Montag, 26.10.2020
 

Kulturpresseschau | Beitrag vom 08.06.2020

Aus den FeuilletonsDie Vorteile des digitalen Lernens

Von Klaus Pokatzky

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Schüler sitzen in einer Reihe und lernen mit Laptops. (picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)
Die Rektorin der Fernuniversität Hagen spricht sich in der "FAZ" für digitales Lernen aus. (picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa)

Die Coronakrise hat Lernen in Deutschland teilweise digitalisiert. Gerade für Lehrende habe ein "Crashkurs in digitaler Weiterbildung" stattgefunden, heißt es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das sollte man nun nicht mehr verlernen.

"Die zarte, stille Zeit des ersten Coronaschocks ist vorbei", lesen wir in der Tageszeitung TAZ. "Man geht seit Corona überhaupt viel freier durch die Straßen!", freut sich Christiane Rösinger. "Der gesenkte Blick der Spaziergängerin ist ja eine nötige, wenn auch unzureichende Strategie, um die ständigen Bewusstseinsschocks in touristifizierten Gegenden zu vermeiden. Doch nun sieht man sich mit neuen, frischen Corona-Augen in den ausgestorbenen Straßen um." Und denkt sich recht ungewöhnliche Worte aus: "Touristifiziert" kannten wir noch nicht.

"Eine Kulturrevolution des Lernens"

"Wir haben in den vergangenen Wochen eine neue Praxis von Lernen kennengelernt", steht denn auch passend in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. "Es wäre jammerschade, wenn wir das einfach wieder vergäßen", meint Ada Pellert im Interview. "Wir stecken mitten in einer Kulturrevolution des Lernens", schwärmt die Rektorin der Fernuniversität Hagen und schwört auf den "Crashkurs in digitaler Weiterbildung", den wohl weniger die junge Schülergeneration und sehr viel mehr die alte Lehrerschaft zu bestehen hatte.

"Aus den Berichten von Lehrenden aus der Coronakrise wissen wir: Sie sehen in digitalen Kanälen oder Produkten oft viel genauer, was ihre Schützlinge draufhaben, als wenn der einzelne Lerner in einer Klasse mit dreißig Schülern verschwimmt. In einem Einzel-Videogespräch kann sich ein Lehrer zum Beispiel viel mehr Zeit für einen Schüler nehmen, als wenn er auf dem Schulflur schnell ein paar Hinweise gibt." Wir freuen uns auf die Digital-Schulifizierung.

Gefahren des Lebens

"Wir lieben das Abenteuer, aber fürchten die Gefahr", ruft uns da – schon wieder passend – die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG zu. "Aus dem Alltag ist die Gefährdung des Daseins wenn nicht weitgehend verschwunden, dann doch wirksam aus dem Bewusstsein verdrängt", beschreibt Roman Bucheli das bequeme Dasein in unseren europäischen Wohlstandsländern. Doch dann kam eben Corona. "Das Virus hat unser Leben plötzlich wieder gefährlich gemacht. Selten vielleicht war uns die Gefährdung des Daseins so unmittelbar bewusst wie in den vergangenen Monaten – und dies umso mehr, als die Bedrohung ganz unsichtbar blieb."

Und da Roman Bucheli der Literaturredakteur der NEUEN ZÜRCHER ist, dürfen wir auf die entsprechenden Erwähnungen der großen Schriftsteller mit ihren Ängsten vertrauen – und wer wäre da besser geeignet als unser guter alter Goethe, der einst, 1792 war’s, bei der berühmten Kanonade von Valmy dabei war, als französische Revolutionstruppen den preußischen Soldaten zeigten, was Revolutionäre so drauf haben?

Goethe als "embedded journalist"

Johann Wolfgang war dort vielleicht der erste "embedded journalist" – und soll, so Roman Bucheli, "damals für den Fall der glücklichen Rettung aus der Gefahr gelobt haben, ‚sich über Missbehagen und Langeweile im deutschen Theater nie wieder beklagen‘ zu wollen. Selbstredend hielt er sich nicht ans Gelübde." Und hinterließ dafür einen seiner vielen wunderbaren Sprüche: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen."

Schöne Sätze gibt es aber auch in unseren Zeiten. "Ich finde das Grundgesetz durchgehend super", meint der deutsch-marokkanische Komiker, Kabarettist und Fernsehmoderator Abdelkarim. "Wenn ich mich aber nur für eine Stelle entscheiden müsste, dann Artikel 1, Absatz 1, Satz 1: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘", sagt er im Interview mit dem Berliner TAGESSPIEGEL. "Wenn man versucht, diesen Gedanken im Hinterkopf zu behalten, macht man automatisch vieles richtig."
Nein: Fast alles!

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