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Kulturpresseschau | Beitrag vom 29.07.2020

Aus den FeuilletonsDie Stones wollen kein Trump-Soundtrack sein

Von Paul Stänner

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Mick Jagger, Sänger der Rolling Stones. (picture alliance/Vit Simanek/CTK/dpa)
Mick Jagger will nicht, dass seine Musik von Donald Trump bei Wahlkampfauftritten genutzt wird. (picture alliance/Vit Simanek/CTK/dpa)

Mick Jagger und andere Musiker wollen nicht, dass ihre Musik bei Wahlkampfauftritten von Trump gespielt wird. Sie fordern deswegen, dass Politiker ihre Zustimmung einholen müssten. Die "FAZ" findet das überflüssig.

Zur Wochenmitte bieten die Feuilletons eine so breite Palette, als wollten sie sich umschauen, was in dieser Welt alles möglich ist.

Laut FAZ trifft der Bertelsmann-Konzern Vorbereitungen, den Wirecard-Skandal zu verfilmen, während das ZDF eine Verfilmung von Mumin-Geschichten synchronisiert. Bei den Mumins – das sind kartoffelgesichtige Figuren der finnischen Autorin Tove Jansson – geht es um "Respekt, Liebe, Fantasie und die Kraft von Marmelade". Bei Wirecard geht es um Verbrechen und die Gier nach Geld. Das sind wohl die Pole dieser Welt.

Neuer Podcast von Michelle Obama

Die SÜDDEUTSCHE schreibt auf ihrer Medienseite über Michelle Obamas neuen Podcast. Der erste Gast? Genau: Ehemann und Ex-Präsident Barack. Michelle bedankt sich dafür, dass er gekommen ist, er kontert: Hatte ich denn eine Wahl? Danach wurde es politisch. Die Obamas treibt um, ob die Amerikaner wählen gehen. Barack hofft: Ja! Michelle nennt ihn daraufhin einen "ewigen Optimisten". Und kein Wort über Trump.

Musik für Wahlkampfauftritte

Gegen eben diesen hat sich in den USA eine Front von 153 Musikern gebildet, die fordern, dass Politiker, die ihre Musik bei Wahlkampfauftritten spielen wollen, zuvor eine Zustimmung einholen müssen.

Auch Mick Jagger ist dabei, weil Trump den Rolling-Stones-Titel "You can't always get what you want" gespielt hat. Die FAZ findet das überflüssig. "Kein Mensch käme auf die Idee, die Rolling Stones wären, nur, weil sie nicht einschritten, Trumps Meinung."

Das kulturelle Establishment gehe sowie mit nichts konform, was Trump tue, giftet die FAZ und kritisiert "die philisterhafte Art", in der die "notorischen 153 intellektuellen Unterzeichner" sich distanzieren.

Beherrscht wird das Feuilleton der FAZ von dem Thema Europa. Die italienische Zeitung "La Repubblica" und die FAZ haben eine Kooperation vereinbart, um "die Notwendigkeit eines stärkeren Europas zu einem Hauptanliegen des deutschen Semesters der EU-Ratspräsidentschaft zu machen."

EU-Kommissare müssen Lösungen finden

In dieselbe Richtung geht ein Artikel von Franz Fischler, dem ehemaligen EU-Kommissar für Landwirtschaft. Er fordert, dass nicht akzeptiert werden kann, wenn einzelne Staaten EU-weite Lösungen blockieren und dann die Probleme auf dem Tisch blieben. Fischler schreibt:

"Ein Kanzler oder eine Kanzlerin, die in ihren Heimatstaat zurückkommen und sagen: 'Eine Einigung ist nicht möglich', sollte auf die Reise geschickt werden mit der Botschaft: Bitte versuchen wir es noch einmal und danach ein weiteres Mal, denn keine Lösung ist für uns WählerInnern keine Option."

Gedenken an Rebeccah Blum

Die taz greift einen Mord und Selbstmord auf, der in Berlin seit einigen Tagen Zeitungsthema ist. Sie kritisiert, dass man überall reichlich über den Mörder lesen konnte, wobei nie vergessen wurde, dass er ein Freund von Brad Pitt gewesen sei, aber nichts über das Opfer, die ermordete Rebeccah Blum. Die taz erinnert nun auf einer ganzen Seite an die aus den USA stammende Kuratorin und Kunstvermittlerin.

Picknick im Trend

Die SÜDDEUTSCHE widmet sich auf einer ganzen Seite dem Zeitgeist. Der nämlich geht zum Essen und Trinken ins Grüne. Picknick ist in! Eine Händlerin berichtet, dass sie 400 Prozent mehr Picknickzubehör verkauft habe als im letzten Jahr.

Die SZ folgt der Geschichte dieser Kultur bis zurück in die Bibel: "Schon bei der 'wunderbaren Brotvermehrung' mit Jesus als Picknick-Obmann soll die Speisung des Volkes lagernd im hohen Gras stattgefunden haben."

Sie geht weiter zu Manets berühmten Bild mit nackter Esserin auf Picknickdecke und zu einem Film mit Grace Kelly. "Brust oder Keule", resp. "Brust oder Bein" lautete im Film die Frage und es blieb offen, ob die Körperteile des Hühnchens oder der Kelly gemeint waren.

"So oder so lässt sich behaupten: Die wunderbare Kunst des Picknicks ist eine Form des Hedonismus, bei der sich kulinarisches Versprechen und amouröse Sehnsucht idealerweise mit dem Wunder eines freien und wie frisch aus der Reinigung kommenden Himmels verbinden. Und die Wolken wolken", schreibt die SÜDDEUTSCHE.

Nehmen Sie das, verehrte Hörerinnen und Hörer, schon heute als Anregung für die Wochenendplanung. Viel Vergnügen dabei!

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