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Kulturpresseschau | Beitrag vom 15.03.2019

Aus den FeuilletonsEin Buch wie ein Schraubstock

Von Adelheid Wedel

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Die britische Schriftstellerin Reni Eddo-Lodge beklagt in ihrem Buch "Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche" den strukturellen Rassismus scheinbar aufgeklärter Gesellschaften. (imago stock&people)
Schriftstellerin Reni Eddo-Lodge: (imago stock&people)

"Die Welt" rezensiert ein Buch der britischen Schriftstellerin Reni Eddo-Lodge. Die Autorin schreibt über aktuellen Rassismus und dass die "Weltoffenheit und Toleranz in den Siebziger bis Neunzigerjahren keine realen Folgen" gezeitigt hat.

"Der Unterschied, dessen sich People of Colour von Geburt an vage bewusst sind, ist nicht gutartig." In der Tagezeitung DIE WELT finden wir eine Rezension des Buches "Warum ich mit Weißen nicht mehr über Hautfarbe spreche" von der britischen Journalistin Reni Eddo-Lodge. Dieses Buch wirke "wie ein Schraubstock", meint Swantje Karich:

"Am Anfang fühlt man sich noch in Sicherheit, glaubt es mit einem dieser üblichen Empörungsbücher zu tun zu haben, in diesem Fall ja über die britische Gesellschaft, weniger über uns hier in Deutschland. Doch die Zwinge geht Seite für Seite immer weiter zu, je mehr wir von den Kämpfen und Verbrechen erfahren, die Eddo-Lodge umkreist und fixiert."

Die "Farbenblindheit" befördert den strukturellen Rassismus

Dicht würden jene Beschreibungen wirken, schreibt die Rezensentin, die eine präzise, aber ungeliebte Behauptung aufstellen. Und die heißt: "Wir haben heute mit einem strukturellen Rassismus zu kämpfen, weil die neue Weltoffenheit und Toleranz in den Siebziger- bis Neunzigerjahren keine realen Folgen hat."

Zitat aus dem Buch: "Das Konzept der Farbenblindheit wurde erschaffen, um rassistische Hierarchien und Ungerechtigkeiten aufrecht zu erhalten." Die bittere Botschaft dieses düsteren Erfahrungsbuches heißt: "Uns selbst immer wieder einzureden – und schlimmer noch – unseren Kindern einzureden, dass wir alle gleich sind, ist eine irreführende, wenn auch wohlmeinende Lüge."

Neues europäisches Gesprächsformat der Goethe-Institute

Die Tageszeitung TAZ stellt uns ein neues europäisches Gesprächsformat vor. "Mit "Freiraum" haben die Goethe-Institute eine Plattform geschaffen, um europaweit miteinander ins Gespräch zu kommen. Diese Woche tagt das Projekt mit Diskussionen und Ausstellung in Berlin", erfahren wir aus der TAZ. Beim Treffen in dieser Woche hier geht es um die Frage, "wie eine lebenswerte Stadt der Zukunft aussehen kann. Die Berichte aus verschiedenen Städten Europas machen deutlich, dass Luftverschmutzung, steigende Mieten und die damit einhergehende Homogenisierung Europathemen sind", fasst Inge Barthels zusammen.

"Lernen, Zuhören, Verstehen", das sind die Schlagwörter, die der Generalsekretär des Goethe-Instituts Johannes Ebert in seiner Ansprache hervorhob. "Angesichts von Eurokrise, Brexit und dem Aufstieg der Rechten ist das Projekt ein Versuch, sich auf die Stärken Europas zu besinnen", lobt Inga Barthels dieses, wie sie sagt, "großartige Experiment."

Künstlerische Freiheit für Designer

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG entdeckt: "In der weltweit ersten Messe Collectible für zeitgenössisches Design zeigt sich die ganze Bandbreite aktueller Tendenzen in diesem Bereich." In einem ehemaligen Möbelhaus mitten in Brüssel verteilen sich auf fünf Stockwerken etwa 100 Aussteller und "geben einen umfassenden Überblick über Tendenzen im zeitgenössischen, aber eben auch sammelwürdigen Design. Den Machern geht es darum, künstlerische Freiräume auszuloten", berichtet Susanne Koeberle.

Designer, die sich üblicherweise nach den rigiden Parametern der Massenproduktion richten müssen, genießen es, auch experimentell arbeiten zu können, denn: "Viele von ihnen haben künstlerische Ausbildungen – und machen dann, vereinfacht ausgedrückt, benutzbare Kunst."

Der Einfluss Okwui Enwezors auf die Kunstgeschichte

"Er verstand Ausstellungen als Bühne für zeitgenössische Positionen aus der ganzen Welt" – das steht im Nachruf auf Okwui Enwezor in der TAZ. Brigitte Werneburg hebt hervor, dass er es war, "der der Documenta ihre erste postkoloniale Erfahrung bescherte."

Und Niklas Maak in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG: "Man kann den Einfluss von Enwezor auf die Kunstgeschichte und –theorie der vergangenen Jahrzehnte gar nicht hoch genug schätzen. Es war eine der Qualitäten des Documenta-Kurators, dass er in Kassel nicht einfach westliche Kunst durch nichtwestliche ersetzte, sondern sie in einem Spannungsverhältnis zeigte, das beide besser verstehen ließ – und oft auch zeigte, wie untrennbar sie durch die koloniale und postkoloniale Geschichte miteinander verbunden waren."

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