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Kulturpresseschau | Beitrag vom 18.01.2019

Aus den FeuilletonsDer eine prahlt, der andere isst Spinat

Von Klaus Pokatzky

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Die Comicfigur Popeye mit einer Dose Spinat (picture alliance/Heritage-Images)
"Das erste Strichmännchen mit übermenschlichen Fähigkeiten war ein Veganer", berichtet Jörn Kabisch über Popeye in der "taz". (picture alliance/Heritage-Images)

Die Feuilletons blicken auf ein Trump-Jubiläum: zwei Jahre im Amt. Und dabei hätten sie fast den runden Geburtstag eines wirklichen Helden vergessen. Aber nur fast: Popeye ist 90 – und die "taz" ist ganz verliebt.

"Ich habe 1993 einen Fallschirmsprung gemacht, das war fantastisch!", erfahren wir aus der Tageszeitung TAZ. "Bei einem Fallschirmsprung wissen Sie, das ist nach einer Stunde durch", erzählt Ulrike Bergmann im Interview – eine Frau, die seit 26 Jahren Beraterin für Menschen ist, die berufliche Neuanfänge wagen wollen. Dabei gilt für sie: "Bei der Selbstständigkeit müssen Sie dauerhaft auf einem Hochseil balancieren."

So wie Schauspieler zum Beispiel: Die tanzen dauernd auf dem Hochseil. "Keine Premierenpartys, nur nicht zu viel Kontakt zum Publikum außerhalb des Theaters", ruft uns da Nicholas Ofczarek von den Brettern, die die Welt bedeuten, zu. "Man geht ja auch nicht ins Burgtheater rein und ruft: Leute, gleich spiele ich den Mephisto!" sagt der Darsteller im Interview mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. "Zu viel Aufmerksamkeit empfinde ich als störend. Ich lese auch keine Kritiken, denn ich spüre selbst, ob eine Aufführung funktioniert oder nicht. Wenn's sein muss, bin ich mein schärfster Kritiker."

Die Apokalypse blieb aus - trotz dieses Präsidenten

So viel Bescheidenheit und Demut würden wir so manchem wünschen. Und wer fällt uns da sofort ein? "Wie wohl kaum ein US-Präsident vor ihm hat Trump die Hartnäckigkeit von Journalisten gefördert und ihre Recherchen beflügelt", lesen wir in der Tageszeitung DIE WELT zu einem Jubiläum der besonderen Art – Donald Trump ist seit zwei Jahren Präsident der Vereinigten Staaten. "Einige nationale Titel wie die "New York Times" und die "Washington Post" konnten ihre Auflagen steigern als direkte Reaktion auf Trumps Präsidentschaft", findet Christian Meier tröstende Worte.

"Es ist also Zeit für eine ernsthaftere intellektuelle Herausforderung", heißt es in einer anderen Trump-Würdigung in der WELT, "und die muss mit dem Eingeständnis beginnen, dass sich kaum eine der apokalyptischen Visionen bewahrheitet hat", schreibt Hans Ulrich Gumbrecht: "Obwohl die Amtsführung des Präsidenten selbst die schlimmsten Befürchtungen und groteskesten Vorstellungen täglich überbietet." Der Professor für Komparatistik an der Stanford University in Kalifornien, der seit fast zwanzig Jahren Bürger der Vereinigten Staaten ist, will sich von seinem Präsidenten nicht allzu bange machen lassen – und betont, "dass besonders die juristische Praxis in den Vereinigten Staaten, aber auch zwischenstaatliche Bündnisse und Kartelle – bisher jedenfalls – eine erstaunliche Kraft und Kontinuität der Institutionen gegen Trumps Tendenz, sie zu ignorieren oder gelegentlich auch gezielt zu unterlaufen, aufrechterhalten haben".

Und dann ist da noch eine Spinat essende Stilikone

Wir können nur hoffen, dass das so bleibt, denn der Donald wird sich wohl kaum noch ändern. "Menschen ab 40 aufwärts haben sich oft einen bestimmten Lebensstil angewöhnt", sagt die Mutmacherin Ulrike Bergmann schließlich noch im Interview der TAZ. "Da ist es schwierig, sich herauszutrauen."

Es gibt aber auch sehr nette, sehr alte Zeitgenossen – den hier zum Beispiel: "Er trägt Tattoos, schaufelt grünes Superfood in sich hinein und was er im Mund hat, ist von heute aus besehen mehr mit einem elektrischen Dampfgerät zu verwechseln als der Maiskolbenpfeife." Jörn Kabisch würdigt einen Jubilar: "Die Stilikone kam vor 90 Jahren auf die Welt", schreibt er in der TAZ. "Er entwickelte sich zu einer der beliebtesten Comicfiguren. Auch hierzulande wurde Popeye das."

Es ist eben nicht alles schlecht in Amerika. "Und das, obwohl er anfangs gar keinen Spinat aß, dieses Detail kam erst Anfang der 30er-Jahre hinzu, noch vor den ersten Superman-Zeichnungen und Jahrzehnte bevor Obelix in den Zaubertrank fiel. Das erste Strichmännchen mit übermenschlichen Fähigkeiten war ein Veganer."

Glückwunsch!

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