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Kulturpresseschau | Beitrag vom 18.11.2019

Aus den Feuilletons Die ewig Zweiten

Von Ulrike Timm

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Der Apollo-12-Astronaut Alan L. Bean kurz vor dem Betreten des Mondes (NASA)
Für die Apollo 12-Astronauten Pete Conrad und Alan L. Bean war vom Ruhmeskuchen nicht mehr viel übrig. (NASA)

An die beiden ersten Männer auf dem Mond erinnert sich jeder. Aber als dann nach Apollo 11 die nächste Rakete gelandet ist, welche zwei Männer betraten da den Mond? An ihre Namen erinnert die "Süddeutsche Zeitung" zum 50. Jahrestag der Mondlandung von Apollo 12.

Einfach futsch, zumindest verschollen! Die SÜDDEUTSCHE widmet sich ganzseitig einem Thriller zwischen Peking und Hamburg, vielleicht auch noch Hongkong und Shenzhen, ist nicht so ganz klar. Klar ist: 342 Werke deutscher Gegenwartskünstler sind irgendwie vom Erdboden verschwunden, 152 mal Markus Lüpertz, 87 mal Anselm Kiefer, 103 mal Renate Graf. So viel Kunst kann man wirklich nicht versehentlich verlegen.

Einem Sammler in Taiwan sollen Bilder schon zum Verkauf angeboten worden sein. Aufzudröseln ist die wahrscheinlich schwer kriminelle Verwirrung zwischen einer deutsch-chinesischen Sammlerin und der Bell Art GmbH, die inzwischen liquidiert ist.

Deren Chef, ein Herr Ma, war laut Recherchen der SÜDDEUTSCHEN so vielseitig wie umtriebig. Mal soll er im Auftrag des chinesischen Staates eine Million Tonnen Getreide verkauft haben, dann hatte er es wohl auf eine Kohlengrube in Indonesien abgesehen und zwischendrin wollte er chinesische Fußmassagesalons in Deutschland etablieren – na, und dann machte er eben Kunst.

Die Verästelungen müssen Sie bitte selbst in der SZ nachlesen. Das ist wirklich kompliziert. Aber Markus Lüpertz' Reaktion auf der in Peking anberaumten Pressekonferenz wollen wir Ihnen nicht vorenthalten: "Am Ende hält er den Hotelblock in die Höhe, zeigt, was er gekritzelt hat: Es ist ein Weihnachtsengel, durchaus martialisch. Ein Lüpertz in China wenigstens, der nicht verschollen ist."

Ruhmlose Mondlandung

"Schneller, höher, Zweiter" unter dieser Überschrift erinnert die SZ an die Mondspazierer Nummer drei und vier, an die Apollo 12 Astronauten Pete Conrad und Alan L. Bean nämlich. Vor 50 Jahren legten sie auf dem Mond eine Punktlandung hin, errichteten eine kleine Nuklearstation und brachten eine Farbbildkamera mit – aber gedenktechnisch ist der Ruhm eben von den Apollo 11 Astronauten Armstrong und Aldrin abgefrühstückt, die Kollegen der ein paar Monate späteren Mission kriegen da nichts mehr ab.

Als hätte er den Kollegen über die Schulter geschaut, titelt der TAGESSPIEGEL: "Plan B, Mars". "Jede Zeit bekommt die Visionäre und Erfinder, die sie verdient", schreibt Andreas Busche, dem "die quasi-religiöse Andacht, mit der der Name Musk ausgesprochen wird", etwas misstrauisch stimmt. Elon Musk nämlich, der mit der Ankündigung, eine Gigafabrik im Raum Berlin-Brandenburg zu errichten, seit ein paar Tagen ein Echo erhält, als würde er die gesamte Region und Deutschland gleich mit retten.

Wohin es Elon Musk treibt

Wobei der Autor mit den großen Visionären durchaus respektvoll umgeht, aber dieser Hype ist doch verdächtig - geplant ist das Werk übrigens in "unmittelbarer Nachbarschaft der Hightech-Ruine BER." Weiter heißt es: "Elon Musk, das ist bezeichnend für den visionären Pragmatismus der zweiten Silicon-Valley-Generation, hat bereits einen Plan B in der Tasche. Wenn es mit der grünen Mobilität nichts wird, bleibt uns immer noch der Mars." Schau’n wir mal.

Auf der Erde bleibt die NZZ, auch wenn es hier heißt: "Paradiesluft gibt’s gratis". Angesichts der Pleite des "ikonischen" Kaufhauses Barneys in New York preist man die Lust am Herumstöbern in Kaufhäusern – für Sarah Pines geht damit "ein Stück Ewigkeit" unter.

Achitektur und Karikatur

Bescheiden und höchst produktiv wie er war, hätte der Architekt und Zeichner Gustav Peichl von seinen Werken nicht so groß gesprochen – er wusste auch so, was er konnte. "Die Selbstverständlichkeit seiner Baukunst war schwer erkämpft", heißt es von Andrian Kreye und Gerhard Matzig, Peichls Bauten gehören zu den bemerkenswertesten in Österreich.

Die Süddeutsche Zeitung aber prägte Gustav Peichl als "Ironimus" mit seinen feinsinnigen Karikaturen - wie er all das auf die Reihe kriegte, ist kaum zu fassen. Jetzt ist Gustav Peichl im Alter von 91 Jahren gestorben. Sein Motto galt dem Zeichnen wie dem Bauen und dem Leben sowieso, er hat es sich von Karl Valentin ausgeliehen: "Leicht ist schwer was."

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