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Kulturpresseschau | Beitrag vom 12.06.2021

Aus den FeuilletonsBeziehungstipps von Tina Turner

Von Klaus Pokatzky

Tina Turner. (picture alliance / abaca | Marechal Aurore/ABACA)
Die 81-Jährige kann auf ein bewegtes Leben zurückschauen. (picture alliance / abaca | Marechal Aurore/ABACA)

Seit 35 Jahren lebt Tina Turner mit ihrem Mann Erwin zusammen. „Wir lachen zusammen“, verrät sie in der „Süddeutschen Zeitung“ das Geheimnis ihrer Ehe. Außerdem sei es hilfreich, offen mit Problemen umzugehen. Nur so könne man sie hinter sich lassen.

"Es gibt so viele ermutigende Aussichten", lasen wir in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zum hoffentlich baldigen Ende der schlimmsten Corona. "Über ein Jahr lang bin ich", schrieb die Wahlberlinerin Eva Menasse, "spazieren gegangen, fast täglich durch den Volkspark Wilmersdorf" – wie der Kulturpressebeschauer.

"Die ersten Kindergeburtstage finden statt, auch die jungen Leute beginnen zu feiern, stehen neuerdings in enormen Gruppen herum mit geschlenkerten Bierflaschen, überall dröhnt Musik." Und über die Bierflaschen und ihre Scherben dürfen wir dann im Volkspark Wilmersdorf stolpern.

"Die Menschen werden optimistischer, ruhiger", hörte aber die Schriftstellerin Eva Menasse nicht auf, uns Mut für die Zukunft zu machen. "Sie toben nicht mehr gleich, wenn dem Radfahrer auf der anderen Straßenseite die Maske unter die Nase rutscht." Und im Volkspark Wilmersdorf rasen sie manchmal wie die Verrückten.

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"Was folgt?", wurde in der SÜDDEUTSCHEN gefragt. "Als Erstes eine Saftkur", klärte uns die Lyrikerin Juliane Liebert auf. "Ich habe heute eine Saftkur angefangen, weil ich – nicht als einzige Person in meinem Freundeskreis – während der Pandemie fett geworden bin." Wie der Kulturpressebeschauer. "Während der Pandemie durfte man nicht raus, weil Pandemie war, und jetzt, wo sie vorbei ist, ist man zu fett."

Wir empfehlen den Volkspark Wilmersdorf, aber bitte ohne Fahrrad und Bierflasche.

Wo sind die alten Menschen?

"Etwas ist faul im Staat", kam uns die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG sehr nüchtern daher. "Seit der Pandemie ist das Unbehagen augenscheinlich: Wir haben uns zu einer Gesellschaft entwickelt, in der das Alter keine Öffentlichkeit hat. Wo sind die alten Menschen, wo leben sie", fragte Daniele Muscionico. "Wer jetzt durch die Stadt geht, dem rollt erneut die Lawine namens Jugend entgegen. Schön ist das und auf Zukunft hoffend. Trotzdem: Das Fehlen alter Menschen im Stadtbild ist eine schmerzhafte Leerstelle, und keine jugendliche Leichtigkeit kann sie vergessen machen."

Das ist in einem wunderbaren grünen Viertel in Berlin aber – Gott sei dank – anders. Der Name wird jetzt nicht genannt.

Nach dem Virus ist vor dem Virus

"Corona ist noch lange nicht vorbei", wurde unsere gute Laune wieder getrübt durch die SÜDDEUTSCHE. "Es sterben weiterhin viele Menschen an einer Infektion mit Sars-CoV-2, sie müssen in der Klinik oder auf der Intensivstation behandelt werden. Noch ist längst keine Herdenimmunität erreicht, und dem ärmeren Teil der Welt steht das Schlimmste womöglich noch bevor", warnte Werner Bartens.

"Sollte die Pandemie tatsächlich irgendwann abgeflaut sein, ist das übrigens auch kein Grund zur Entwarnung: Es ist nur eine Frage der Zeit. Das nächste Virus kommt bestimmt."

Dem lässt sich nun leider nichts entgegenhalten.

Kühe sind wie Bayern

"Während der Pandemiezeit haben sich einige Menschen einen Hund zugelegt", stand in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. "Nicht nur wegen der notwendigen Nähe eines Lebewesens", schrieb Hanne Kulessa, "sondern weil der Hund das Privileg mit sich brachte, Tag und Nacht Gassi gehen zu können".

Mit teilweise erfreulich alten Besitzerinnen und Besitzern, jedenfalls da, wo der Kulturpressebeschauer wohnt.

"Wir müssen auch über Kühe reden", verlangte die Tageszeitung TAZ. "Wenn ich eine Kuh sehe, ist das für mich immer beruhigend", sagte der bayerische Trompeter und Sänger Stefan Dettl im Interview. "Kühe sind sehr sensibel, kriegen sehr viel mit. Sie schauen oft so tölpelhaft aus, sind aber ganz feine Wesen. Wie wir Bayern."

So liebe, nette Kühe gibt es aber auch anderswo; nur nicht in Wilmersdorf.

Der kleine Unterschied zwischen Ost und West

"Wir Ostmenschen sind tatsächlich unterschiedliche Menschen, obwohl man das im Westen vielleicht gar nicht glauben mag", erinnerte uns Helga Schubert an unsere entfernteren Nachbarn. "Dabei ist jeder einzelne Ostmensch ein anderer Ostmensch", schrieb die Literatin und Psychologin, die in Mecklenburg-Vorpommern lebt, im SPIEGEL.

"Man müsste diesen Menschen, der mit keinem anderen Menschen im Osten, im Westen, in der ganzen Welt gemeinsam in eine Schublade gehört, einfach als Gegenüber sehen, nicht als Kind, nicht als Lehrling, als gleichwertiges Geschöpf."

Als solches aber fühlt sich der Ostmensch oft eben nicht behandelt.

Die Deutungshoheit über den Osten liegt im Westen

"Wie man über den Osten spricht und denkt, wird nach wie vor im Westen entschieden", hieß es in der SÜDDEUTSCHEN. "Die Ungleichheit vererbt sich im wahrsten Sinne des Wortes fort", klagte der in Dresden geborene Schriftsteller Ingo Schulze.

"Was in den 90er-Jahren als Startbedingung hingenommen wurde, wird problematisch, sobald es sich zu verstetigen beginnt und die Entscheidungsgewalt und die Deutungshoheit fast ausschließlich bei Menschen liegt, die im Westen sozialisiert wurden. Sie entscheiden, was erscheint und damit, wie über den Osten gedacht, gesprochen und geurteilt wird."

Das ist keine gelungene Beziehung.

"Was ist das Geheimnis einer glücklichen Beziehung?", wollte die SÜDDEUTSCHE von Tina Turner wissen, die seit 35 Jahren mit ihrem Mann zusammenlebt. "Wir lachen zusammen", riet die Sängerin. "Die Momente, in denen wir uns gegenseitig zum Lachen bringen, sind die wertvollsten. Außerdem hilft es sicherlich, dass wir gelernt haben, offen damit umzugehen, wenn es ein Problem gibt. Das diskutieren wir aus, beheben die Sache und lassen sie hinter uns."

Das könnten wir doch auch mal üben.

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