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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 21.12.2014

Auf der Suche nach SchneeDie nasse Alternative zum Klimawandel

Von Susanne Lettenbauer

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Der Übungshang am Bernkogel mit einer Schneekanone. (Deutschlandradio / Henning Hübert )
Der Übungshang am Bernkogel mit Schneekanone. (Deutschlandradio / Henning Hübert )

Schnee aufbewahren, wenn es warm wird - und dann wiederverwenden, wenn es kalt wird. Das ist ein Trick, mit dem die Skigebiete arbeiten. Doch angesichts der Klimaerwärmung muss die Schneegewinnung nun noch intensiviert werden. Der neue Trend heißt "Snowfarming".

Ein wenig absurd schaut es schon aus – mitten im braunen Geröll liegt ein großer, weißer Haufen. Abgedeckt mit einer weißen Plane. Restschnee vom Vorjahr. Eine Kostbarkeit. Schnee wird in den tiefen Lagen der österreichischen Alpen immer seltener, kommt immer später. Saisoneröffnungsfeiern mussten in diesem Jahr nach hinten verlegt werden. Der World-Cup-Start in Sölden steht seit Jahren fest. Ende Oktober. In diesem Jahr drohte er ins Wasser zu fallen. Denn es lag zu wenig Schnee.  Absagen oder sich eine Alternative suchen - Hansjörg Posch, Geschäftsführer der Bergbahnen entschied sich für die Alternative - Snowfarming: "Ja gut, die Idee – wir sind dazu gezwungen. Die Klimaerwärmung ist nicht mehr wegzudiskutieren, die ist da."

Hansjörg Posch ist keiner der so schnell aufgibt. Er macht alles möglich für den Skisport. Doch die Sorgenfalten werden mit jedem Jahr tiefer. Jetzt kurz vor Weihnachten liegen die Temperaturen in Sölden-Tal bei gut 13 Grad, oben auf dem Gletscher bei drei Grad. Noch nicht einmal der Einsatz von Schneekanonen lohne bei dieser Wärme, denn auch das Wasser aus dem Tal wird mangels Niederschlag knapp.

Posch und seine Kollegen hatten vom Frühjahr gut 250.000 Kubikmeter Schnee über den Sommer gerettet. Mit speziellen Planen abgedeckt und an schattigen Plätzen zu Schneehaufen aufgetürmt: "Zum einen versuchen wir im Frühjahr, speziell so im März, wenn die letzten kalten Wetterperioden sind, das Restwasser, das wir in den Speicherteichen haben, zu verschneien. Also speziell am Gletscher. Heuer haben wir noch 100 000 Kubikmeter Wasser im Speicherteich Panorama am Tiefenbachgletscher gehabt und dann haben wir diese 100 000 Kubikmeter auf dem Weltcuphang verschneit."

Hansjörg Posch bezeichnet den Farming-Schnee als technischen Schnee und nicht als künstlichen, denn das Weiß werde ja nicht sofort genutzt, sondern zwischengelagert. Er sei zwar nicht so ideal wie der natürliche, dafür bilde er aber eine gute Grundlage für den künstlichen Schnee aus den Schneekanonen, wenn das Wetter kalt wird, betont der Geschäftsführer. Wieviel Schnee im Sommer in den Depots schmilzt, kann er nicht sagen. Es werde nur versucht, soviel wie möglich anzulegen:" Zusätzlich machen wir auch noch den Naturschnee, der abseits der Pisten liegt, scheiben wir im Frühjahr mit den Pistengeräten zusammen, legen dieselben Depots an wie den technischen Schnee und auch diesen konservieren wir dann über die Sommermonate."

Auf der Suche nach Schnee

Seit Jahren suchen die Tourismusbranche und Skisportverbände nach Ideen, um das Geschäft mit und den Wettkämpfen im Schnee auch in Zukunft in den Alpen möglich zu machen. Wissenschaftler tüfteln an der Zusammensetzung des Fliesmaterials für die  Abdeckplanen.  Kay Helfricht forscht am Institut für Meteorologie und Geophysik Universität Innsbruck zum Thema Eis und Klima. Snowfarming, so Helfricht sei tatsächlich eine sinnvolle Möglichkeit, Schnee zu konservieren: "Im Moment kommen zwei Verfahren zum Einsatz. Zum einen wird mit einer Art Plane abgedeckt, das sind Fliesstoffe, weiße Fliesstoffe, die die Sonne reflektieren und diese eben nicht in das Schneevolumen geht. Zum anderen hat der Flies die Eigenschaft, dass er ein Luftpolster bildet und dieses Luftpolster eben den Austausch zwischen kaltem Schnee und warmer Luft unterbindet."

Das zweite Verfahren. Der Schnee wird mit Sägespänen abgedeckt. Ein massiver finanzieller Aufwand, gibt Hansjörg Posch in Sölden zu: "Ja das kostet schon viel Geld. Es gibt eine Zahl, pro ein Kubikmeter technischen Schnee kostet 4 Euro. Und wenn ich gesagt habe, dass wir 250 000 Kubikmeter Schnee da konserviert haben für den Worldcup, wenn man das mal 3 oder 4 nimmt, dann geht das schon an die eine Million Euro."

Trotzdem lohne sich der Aufwand, da sind sich der Deutsche Skiverband und die Tourismusmanager einig. Die Gäste kommen und wedeln auch auf dem nassen technischen Schnee die Piste runter. Snowfarming gilt als das derzeit umweltschonendste Verfahren. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten:  Zum Beispiel mit Kühlschläuchen den Boden so kalt halten, dass der Schnee auch bei wärmeren Temperaturen liegen bleibt. Auch über den derzeit noch verbotenen Einsatz spezieller Bakterien, sogenannte Snowmax, wird trotz Umweltbedenken vermehrt nachgedacht. Sie sollen den Schnee gegen Wärme resistenter machen.

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