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Kulturpresseschau | Beitrag vom 16.06.2019

Aus den FeuilletonsChip Cheek erobert die Welt

Von Gregor Sander

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Schwarz-Weiß-Foto von Chip Cheek. Ein Mann mit Glatze, Bart und Brille. (Sharona Jacobs)
Einen Vorschuss in Höhe von mindestens einer halben Million Dollar soll Chip Cheek nach Informationen der New York Times für seinen Erstling erhalten haben. (Sharona Jacobs)

Der Schriftsteller Chip Cheek hat 2017 einen der höchstdotierten Vorschüsse für sein Roman-Debüt „Tage in Cape May“ erhalten. Nun erscheint sein Buch weltweit. Dies nehmen „SZ“ und „NZZ“ zum Anlass, sich mit seinem Erfolgsrezept zu beschäftigen.

"Ich instagrame, also bin ich", behauptet Joachim Huber im Berliner TAGESSPIEGEL und wandelt uns so den ersten Grundsatz von Descartes ab, um Madonna zu erklären. Nun kann man die Queen of Pop ja gar nicht erklären. Das ist quasi ihr erster Grundsatz. Aber Huber zitiert sie trotzdem:

"Ich denke, Instagram ist dafür gemacht, dass du dich schlecht fühlst", sagte sie der ‚Sun‘. Die Plattform würde ihre Nutzer zu Imagesklaven machen, die sie gar nicht sein wollten, ständig würde sich einer mit dem anderen vergleichen."

Madonna hat 14 Millionen Instagram-Follower und so muss man sich hier schon fragen: Geht es nicht ein bisschen origineller?

Sind Frauen zu exhibitionistischen Handlungen nicht fähig?

Doch geht es, wenn man Friedrich Küppersbusch liest, der fordert in der TAZ, man solle "mal den prähistorischen Artikel 183 des Strafgesetzbuchs schreddern." Der da lautet: "Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."

Und während man sich beim Lesen noch fragt: Stimmt das? Antwortet Küppersbusch via TAZ: "Ja, da steht ‚Mann‘". Heißt das dann, dass Frauen per Gesetz zu exhibitionistischen Handlungen nicht fähig sind, oder werden sie nackt einfach nicht als störend empfunden?

Vorher nur durch Kurzgeschichten aufgefallen

"Ein Drittel Dösen, ein Drittel Alkohol, ein Drittel Sex", titelt hingegen die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, und berechnet damit den Inhalt des Romans von Chip Cheek "Tage in Cape May." Wer auf diesen Namen in der Buchhandlung seines Vertrauens noch nie gestoßen ist, dem erklärt Felix Stephan:

"Im Jahr 2017 hat Chip Cheek für das Manuskript in den USA einen der höchsten Vorschüsse des Jahres bekommen, übertroffen nur von Michelle Obama und Kristen Roupenian. Mindestens eine halbe Million Dollar sollen es nach Informationen der New York Times gewesen sein."

Und das für jemanden, der vorher nur durch ein paar Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften aufgefallen war.

Viel Sex, lang erzählt, kaum Handlung

"Das Geld dürfte die Lizenzabteilung leicht wieder hereingeholt haben. Der Roman erscheint dieser Tage unter anderem in Frankreich, Kanada, Australien, Dänemark, und Deutschland. Und in jedem Land wird der Roman auf die exakt gleiche Weise vermarktet."

Als eine irgendwie ausufernde Hochzeitreise beschreibt Felix Stephan die Handlung in der SZ, stellt dann aber auch fest: "Je weiter die Geschichte allerdings voranschreitet, desto mehr fällt auf, dass die Dichte der Sexszenen deutlich zunimmt und die Sexszenen außerdem außergewöhnlich lang sind, und es streng genommen außer dem Sex gar keine Handlung gibt."

Überzeugende HBO-Serie mit Nicole Kidman

Gut, dann vielleicht doch lieber Fernsehen? Wenn amerikanische Serien im Feuilleton besprochen werden, klingt das häufig wie dieses Zitat aus der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG:

"Um ehrlich zu sein, liegt mir persönlich nichts ferner als diese zwischen Wohlstandsproblemen und Hysterie rotierenden Helikoptermütter. So dachte ich. Dann kamen Nicole Kidman, Reese Witherspoon, Laura Dern, Shailene Woodley und Zoë Kravitz – und siegten. Wie gut das konzipiert, inszeniert und gespielt ist, merkt man spätestens dann, wenn man diesem grellen amerikanischen Milieu trotzdem fasziniert zuschaut", so Claudia Schwarz über die zweite Staffel der HBO-Serie "Big Little Lies".

Überzeichnete ZDF-Serie mit Gudrun Landgrebe 

Das ZDF startet am Montag auch eine neue Serie. Eine Satire  über den Verfassungsschutz in der rheinischen Provinz mit Gudrun Landgrebe als intrigante Chefin. Doch ach, oder wie Hans Hoff in der SZ stöhnt:

"Alles wird überzeichnet bis zum Gehtnichtmehr, von der Dösigkeit des Adlatus bis zur Eiseskälte der Chefin. Dazu gibt es die nach dem Führer rufende Oma, die auf dem Tablet Rezo-Videos guckt, und einen populistischen Bürgermeister, dem man die Haare ein bisschen nach Hitler-Manier gescheitelt hat."

Ok, also vielleicht doch einfach nur ein Glas Wein? Oder zwei? Kann man machen, meint Stefanie Hehn in der TAZ. Sie ist Chef-Sommelière in einem Luxus-Hotel und bekennt: "Ich finde, man darf auch mal zu viel trinken. Für einen guten Wein lohnt sich das Kopfweh." Für schlechtes Fernsehen hingegen nicht!

Fazit

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