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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 20.07.2018

Auf der Suche nach einer europäischen Afrika-PolitikStädte bauen statt Lager?

Moderation: Monika van Bebber

Blick in das Lager Benz-Vi in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, in dem auf einer Fläche von etwa zwei großen deutschen Supermärkten mehr als 2600 Binnenflüchtlinge leben. Auf unbefestigtem Boden stehen Zelte, davor mehrere Kinder und Frauen. (dpa/Jürgen Bätz)
Ein Flüchtlingslager in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. (dpa/Jürgen Bätz)

Man solle Afrika nicht nur als Krisengebiet wahrnehmen, fordern Politiker wie Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) oder der Afrikabeauftragte Günter Nooke (CDU). Ist unser Bild von Unwissenheit geprägt? Übersehen wir, welche Chancen der Kontinent birgt?

Während wir Europäer nur über Flüchtlinge diskutieren, laufen wir Gefahr, Afrika als Jahrhundertchance zu verpassen, meint der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Viel zu oft werde Afrika allein als Krisengebiet wahrgenommen. In Wirklichkeit sei er ein Kontinent der Chancen. Ähnlich sieht das der Afrikabeauftragte der Bundesregierung. Günter Nooke (CDU) sagt, wir sollten in Afrikas Städte investieren, anstatt Auffanglager für Flüchtlinge zu bauen.

Ist unser Afrikabild von Unwissenheit und kolonialem Blick geprägt? Übersehen wir, welche Chancen die Boom-Regionen des Kontinents bergen? Und führen Frieden und Wachstum in den afrikanischen Staaten wirklich zu weniger Migration?

Es diskutieren:

Günter Nooke, Afrika-Beauftragter der Bundesregierung: "Hauptursache für die Migration ist, dass Menschen, eben nicht die ganz armen, sondern die besser Ausgebildeten, die, die im Dorf die Fittesten sind und die höchste Rendite versprechen, wenn sie Geld aus Europa zurücksenden, weggehen, weil sie keine adäquate Beschäftigung finden und keine adäquate Bezahlung für das, was sie zu leisten bereit sind."

Hans-Christoph Buch, Schriftsteller und Afrika-Kenner: "Die Entkolonialisierung hat nicht die Früchte gebracht, die wir alle erhofft haben. Wir haben alle gehofft, und das war eine weit verbreitete Meinung, von links bis rechts, dass unabhängige Staaten in Afrika irgendwann den Weg der Entwicklung gehen, Fortschritte machen, sowohl politisch wie auch wirtschaftlich. Beides ist nicht passiert. Sie sind weiterhin Almosenempfänger."

Annette Weber, Afrika-Experting der Stiftung Wissenschaft und Politik: "Es gibt Länder, die Schritte nach vorne machen wie Südafrika oder Äthiopien, wo es die jüngere Bevölkerung ist, die sehr wohl für sich selbst in Anspruch nimmt, gute Regierungsführung selbst definieren zu können."

Asfa-Wossen Asserate, Buchautor und Unternehmensberater: "Afrika ist der reichste Kontinent der Welt. Es gibt nichts, was der Herrgott geschaffen hat, was Sie in Afrika nicht finden. Leider Gottes haben wir in den letzten 50 Jahren diese natürlichen Gaben, die wir haben, verschleudert, und das ist in vielen Ländern nicht zu Gunsten der Bevölkerung, sondern zugunsten der jeweiligen Gewaltherrscher gegangen."

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