Feature, vom 30.06.2018

Aufstieg und Fall des Herrenschneiders Josef Knilli in GrazHöllenfahrt

Das Kleiderhaus Josef Knilli im Jahr 1938 (Friedrich Knilli / privat)
Das Kleiderhaus Josef Knilli im Jahr 1938 (Friedrich Knilli / privat)

Josef Knilli, der Onkel des Autors, war Hauptakteur der Arisierung des Kleiderhauses Spielmann in Graz. Er stieg auf vom kleinen Schneider in Fehring zum großen Kleiderhausbesitzer. Mal für, mal gegen die Nazis. Er saß viele Jahre in Gefängnissen, bereute aber nichts. Er starb unbesiegt, begleitet von Mozarts "Don Giovanni".

Familie Knilli (Friedrich Knilli / privat)Familie Knilli (Friedrich Knilli / privat)

Auf der Webseite derinternetlink.de erzählt Friedrich Knilli die andere Seite der Geschichte: die Enteignung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Kleiderhausfamilie Spielmann.

Ursendung
Von Friedrich Knilli
Regie: Götz Naleppa
Mit: Andreas Tobias und Helmut Mooshammer
Ton: Thomas Monnerjahn
Produktion: Deutschlandfunk Kultur  2018

Länge: ca. 54'

Friedrich Knilli, als Friedrich Venier 1930 in Fehring/Steiermark geboren, ist ein streitbarer Emeritus der Technischen Universität Berlin und seit 1953 Schriftsteller, der Provokationen liebt. Solche gelangen ihm 1955 mit einem Hörspiel im Stil der Comedia del arte und 1961 mit der Erfindung des Schallspiels: In seiner Dissertation "Das Hörspiel. Mittel und Möglichkeiten eines totalen Schallspiels", bezog er eine radikale Gegenposition zum damaligen "Hörspielpapst" Heinz Schwitzke, der das Hörspiel als reines Wortspiel definierte. Als er 1971 für das Drehbuch zu "Auf, Sozialisten, schließt die Reihen! Deutsches Arbeitertheater 1867–1918" mit dem Adolf-Grimme-Preise ausgezeichnet wurde, verspottete er die Jury bei der Preisverleihung. Die mediale Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist für ihn Verkitschung von Auschwitz. Und 2018? Knilli präsentiert das Friedhofprojekt Santa Monica: "Hitler hilft Feuchtwanger in den Mantel!".