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Kulturpresseschau | Beitrag vom 15.04.2021

Aus den FeuilletonsDas Glück der Wale in der Pandemie

Von Tobias Wenzel

Ein Buckelwal springt in den Gewässern vor Australien aus dem Wasser (AAP / picture alliance / Dave Hunt)
Wissenschaftler haben erkannt, dass die Einschränkungen der Menschen in der Pandemie Wirkungen auf die Tierwelt haben, schreibt die „Faz“. (AAP / picture alliance / Dave Hunt)

"Verschwindet der Mensch, wird für andere Lebewesen alles besser", ist in der FAZ zu lesen. In der Pandemie mit weniger Schiffsverkehr seien Wale sorgloser und würden häufiger singen – und auch Tiere an Land verhielten sich deutlich anders.

In der Mitte etwas zum Tod des Mietendeckels und zum Leben der Tiere und vorne und hinten Corona, das bietet diese Kulturpresseschau.

Wildtiere würden, wenn sie menschlichere Fähigkeiten hätten, gegen Corona-Impfstoffe demonstrieren. Denn ein ewiger Corona-Lockdown ist ihr Glück, erfährt man von Ursula Scheer in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG.

Wenn der Mensch verschwindet

Sie bespricht "Das Jahr, das unsere Erde veränderte", eine Apple-TV-Dokumentation mit David Attenborough. Scheer bescheinigt Attenborough "das Kunststück, als Sprecher einen dezidiert menschenfreundlichen Ton anzuschlagen", bei einer Dokumentation, in der der Mensch als Problem erscheint.

"Verschwindet der Mensch, wird für andere Lebewesen alles besser", schreibt Scheer und belegt das anhand von Beispielen aus der Dokumentation. Während der Pandemie sei Ruhe eingekehrt, auch unter Wasser. Vor der Südostküste Alaskas sei der Passagier- und Frachtverkehr fast zum Erliegen gekommen.

"Nie zuvor, berichten Forscher vor Ort, hätten sie so ausführliche Walgesänge gehört. Säugende Muttertiere hätten sich zur Jagd viel weiter als sonst von ihren Kälbern entfernt, da diese auch bei größerer Distanz in Rufweite blieben. Das Resultat: wohlgenährte Jungtiere, vitale Mütter", schreibt Scheer. "Unbehelligter als sonst blieben auch Berggorillas in Uganda. Sie gebaren zweimal so viel Nachwuchs wie in anderen Jahren."

Börsenzocker mit einem Herz für Affen

Bleiben wir nicht nur bei Tieren – die gehen bekanntlich immer –, sondern auch bei Berggorillas. Die Online-Community Wallstreetbets (WSB) hat 350.000 Dollar zu deren Erhalt gespendet, berichtet, ebenfalls in der FAZ, Melanie Mühl.

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Nur warum haben diese anonym agierenden User, die die Werbetrommel zum Kauf der Gamestop-Aktie rührten und damit dafür sorgten, dass Hedgefonds Milliarden verloren, ausgerechnet Geld für Berggorillas gespendet?

Weil, erläutert Mühl, ein Leitspruch der Community laute: "Apes together strong". Das sei halb scherzhaft gemeint und bedeute: "Anleger, die sich bei WSB tummeln, haben nicht die geringste Ahnung von Aktien oder Optionsscheinen, weshalb an ihrer Stelle auch ein Affe das Geld investieren könnte."

Sozialer Wohnungsbau fehlt

Wer weiß, ob eine Wohnungsmarktpolitik in Berlin erfolgreicher wäre, wenn man sie Affen machen ließe. Den menschengemachten Mietendeckel hat nun jedenfalls das Bundesverfassungsgericht kassiert.

"Vier Wände und ein Todesfall" hat Gerhard Matzig seinen Artikel für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG betitelt. Das Wohnen sei "wie die Luft zum Atmen" und dürfe deshalb "kein Privileg" sein, fordert Matzig und plädiert für die Wiederbelebung des sozialen Wohnungsbaus.

Das tut auch Ulf Poschardt in der WELT, nicht ohne zu sticheln: In Berlin sei der Eindruck erweckt worden, der Kapitalismus lasse sich nach Belieben "an- und ausknipsen".

"Hinzu kommt die Feistigkeit der Ökobourgeoisie, auch große, freie Flächen wie das Tempelhofer Feld für ihre Liegefahrrad-Rallyes zu benutzen", schreibt der Journalist, der nicht so der Liegefahrrad-Typ ist, sondern lieber Porsche fährt.

Von Ulf Porsche, äh, Poschardt zu Karl Lauterbach ist der Weg eigentlich weit, aber in der Freitagsausgabe der WELT ganz nah.

Impffieber bei Karl Lauterbach

Auf derselben Seite ist nämlich zu lesen: "Welche Nebenwirkungen sind bei Karl Lauterbach aufgetreten?" Das fragt der Satiriker Hans Zippert in seiner Kolumne. Denn der äußerst medienpräsente SPD-Gesundheitsexperte hat sich vor einigen Tagen mit AstraZeneca impfen lassen.

"Er sprach von Fieber, Schüttelfrost und Kirchenaustritt, aber wie kann es sein, dass der Mann Zeit für solche aufwendigen Nebenwirkungen hatte? Waren die nur vorgetäuscht? Oder ist das Vortäuschen von Nebenwirkungen eine der Nebenwirkungen von AstraZeneca?", fragt Zippert weiter.

"Und kann man sich gegen Nebenwirkungen impfen lassen?"

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