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Kulturpresseschau | Beitrag vom 18.04.2021

Aus den FeuilletonsDie grüne K-Frage: Alle sind okay

Von Arno Orzessek

Die Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Robert Habeck und Annalena Baerbock. (imago / Sven Simon)
Während in der Union um die K-Frage ein erbitterter Machtkampf geführt wird, geht es bei den Grünen eher geräuschlos zu. (imago / Sven Simon)

Die nächste Kanzlerin könnte Annalena Baerbock heißen, ihre Chancen stehen jedenfalls gut, lesen wir in der "Welt": "Robert Habeck wäre als Kanzlerkandidat aber auch in Ordnung. Die Grünen können bei dieser Entscheidung keinen Fehler machen."

Dass am vergangenen Samstag Prinz Philip beerdigt wurde, ist der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG kein großes feuilletonistisches Aufheben wert. Nüchtern erklärt Gina Thomas: "Die Trauerfeier für Prinz Philip erinnerte an jene für den Gatten Königin Victorias." Einzelheiten über diese Parallele lesen Sie bitte in der FAZ nach.

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Denn wir schlagen die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG auf, wo ein völlig anderer Ton herrscht. Die Schriftstellerin Alison Louise Kennedy empört sich über den gewaltigen posthumen Philip-Hype in den britischen Medien – namentlich der BBC – und unter den britischen Eliten:

"Das Schlimmste ist, dass uns auf diese Weise unsere Trauer über die Corona-Opfer gestohlen wird. So viele von uns trauern, fühlen sich wie betäubt, haben Wunden – und dieser Schmerz wird nun requiriert, um eine feudale Fantasie fortzuführen.

Uns wurde gesagt, alte Menschen seien entbehrlich. Unsere Altersheime wurden erst nicht vor Infektionen abgeschirmt und dann gezwungen, Covidpatienten aufzunehmen. Und jetzt soll das normale Leben wegen eines einzigen alten Mannes zum Erliegen kommen?

Wir mussten uns damit abfinden, weder Abschied nehmen noch die Hand von Sterbenden halten oder richtige Begräbnisse abhalten zu können. Aber dieser eine alte Mann starb friedlich in seinem Bett und 'eine Nation trauert'?"

Total sauer: Die SZ-Autorin Kennedy, die am Ende ausruft: "Mein Gott, es gibt so viel Wut."

Falls Sie nachlesen wollen, dass Sie die Trauerfeier für Prinz Philip auf immerhin sieben deutschsprachigen Sendern hätten sehen können: Lesen Sie im Berliner TAGESSPIEGEL den Artikel "Royales Farewell". Elisabeth Binder hat fleißig hin- und hergezappt.

Stellen die Grünen die nächste Kanzlerin?

Nebenstehend erfahren Sie dann auch gleich: "Das Kanzler-Kandidat:in-Interview" mit Annalena Baerbock und Robert Habeck kann man an diesem Montag nur bei ProSieben verfolgen, nicht etwa bei ARD oder ZDF. Der TAGESSPIEGEL-Autor Markus Ehrenberg erkennt darin zwar keinen "Medien-Scoop", aber doch eine Tendenz, und er erläutert selbige unter der Überschrift "Ab ins Grüne".

Dieser Aufforderung folgen wir nicht buchstäblich, schlagen jedoch in der Tageszeitung DIE WELT den Artikel "Die Grünen sind eine Projektionsfläche" auf. Das behauptet Ulrich Schultes, der Autor des Bestsellers "Die grüne Macht". Schultes erklärt im Gespräch mit Ulf Poschardt, welche grüne Spitze er favorisiert:

"Mein Tipp ist: Annalena Baerbock wird es machen. Sie ist tief im Stoff, besitzt innere Härte, Chuzpe und die Fähigkeit, die Fäden zusammenzuhalten. Und sie ist eine Frau, was für eine feministische Partei nicht unwichtig ist. Aber Robert Habeck wäre als Kanzlerkandidat auch in Ordnung. Die Grünen können bei dieser Entscheidung keinen Fehler machen."

Die französischen Grünen machen keine Kompromisse

Wir bleiben bei den Grünen, überschreiten aber die westliche Landesgrenze. Folgt man der FAZ, sind die französischen Grünen spürbar schroffer drauf als unsere hiesigen. Da wäre zum Beispiel Grégory Doucet, der Bürgermeister von Lyon:

"Er zieht sein Programm ohne Kompromisse durch", berichtet Jürg Altwegg. "Keine Tour de France – und am Nationalfeiertag wird der 'Patrouille de France' das Überfliegen der Stadt mit Kampfflugzeugen verboten. Fliegen ist ohnehin verpönt, auch in Poitiers, wo das Futuroscope, ein der Technik und seiner Faszination gewidmeter Freizeitpark, in pandemiefreien Jahren zwei Millionen Besucher anlockt. Die meisten kommen mit der Familie und im Auto.

Am liebsten würde ihn die dreißigjährige Bürgermeisterin Léonore Moncond'huy wohl schließen. Vorab hat sie den Sportfliegern die Subventionen gestrichen: 'Fliegen darf kein Kindertraum mehr sein'."

Persönlich seit Langem dem Putzen zugeneigt, würden wir jetzt gern aus dem TAZ-Interview mit Verena Schneider zitieren, der Chefin der Reinigungsfirma Besserwischer. Aber leider steht das Schneider-Interview nicht im Kulturteil der TAZ und unsere Zeit ist um.

Ein Letztes noch: Sie wissen nicht, was Sie von der neuen Woche erwarten sollen? Nun, erwarten Sie mit einer Überschrift der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG "eine Wundertüte voller Widersprüche".

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