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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.04.2020

Aufzeichnungen mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester BerlinAusblicke mit Vladimir Jurowski

Moderation: Stefan Lang

Der Dirigent im Profil, beide Hände für das Orchester erhoben. (imago images / CTK Photo / Vit Simanek)
Vladimir Jurowski wird in der folgenden Saison den Komponisten Alfred Schnittke in den Mittelpunkt stellen. (imago images / CTK Photo / Vit Simanek)

Vladimir Jurowski hat neulich aus dem Homeoffice sein neues Programm vorgestellt. Ein Schwerpunkt der Saison 2020/21 wird der Komponist Alfred Schnittke sein. Dessen 3. Sinfonie hat er bereits bei uns eingespielt. Dazu ein Violinkonzert von Paul Hindemith.

Die Zuversicht ist da: in der neuen Saison 2020/21 wird das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin 73 Konzerte spielen. Auf der virtuellen Pressekonferenz gab Vladimir Jurowski einen Ausblick auf die mit "Auf der Suche nach der zweiten Heimat" betitelten Saison. Ein Komponist, der in den Mittelpunkt rückt, wird Alfred Schnittke sein. Er war ein wolgadeutsch-jüdischer Komponist, der in Wien lebte und dann hinter die russische Grenze zurückfiel. In Zeiten der funktionierenden Sowjetunion lebte und arbeitete er am klassischen Wertbestand, um dann doch nach Hamburg zu gehen. 

Der Komponist sitzt auf einem Stuhl in einem Büro, in dem sich Regale mit Videobändern stapeln. (imago images / ITAR-TASS)Alfred Schnittke im Februar 1989 in Moskau, kurz vor seinem Umzug nach Hamburg. (imago images / ITAR-TASS)

Von Schnittke wird das Rundfunk-Sinfonieorchester unter anderem die deutsche Erstaufführung seines Soundtracks zur 1979er-Verfilmung von Puschkins "Kleinen Tragödien" spielen, darunter "Ein Gelage während der Pestzeit".

Vladimir Jurowski hat im April 2017 die dritte Sinfonie des Komponisten in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur eingespielt.

Durch Zitate Geschichte aufspüren

Diese Sinfonie schrieb Schnittke 1981 für das Neue Gewandhaus in Leipzig. Er komponierte damals bewusst auf das Ereignis zu und zeigt Leipzig als Stadt voller Traditionen: eine Stadt der Bachpflege, des Mendelssohn-Bewusstseins, der Umbrüche und Neubeginne. So machte er die Sinfonie zum Schnittpunkt: Über 20 Komponisten arbeitete er in Scheinzitaten, in Anagramme und in stilistischen Anlehnungen ein – eine ganz bewusste Verbeugung vor der Tradition.

Schon der Beginn weist auf den Leipziger Stadtsohn Wagner hin: der Beginn ist extrem leise gehalten, vergleichbar dem Einstieg in Wagners "Rheingold". Darüber baut sich eine Viertelstunde lang der Klang und die Bewegung auf.

Dumpfe Vorahnung vor dem Krieg

Zuvor hören Sie das Violinkonzert von Paul Hindemith, der das Werk Ende der 1930er Jahre niederschrieb. Auch er ein Heimatloser: Hindemith war 1938 auf dem Weg ins Exil in die Schweiz, weil er in Deutschland den Stempel eines "Kulturbolschewisten" trug. Als politischer Kesseltreiber verunglimpft, verlässt er seine Heimat. Sein Werk atmet Kriegsvorahnung, aufgeladen durch die Novitäten der 30er Jahre und mit einer Fröhlichkeit, der man nicht trauen kann.

Das Rundfunk-Sinfonieorchester nahm das Konzert op. 15 im April 2017 mit der Geigerin Arabella Steinbacher auf.

Die Geigerin hebt demonstrativ ihre Geige in den Vordergrund. (Arabella Steinbacher / Peter Rigaud)Arabella Steinbacher spielt die „Booth" Stradivari aus dem Jahre 1716. (Arabella Steinbacher / Peter Rigaud)

Zwischen den beiden Werken des Abends spricht Stefan Lang mit weiteren Gästen aus dem Rundfunk-Sinfonieorchester: neben dem Chefdirigenten kommen die Orchesterdirektorin Clara Marrero und der Dramaturg Steffen Georgi zu Wort: wie geht es dem Orchester in dieser Zeit? Kann man mit dem "Pandemiegepäck auf den Schultern" frei in die nächste Saison blicken? 

Paul Hindemith
Konzert für Violine und Orchester op. 15

Alfred Schnittke
Sinfonie Nr. 3 

Arabella Steinbacher, Violine
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Vladimir Jurowski

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