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Kulturpresseschau | Beitrag vom 24.06.2018

Aus den FeuilletonsDas Diven-Duell

Von Arno Orzessek 

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Taylor Swift live (dpa | Chinafotopress)
Was würde wohl Taylor Swift über einen Vergleich mit Helene Fischer sagen? (dpa | Chinafotopress)

Kann man Taylor Swift und Helene Fischer miteinander vergleichen? Die "Welt" hat die musikalische Gegenüberstellung gewagt in Kategorien wie "Stimme", "Publikum" und "Agenda". Auch in den anderen Feuilletons geht es musikalisch zu.

"Seufzen, Stöhnen, Hauchen"…

Mit diesen sinnlichen Worten überschreibt die Tageszeitung DIE WELT einen ergebnislosen, aber originellen Konzertvergleich.

"Die größte Sängerin der Welt füllt das Londoner Wembley, die größte deutsche Sängerin am gleichen Tag das Leipziger Zentralstadion. Wer macht mehr Theater: Taylor Swift oder Helene Fischer?"… 

...lautet die Frage, die Christian Mayer mit Blick auf Fischers und Michael Pilz mit Blick auf Swifts Konzert anhand von Kategorien wie ‚Stimme‘, ‚Publikum‘ und ‚Agenda‘ beantwortet.

"Scheiß auf Fußball, Helene hat auch zwei Bälle"

Da beide Kritiker also jeweils nur ein Konzert gesehen haben, bleibt es den WELT-Lesern überlassen, Fischer oder Swift den Vorzug zu geben.

"Selbst im Kreise moderner Feministen nimmt man Helene Fischer als progressiv und stark wahr [behauptet Mayer]. Dabei basiert ihr Erfolg auch auf der Inszenierung des Weiblichen […]. Um es plastisch zu machen: Jene zwölfjährigen Mädchen mit den […] ‚Helene-addicted‘- Shirts stehen in der Red-Bull-Arena in Leipzig und jubeln fieberhaft ihrem Idol zu, das da halb nackt auf der Bühne steht. Und hintendran sabbernde Mittvierziger-Männer mit Schildern, auf denen Dinge steht wie ‚Scheiß auf Fußball, Helene hat auch zwei Bälle‘. Sonderlich progressiv ist das alles nicht."

Und Taylor Swift?

"[Sie] vertritt den Feminismus, der in Fernsehserien wie ‚Girls‘ gefeiert wird [erläutert Michael Pilz]. Sie ist die Königin des [Modetrends] Normcore. Sie lebt polygam, worüber sie ausführlich singt, auch in ‚Look What You Made Me Do‘. […] Vom ersten Stück Pop Art für Trumpisten schrieb das ‚New York Magazine‘. […] Auf einer Naziseite namens ‚Daily Stormer‘ wurde sie zur arischen Göttin, die nur auf den neuen alten Geist der Zeit gewartet habe, um sich ihren rechtsalternativen Anhänger zu offenbaren. Sie ließ ihre Anwälte lediglich klarstellen, dass es keinerlei Ähnlichkeiten gebe zwischen ‚Ms. Swift und Adolf Hitler‘."

Rührende Rolling Stones

Bleiben wir bei bekannten Musikern.

"Meine Damen und Herren, die Rolling Stones" – überschreibt die TAGESZEITUNG Thomas Mauchs Besprechung des Auftritts besagter Musiker in Berlin.

"Tatsächlich [so Mauch über sich selbst] verspürte der Berichterstatter im Olympiastadion diese eigenartige Rührung, die sich einstellt, wenn eine Sehenswürdigkeit beim Besuch wirklich so aussieht, wie sie nach den Bildern aussehen soll. Im Fall der Stones sind es ihre Lieder, die man sich mal in Echt angucken durfte: ‚She’s a Rainbow‘. Schön. Das ist der Song, mit dem die Stones allen zeigten, dass sie auch Pop zu machen verstehen. Und dann dieser tolle, jubilierende Gospel: ‘You Can’t Always Get What You Want’. Die Band spielte das alles ohne irgendwelche Kinkerlitzchen. So, wie die Lieder mal gedacht waren. Und manchmal spielte die Erinnerung ein wenig mit und besserte sacht nach, wo die Liveversion ihre Lücken hatte."

"Musikalische Atombombentests"

Zärtlich gestimmt von den Rollenden Steinen: der TAZ-Autor Mauch.

Derweil berichtet die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG über "Musikalische Atombombentests".

Jan Wiele stellt den Jazz-Pianisten Michael Wollny vor – und fragt: "Wie überträgt man die Ästhetik David Lynchs auf den Jazz?"

Wollny ist nämlich Lynch-Fan, schaut gerade die dritte Staffel von "Twin Peaks" und hatte in der achten Episode seine Aha-Erlebnis.

"In dieser Folge werde die Serie plötzlich zum Experimentalfilm, sagt Wollny. Völliges Heraustreten aus der Handlung, eine halbe Stunde lang Schwarzweißbilder aus dem Rauchpilz eines Atombombentests, krasse Schnitte, unterlegt mit Klängen von [Krzysztof] Penderecki: ‚Da wird etwas geboren, das die ganze Erzählung umkrempelt.‘ Das ist nun aber wirklich eine Steilvorlage zur Übertragung auf Wollnys Musik. Den unerwarteten Atombombentest hat er schon öfter schelmisch inszeniert, er ereignet sich etwa, wenn seine Band plötzlich aus den Modi des klassischen Jazztrios ausbricht und in einen Monster-Funkgroove wechselt oder wenn er das Innenleben seines Flügels wie ein Percussion-Instrument traktiert." -

Okay, das war’s. Wir wünschen Ihnen eine Woche, von der Sie hinterher sagen können, was die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG titelt: "Spassfaktor positiv".

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