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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 26.02.2017

Aus den FeuilletonsDer kühnste Saitenspringer

Von Klaus Pokatzky

Der Geiger Gidon Kremer bei einem Konzert in Prag (dpa / picture alliance / Michal Dolezal)
Der Geiger Gidon Kremer bei einem Konzert in Prag (dpa / picture alliance / Michal Dolezal)

Die Feuilletons gratulieren Gidon Kremer zum 70. Geburtstag – er sei der "Geiger unserer Zeit" schreibt die "Welt", die ihn als intelligent und neugierig lobt. Die "FAZ" hebt Kremers Engagement für traditionelles Kulturgut hervor.

"Als ernsthafter Kritiker durfte ich nicht damit rechnen, beim lesenden Publikum offene Türen einzurennen."

Das steht in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG – stammt aber nicht von mir; auch, wenn jedes Wort für die mühselige Arbeit des Kulturpressebeschauers gilt: "Wirken möchte man, Einfluss nehmen, für jeden sichtbar die Spreu vom Weizen trennen und als Leuchtturm des raffinierten literarischen Geschmacks gelten."

Das schreibt Rainer Moritz, der Literaturkritiker und Leiter des Literaturhauses Hamburg: "Viel zu wenige haben auf mich gehört, so mein vorläufiges Lebensfazit. Wer Kritiken schreibt, muss mit Demütigungen leben." So leiden müssen aber nicht nur die Literatur- und die Feuilletonkritiker – da gibt es noch Mitleidende.

"Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dann seit den Anschlägen des 11. September hat sich Kulturarbeit stark verändert." Das lesen wir im Berliner TAGESSPIEGEL. "Weil plötzlich klar wurde, dass es andere Auffassungen und Wertvorstellungen gibt, die dem Westen kritisch bis feindlich gegenüberstehen." Das sagt im Interview Johannes Ebert, der Generalsekretär des Goethe-Instituts: "Nicht-liberale Auffassungen sind stärker geworden an vielen Orten. Diskursfähigkeit, Offenheit, all das steht in Frage, was lange Zeit selbstverständlich erschien. Wohin entwickelt sich Europa?" Da denken wir natürlich sofort an alle Populisten dieses Kontinents; an Parlamentswahlen, die demnächst in den Niederlanden anstehen, an die Wahlen zu einem neuen Präsidenten in Frankreich – oder etwa tatsächlich einer nationalistischen, anti-europäischen Präsidentin namens Marine Le Pen. Von den Pegidisten ganz zu schweigen.

Ein Impuls für Europa

"Am Sonntag konnte die Bürgerinitiative ‚Pulse of Europe‘ bei ihrer dritten Demonstration für europäische Werte auf dem Gendarmenmarkt noch einmal deutlich mehr Menschen mobilisieren als an den Sonntagen zuvor." Das teilt uns der TAGESSPIEGEL mit über den Berliner Ableger der Bürgerinitiative "Pulse of Europe": also Impuls, Antrieb, Feuer für Europa, Entstanden ist sie in Frankfurt, setzt sich für ein vereintes Europa ein und breitet sich langsam in etliche deutsche Städte aus. Da hier keine Hassparolen gegrölt werden, finden die Demonstranten nur selten in die überregionalen Medien. Nun werden sie aber unterstützt von Gabriele Minz, der Gründerin des "Young Euro Classic"-Festivals in Berlin, dem Konzerthaus-Intendanten Sebastian Nordmann und dem Chefdirigenten des Konzerthausorchesters Berlin Ivan Fischer, wie wir aus dem TAGESSPIEGEL erfahren: "Ab kommendem Sonntag wird die jeweils um 14 Uhr startende Demonstration nicht mehr am Rand des Platzes stattfinden, sondern im Zentrum, auf den Stufen des Konzerthauses."

Da würde auch ein Jubilar bestens hinpassen: "Der Geiger unserer Zeit", wie ihn die Tageszeitung DIE WELT nennt. "Intelligent, interessiert und neugierig wie kaum einer, dabei kühnster und kompromisslosester aller Saitenspringer", schreibt Manuel Brug. Gidon Kremer wird 70, der "große Geiger deutsch-jüdisch-schwedischer Herkunft und lettisch-russischer Sozialisation", wie es in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG heißt. "Gidon Kremer ist vielfach mit Preisen geehrt worden", so Wolfgang Sandner. "Keine Auszeichnung hat er so verdient wie 2001 den Musikpreis der Unesco, den nur erhält, wer künstlerisch Herausragendes mit Friedenssicherung, Völkerverständigung und der Bewahrung traditionellen Kulturgutes verbindet."

Da verbinden wir unseren Glückwunsch gerne mit noch einem Zitat aus den Leiden des alten Rainer Moritz zum armen Kritikerleben aus der NEUEN ZÜRCHER: "Ich hingegen quäle mich gern, will nicht glauben, dass alle meine Anstrengungen vergeblich sind."

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