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Kulturpresseschau | Beitrag vom 22.10.2019

Aus den FeuilletonsDer Traum vom Fliegen

Von Arno Orzessek

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Richard Neuhauss (1855–1915), Otto Lilienthal am Fliegeberg in Lichterfelde. (Museum LA8/Otto Lilienthal-Museum, Anklam)
Aus der Ausstellung "Die Welt von oben": Richard Neuhauss (1855–1915), Otto Lilienthal am Fliegeberg in Lichterfelde. (Museum LA8/Otto Lilienthal-Museum, Anklam)

Eine Ausstellung über das Fliegen wird in der "Welt" besprochen und resümiert: "Was die mutigen Pioniere allesamt unterschätzt hatten: Über den Wolken ist auch die Unfreiheit grenzenlos." Auch die anderen Feuilletons besprechen Ausstellungen.

"Mehr Flugstolz wagen", titelt die Tageszeitung DIE WELT. Doch denjenigen unter Ihnen, die voller Vorfreude denken 'Endlich polemisiert da mal jemand gegen die spaßverderberische Flugscham!', müssen wir sagen: Zu früh gefreut!

"Die Welt von oben" in Baden-Baden

Tatsächlich bespricht der WELT-Autor Dirk Schümer die Ausstellung "Die Welt von oben" im LA8 in Baden-Baden, einem Museum, das den Wechselwirkungen zwischen Technik und Kunst nachgeht.

"Nachvollziehbar [so Schümer], dass die frühesten Visionen aus der Höhenluft nicht der Empirie, sondern der künstlerischen Fantasie entsprangen. Lange vor den ersten Gleitfliegern und Doppeldeckern war es der Spanier Francisco de Goya, der in irritierenden Stichen Menschen als Rieseninsekten über die Wolken schickte, der humane Teufel durch Höllengewitter abfliegen ließ und gemarterte Kreaturen zum Zappeln an Leinwandschwingen festband, begleitet vom höhnischen Kommentar: 'Gute Reise'."

"Die Welt von oben" greift bis zum Ersten Weltkrieg aus, in dem die Flugzeuge militärische Bedeutung erlangten, während zugleich die Träume vom friedvollen Fliegen im Schlachtgedröhn verflogen. "Was die mutigen und stolzen Pioniere allesamt unterschätzt hatten: Über den Wolken ist auch die Unfreiheit grenzenlos", resümiert der WELT-Autor Schümer.

"Making van Gogh" in Frankfurt

Besuchen wir als nächstes mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG die Ausstellung "Making van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe" im Frankfurter Städelmuseum. Laut Kia Vahland wurde Vincent van Gogh durchaus gegen seinen Willen schon zu Lebzeiten zu einem Verrückten stilisiert. Für den Kunstkritiker Albert Aurier etwa war van Gogh "eine Art trunkener Riese".

Was die Kunstinteressierten in Deutschland begierig aufgriffen, so Vahland. "Spätestens seit der Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe begonnen hatte, van Gogh als 'brutalen Barbaren' zu feiern und ihn dann sogar als 'Christus der modernen Kunst' bezeichnete, war es hierzulande um die Trennung von Person und Werk geschehen. Die Idee eines sich quälenden, genialen Außenseiters beförderte van Gogh nicht ins Abseits, wie er das selbst befürchtet haben mochte, im Gegenteil diese Sichtweise wurde in Deutschland zur Bedingung seines Aufstiegs." Kia Vahland in der SZ.

"Kampf um Sichtbarkeit" in Berlin

Haben Sie Lust auf eine dritte Ausstellung? Dann schlagen wir die TAGESZEITUNG auf. Katrin Bettina Müller bespricht, stilistisch eher lahm als kämpferisch, "Kampf um Sichtbarkeit". Eine Ausstellung in der Alten Nationalgalerie in Berlin, die um "das Vergessen von Künstlerinnnen" kreist, wie es in der TAZ heißt.

"Die Schau [hebt Müller hervor] ist Teil einer Revision der eigenen Sammlung, die eben auch Schwächen eingestehen und Fehlstellen markieren muss. Nur 2 Prozent der Werke im Bestand vor 1919 stammen von Künstlerinnen, ausgestellt davon wurde noch weniger. Dabei hatte es selbst im 19. Jahrhundert schon eine größere Präsenz von Künstlerinnen gegeben." Katrin Bettina Müller in dem TAZ-Artikel "Revision einer Sehschwäche".

Filmbesprechung "Terminator: Dark Fate"

Falls Sie meinen: 'Jetzt reicht’s aber mit den Ausstellungs-Besprechungen!', stimmen wir Ihnen zu und schlagen die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG auf, in der Dietmar Dath den Film "Terminator: Dark Fate" von Regisseur Tim Miller bespricht.

"Der Regisseur Tim Miller weiß Bescheid darüber, worum es bei 'Terminator'-Filmen zu gehen hat; er dient dem Rezept mit Apothekerredlichkeit: Hiebe und Stiche, Hubschrauber, Tanklöschfahrzeuge, Kollisionen, Ölschaden, Kurzschlüsse, Bergungsmanöver, Auffahrhumor, Quetschungen, Prellungen, Ballistik und Stacheldrahtkritik kommen zu ihrem Recht. Vor allem aber räumen das Drehbuch und Millers Inszenierung alles aus dem Weg, was die Sicht auf die größte Stärke des 'Terminator'-Bilderkosmos blockieren könnte: dass darin Leiber konkret vorführen, was sich zwischen Seele und Sachzwang abstrakt, in der komplett durchtechnisierten Welt der Gegenwart, dauernd sozial abspielt." "Terminator: Dark Fate" – für Diethmar  Dath offenbar ein Hau-Drauf-Film von erheblicher Relevanz.

Okay, das war die letzte Besprechung für heute, das können Sie uns glauben! Wir halten uns nämlich verlässlich an den Titel einer Rubrik in der WELT. Er lautet: "Ein Mann, ein Wort."

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