigene Normalität verständigt?"

Das hoffen wir doch sehr.

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