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Kulturpresseschau | Beitrag vom 25.11.2018

Aus den FeuilletonsAlle wollen Kulturerbe sein

Von Klaus Pokatzky

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Reggae-Fans beim Bob-Marley-Festival in Durban (3.2.2018) (AFP / Rajesh Jantilal )
Reggae-Fans in Südafrika – wenn es nach Jamaika geht, soll auch ihre Musik Kulturerbe werden. (AFP / Rajesh Jantilal )

Der Titel des Kulturerbes ist begehrt. Reggae und Parfumkunst stehen in diesem Jahr auf der Anwärterliste bei der Unesco. Deutschland und Österreich treten mit einem 300 Jahre alten Verfahren an: dem Blaudruck.

"Der jamaikanische Reggae und die Parfumkunst aus Südfrankreich bewerben sich in diesem Jahr bei der Unesco um den Titel ‚Immaterielles Kulturerbe der Menschheit‘". Darüber klärt uns der Berliner TAGESSPIEGEL auf. "Deutschland, Österreich und drei andere Länder treten mit dem mehr als 300 Jahre alten Färbeverfahren des Blaudrucks an." Entscheiden wird das zuständige Komitee der Kulturorganisation der Vereinten Nationen in dieser Woche. Hoffnung für den Blaudruck? "2017 war die ‚Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers‘ auf die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden." Wann folgt die Kulturpresseschau?

Nach den "Simpsons" gibt es Abendbrot

Allerdings gäbe es da Konkurrenz – vielleicht von "‘Galileo‘, das an diesem Freitag 20 Jahre alt wird", wie die Tageszeitung TAZ schon mal einen Blick auf das Jubiläum einer Wissenschaftssendung im Fernsehen wirft. "‘Galileo‘, das war für viele in den 80ern Geborene das Signal, dass die zwei Folgen ‚Simpsons‘ nun endgültig vorbei waren", erinnert sich Jürn Kruse, "und man sich ans Abendbrot machen konnte. So wie die letzte Werbepause bei ‚Harald Schmidt‘ das Signal war, jetzt mal Zähneputzen zu gehen." Und vielleicht ein gutes Buch mit ins Bett zu nehmen…

"Etwas mehr Demut, bitte", wird uns aus einem Interview des TAGESSPIEGEL zugerufen: "Weniger Narrative, mehr Forschung!", verlangt Michael Ignatieff: der Präsident der Central European University, die vom milliardenschweren US-amerikanischen Philanthropen George Soros gesponsert wird. Die Universität soll nun von Budapest nach Wien umziehen, weil sie in Ungarn vom Regime des Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu heftig drangsaliert wird.

Die Demokratie stirbt nicht

"Es geht um die Frage, ob die liberale Demokratie stirbt. Wie sehen Sie das?", fragt der TAGESSPIEGEL. "Nein, glaube ich nicht", antwortet der Liberale Michael Ignatieff. "Sie ist herausgefordert, aber kluge Politik und gute Politiker können das reparieren. Wir brauchen gerade dringend etwas mehr historische Wendepunkt-Distanz. Wir sind gefangen in unserer Sehnsucht nach Geschichten und wir bevorzugen böse Geschichte."

Und wo sind die lieben Politiker? "Raubkunst muss zurückgegeben werden", zitiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG Kulturstaatsministerin Monika Grütters: "das gilt auch für Kulturgüter aus kolonialen Kontexten." Anlass ist die sensationelle Entscheidung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron von letzter Woche: "Er restituierte 26 Kunstwerke aus Benin, die dort 1892 unter dem französischen General Dodds geraubt worden waren und von dem Land seit Langem zurückgefordert werden", heißt es in der SÜDDEUTSCHEN. So kann Politik eben auch gehen.

Ein Klimabericht, der es in sich hat

Von einem "medialen Beben" berichtet die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG aus dem "Land, das in den vergangenen Monaten ein ums andere Mal schmerzhaft unter den Folgen der Erderwärmung leiden muss und von seinem Präsidenten dennoch in einen umweltpolitischen Dämmerschlaf geschickt werden soll." Nun wissen wir: Es ist Schluss mit den lieben Politikern – und es geht um den Donald, der von den Klimaveränderungen nicht nur in seinem Land nichts wissen will. Nun gibt es aber einen nationalen Klimabericht, der es in sich hat.

"Es ist nicht irgendein weiterer alarmistischer Beitrag aus den Klimainstituten, es ist der offizielle Regierungsbericht", schreibt Joachim Müller-Jung über den Report, an dem 13 Regierungs-Ressorts mitgewirkt haben. "Satte zehn Prozent Einbußen im Bruttoinlandsprodukt, Hunderte Milliarden Dollar Verluste jährlich bei einer Erwärmung um vier Grad – das ist, allein ökonomisch betrachtet, eines einer Reihe beunruhigender Schlussfolgerungen aus dem Klimabericht."

Wir warten auf den nächsten Präsidenten.

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