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Kulturpresseschau | Beitrag vom 07.06.2020

Aus den FeuilletonsDie Hautfarbe als Risikofaktor

Von Klaus Pokatzky

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Protestierende halten Plakate mit der Aufschrift "Black Lives Matter" in die Höhe.  (Consolidated News Photos/Amanda Andrade-Rhoades)
In Washington demonstrieren die Menschen weitgehend friedlich (Consolidated News Photos/Amanda Andrade-Rhoades)

Für Schwarze in den USA ist das Risiko, Opfer von Polizeigewalt zu werden, doppelt so hoch wie für Weiße, meldet die „Welt“. In den letzten fünf Jahren sind demnach 1252 Schwarze nach Polizeieinsätzen gestorben.

"In Zeiten von Corona lieber auf die Wendung ‚in Zeiten von Corona‘ verzichten." Das rät uns die Tageszeitung TAZ. "Danach muss man weitersehen." Wir sehen weiter – in Zeiten von Corona.

"Die chinesische Regierung plant offenbar, unter strengen Hygienevorschriften die Kinos im Land wieder zu öffnen", erfahren wir aus der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.

"China ist nach den USA der zweitwichtigste Kinomarkt der Welt." Und einer der wichtigsten Handelsmärkte der Welt. Da blickt so mancher bei uns Richtung Osten nach Peking, wo der Blick Richtung Westen nach Washington immer trüber wird.

"Die Behörden haben auf die Coronakrise in Wuhan mit Repression und Vertuschung reagiert", ruft uns da die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG in Erinnerung, wie das kapitalistisch-kommunistische System etwa die Mediziner verfolgte, die vor Corona zu warnen wagten.

Die Predigt als letzter Ausweg

"Wenn es schlimm wird, steckt man in den Vereinigten Staaten von Amerika seine letzte Hoffnung in große Reden, in Predigten", lesen wir in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG.

"In dieser Tradition sprach auch Jacob Frey, der 1981 geborene Bürgermeister von Minneapolis, als er nach dem Tod George Floyds die Strafverfolgung aller vier daran beteiligter Polizisten forderte", schreibt Jan Wiele.

"Und Muriel Bowser, Bürgermeisterin von Washington, D.C., als sie Donald Trump mutig schrieb, die Sicherheitsbehörden sollten die Rechte der Bürger schützen und nicht einschränken."

Manches ist für uns unfassbar, was nun in den Vereinigten Staaten zu erleben ist. Für die Menschen dort ist es einfach Alltag.

1252 schwarze Opfer von Polizeigewalt in den USA

"1252. So viele Schwarze sind in den Vereinigten Staaten in den vergangenen fünf Jahren durch Polizeigewalt umgekommen", steht in der Tageszeitung DIE WELT.

"Die Wahrscheinlichkeit ist für einen Schwarzen doppelt so hoch wie für einen Weißen, obwohl die Schwarzen nur circa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Entweder kommt es nicht zur Anklage, oder die Verdächtigen werden freigesprochen", schreibt Jan Küveler. "Das System der Segregation, des Rassenhasses und der Ideologie der White Supremacy, der weißen Vorherrschaft, hat auch Obama in den acht Jahren seiner Präsidentschaft unangetastet gelassen."

Da werfen wir in Zeiten von Corona noch einen Blick auf hoffnungsfrohe Nachrichten. "Die österreichischen Chöre haben es jetzt schwarz auf weiß", meldet die NEUE ZÜRCHER.

"Eine Studie der Medizinischen Universität Wien ergab, dass Singen nicht gefährlicher ist als Sprechen", schreibt Paul Jandl. "Auch von den Freunden der Blasmusik kommt Entwarnung: Mit einem Sicherheitsabstand von 1,5 Metern könne man sich langsam in eine Nach-Corona-Zeit vorantasten."

"Die Geige muss beherrscht werden"

Hoffen wir, dass das auch für die anderen Instrumente gilt – etwa für jenes, das jetzt besonders gewürdigt wird. "2020 ist das Jahr der Geige", heißt es im Berliner TAGESSPIEGEL. "Die Geige muss beherrscht werden", sagt ein Beherrscher dieses Streichinstruments.

"Je besser die Geige ist, desto stärker ist ihr Charakter, desto schwieriger ist es, sie zu beherrschen", meint im Interview Daniel Stabrawa, Konzertmeister der Berliner Philharmoniker – und vergisst auch seine Mitspieler nicht.

"Einerseits ist ein Orchester fragil, braucht Verständnis. Andererseits darf man sich nicht plattmachen lassen von großen Egos." Und es muss heftig gegeigt werden.

"Es gibt einen Witz des Pianisten Arthur Rubinstein: Wenn ich einen Tag nicht übe, merke ich es. Wenn ich zwei Tage nicht übe, dann merken es meine Freunde. Und wenn ich drei Tage nicht übe, merkt es das Publikum."

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