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Kulturpresseschau | Beitrag vom 25.06.2019

Aus den FeuilletonsDie Eiche – ein Klimakiller?

Von Tobias Wenzel

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Eine Eiche im Sonnenuntergang (AGAMI/W. Leurs/ imago images / blickwinkel)
Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt, dass Eichen bei Hitze sehr viel Wasser brauchen (AGAMI/W. Leurs/ imago images / blickwinkel)

Als Verursacher des Klimawandels stehen so manche im Verdacht. Die Industrie, aber auch der Konsument, der zu viel fliegt und Auto fährt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat nun eine bisher Unverdächtige im Visier: Die Eiche.

"Endlich geht die dunkle Ära zu Ende", schreibt Cigdem Toprak in der WELT mit Blick auf die Bürgermeisterwahl in Istanbul, die wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten wiederholt werden musste und die erneut der Kandidat der Opposition, Ekrem Imamoglu, gewonnen hat.

"Istanbul hat uns vor 25 Jahren gezeigt, wie ein brillanter, hart arbeitender Politiker wie Erdogan seine erstklassige politische Karriere begann und damit das Land erst strukturell nach vorne brachte, es aber kulturell zerstörte", analysiert Toprak.

"Und Istanbul zeigt uns heute, wie Menschen umdenken können, autoritäre Strukturen hinterfragen".

Die gute und die böse Technik

"Warum rückwärts gewandte und autoritäre Regime sich auf die Segnungen des Silicon Valley verlassen", darüber will ein Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG informieren und scheint einem anderen Artikel in derselben Zeitung zu widersprechen: "Immer wieder sperren Regierungen das Internet oder Teile davon", heißt es da.

Tatsächlich ist das kein Widerspruch; es verbergen sich dahinter einfach nur zwei entgegengesetzte Strategien der Regierenden, die eigene Macht zu sichern. Alp Toker von der Nichtregierungsorganisation NetBlocks berichtet im Gespräch mit der SZ, in welchen Ländern, vom Sudan bis Myanmar, und warum soziale Netzwerke oder gleich das gesamte Internet gesperrt worden sind:

"Venezuela schaltet Social Media ab, wenn die Opposition auftritt", erläutert er. "Simbabwe blockierte soziale Netzwerke, als Bürger gegen die hohen Benzinpreise demonstrierten. Gabun hatte während des Militärcoups Internetausfälle."

Die andere Strategie autoritärer Machthaber: mehr Internettechnik für die eigenen Leute. "Opium fürs Volk" nennt das Evgeny Morozov in der SZ. So träume die brasilianische Regierung unter dem rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro zum Beispiel davon, "dass Google oder Amazon die nationale Post übernehmen".

Die App warnt vor Kriminalität

In Brasilien habe man auf steigende Kriminalität mit so genannter "Survival Tech" geantwortet:

"So informiert Waze, eine beliebte, von Google betriebene Navigations-App, diejenigen, die in Großstädten wie Sao Paulo oder Rio de Janeiro unterwegs sind, darüber, ob sie einen riskanten Stadtteil betreten", schreibt Morozov.

"Ebenso benutzen Bewohner, die sich mit der Kriminalitätsrate in ihrer eigenen Nachbarschaft beschäftigen, Tools wie Whatsapp, um Hinweise auf verdächtige Aktivitäten in der Umgebung auszutauschen."

Mithilfe solcher Technik kämen die Bürger zwar mit den Widrigkeiten des Lebens halbwegs zurecht, allerdings würden sie so gerade nicht für bessere soziale Verhältnisse kämpfen. Den Technoboom nach der Finanzkrise interpretiert Morozov deshalb so:

"Erst kamen Risikokapitalgeber, später dann Staatsfonds, beide subventionieren die Massenproduktion von Survival Tech für die enteigneten und unzufriedenen Massen vorübergehend."

Opium fürs Volk eben. 

Auch die Eiche ist eine Wasserverschwenderin

Vom Opium fürs Volk zur Hitze fürs Volk. "Gleich nach uns, die wir die Rolle des Opfers gleichwohl mit sehr viel größerer Inbrunst ausfüllen, kommt der Wald", schreibt Joachim Müller-Jung in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN über die Leidtragenden der "Mörderhitze" und Trockenheit. Der Baum sei "der Märtyrer des Anthropozäns".

Oder ist er doch ein Mittäter des Klimawandels? In Müller-Jungs Worten:

"In dem Hauptblatt der amerikanischen Wissenschaftsakademien, den berühmten 'Proceedings', ist soeben eine Untersuchung von Botanikern der University of Utah erschienen, die manchen Baum zwischen Kanada und Australien in den Verdacht bringt, in der Hitze hemmungslos Wasser zu verschwenden."

Und zu diesen Bäumen gehöre – die Deutschen müssen jetzt ganz tapfer sein – auch die Eiche.

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