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Interview / Archiv | Beitrag vom 22.08.2018

Auf der Suche nach der WeltmedizinPanchakarma-Kur statt Tabletten

Dietrich Grönemeyer im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Ayurvedische Kräuter und Gewürze, aufgenommen in Sri Lanka (picture alliance / Dumont Bildarchiv / Martin Sasse)
Ayurvedische Kräuter und Gewürze: Beim Panchakarma kommen verschiedenste Methoden zur Entschlackung zum Einsatz. (picture alliance / Dumont Bildarchiv / Martin Sasse)

Der Arzt Dietrich Grönemeyer hat ein neues Buch geschrieben. Es geht um nichts weniger als die "Weltmedizin" - dem Versammeln alles heilenden Wissens. Für die Diagnose von Krankheiten, meint er, sei kaum Technik vonnöten. Es reiche ein Arzt, der hinguckt.

Manchmal ist es ganz simpel. Der Grund für die Rückenschmerzen sind Muskelverspannungen. Der Patient bekommt aber keine Massagen oder Osteopathie verschrieben, sondern landet auf dem OP-Tisch. Folge eines technikzentrierten und von wirtschaftlichen Interessen getriebenen Gesundheitssystems.

Der Arzt Dietrich Grönemeyer, durch Bestseller inzwischen ähnlich bekannt wie sein singender Bruder, setzt dem System die Idee einer "Weltmedizin" entgegen. Alles heilende Wissen weltweit soll zusammengetragen werden. Die Medizin hierzulande werde zunehmend zu einem "sinnlosen Betrieb", die Menschen wendeten sich ab, sagte Grönemeyer im Deutschlandfunk Kultur.

Akupunkturnadel auf der Stirn einer Frau (imago/stock&people)Akupunktur ist umstritten: Grönemeyer plädiert dafür, jede Heilmethode wissenschaftlich zu überprüfen (imago/stock&people)

Der Arzt und Autor plädiert unter anderem für alternative Heilmethoden - die Entschlackungskur statt Medikamenten. Grönemeyer ist viel gereist und hat die Methoden selbst ausprobiert - eine Panchakarma-Kur half ihm, wie er berichtet, erhöhte Cholesterin-Werte loszuwerden.

Entspannt, kräftiger und klar im Kopf

Außerdem habe er sich innerlich entspannt gefühlt und sei hinterher kräftiger und "klar im Kopf" gewesen. Zugleich warnt Grönemeyer aber auch vor Scharlatanen und Wunderheilern. Jede Methode müsse wissenschaftlich überprüft werden.

Zwei Füße, auf die der Betrachter schaut, als wären es seine eigenen, während er in der Badewanne liegt. Das Bad ist allerdings ein Moorbad, so dass die Füße ganz braun sind. (Imago/Gerhard Leber)Eine von vielen sanften Heilmethoden: Moorbäder helfen bei Rheuma (Imago/Gerhard Leber)

Im Zentrum eines neuen Gesundheitssystems hierzulande sieht er den Hausarzt. Dieser müsse zum "Co-Piloten" für den Patienten werden, sagte er - und die medizinischen Angebote für diesen sortieren. Denn der Patient selbst sei inzwischen aufgeschmissen. Hausärzte müssten deutlich mehr Geld für Gespräch und Fortbildungen bekommen, forderte Grönemeyer.

Dietrich Grönemeyer (Claudio di Lucia)Der Mediziner Dietrich Grönemeyer: "Als Patient ist man aufgeschmissen" (Claudio di Lucia)

Von seinem Vorbild, einem Allgemeinmediziner, habe er gelernt, dass man den Menschen als Arzt "angucken" und auf Hautbeschaffenheit, Gang, Vorlieben und Ähnliches achten müsse. 90 Prozent der Diagnose könne man als Arzt selbst stellen, dazu brauche man keine Technik. Diese müsse erst danach eingesetzt werden - um die Diagnose zu bestätigen oder zu verwerfen. (ahe)

Dietrich Grönemeyer: "Weltmedizin: Auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Heilkunst"
S. Fischer Verlag, Berlin 2018
288 Seiten, 20 Euro

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