Donnerstag, 27.02.2020
 

Fazit | Beitrag vom 20.01.2020

Auftakt des Filmfestivals Max Ophüls PreisVom Zeitgeist in den Filmen

Svenja Böttger im Gespräch mit Britta Bürger

Beitrag hören Podcast abonnieren
Rosa von Praunheim wird bei der Eröffnung des Max-Ophüls-Filmfestivals in Saarbrücken am 20.1.2020 von seinem Mann Oliver Sechting geküsst. (imago images / Becker&Bredel)
Rosa von Praunheim - hier mit seinem Mann - sei jemand, der "den Leuten zeigt, dass man andere Wege gehen kann", sagt die künstlerische Leiterin des Festivals. (imago images / Becker&Bredel)

Klimawandel, Integration, Rechtsruck: Aktuelle Themen spielten eine große Rolle beim 41. Max-Ophüls-Festival, sagt die künstlerische Leiterin. Nachwuchsfilmer stehen im Vordergrund - der Ehrenpreis geht diesmal an Rosa von Praunheim.

"Darkroom" heißt der neue Film von Rosa von Praunheim, der die Geschichte eines jungen Mannes aus Saarbrücken erzählt, der in der Berliner Schwulenszene ein mörderisches Doppelleben führt. Praunheim erhält dafür den Ehrenpreis des Max-Ophüls-Festivals. "Er ist jemand, der nicht nur inspiriert, sondern auch den Leuten zeigt, dass man andere Wege gehen kann, dass man seiner Kunst und sich treu bleiben kann, dass emotionales Filmemachen unglaublich wichtig ist und dass man immer sich selbst vertrauen und seinen Weg gehen sollte", sagt die künstlerische Leiterin des Festivals, Svenja Böttger.

Essenzielle Fragen in den Filmen

Damit trifft Praunheim auch den Zeitgeist der Nachwuchsfilmemacher und -macherinnen, um die es hauptsächlich in den kommenden Tagen in Saarbrücken geht. "Man merkt, dass der Zeitgeist und auch das aktuelle Geschehen - sowohl gesellschaftlich, als auch politisch - unglaublich wichtig ist, weil natürlich viele Filme auch bei den Einreichungen genau davon handeln", erklärt Böttger, "mit der Umsetzung im ganz Kleinen, also in der eigenen Familie, aber auch den gesellschaftlichen Strukturen." In den eingereichten Filmen würden essenzielle Fragen wie "Wo gehöre ich hin? Wer bin ich? Wo will ich sein?" gestellt.

Ein gutes Beispiel sei da der Film "Jiyan" von Süheyla Schwenk. Der Film behandle die Fragen, was mit Menschen passiere, die nach Deutschland kommen und hier Asyl suchen, und wie sie ihren Platz in der Gesellschaft fänden, erklärt Böttger.

Festival zum Netzwerken

Auch Themen wie Klimawandel oder Rechtsrucke spielten eine große Rolle im Wettbewerb. Die jungen Filmschaffenden seien auch noch sehr experimentierfreudig. Am meisten habe Böttger der Kurzfilm "Das beste Orchester der Welt" von Henning Backhaus überrascht. Die Hauptrolle spiele eine Socke. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal für mich sage, dass ich einen Kurzfilm wirklich ganz grandios finde, in dem eine Socke eine Hauptrolle spielt", sagt Böttger.

Das Festival soll auch dazu dienen, den Nachwuchs mit der Branche zu vernetzen, zum Beispiel mit einem sogenannten Speed-Dating. Und es wird über Themen wie MeToo und queere Filme diskutiert. Insgesamt werden in der Festivalwoche mehr als 150 Filme gezeigt, 63 starten in den Wettbewerben. Dafür werden - wie auch in früheren Jahren - 16 Auszeichnungen mit Preisgeldern in einer Gesamthöhe von rund 120.000 Euro verliehen.

(nho)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKultur in Zeiten von Corona
Touristen in Mailand auf dem Duomo Platz am  25.2. 2020  (dpa/ Cristiano Barni/Eidon/)

Der Coronavirus hat nicht nur Europa erreicht, sondern inzwischen auch die Kulturwelt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass in Mailand Museen und Theater geschlossen sind. Inzwischen werden schon Vergleiche zur Zeit der Pest gezogen.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 21Ende der Lieblingssongs: Musik im Schauspiel
Szene aus "Hätte klappen können - ein patriotischer Liederabend" im Maxim Gorki Theater Berlin (imago/Drama-Berlin.de/ Barbara Braun)

Es ist unübersehbar: Immer mehr Theaterinszenierungen setzen auf Livemusik. Eine sichere Bank für Musiker – aber ist es künstlerisch wirklich immer sinnvoll? Im Gespräch mit dem Volksbühnen-Musiker Sir Henry fragen wir, was Musik für die Bühne sein kann und sollte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur