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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 30.08.2015

Athletenmanager in der LeichtathletikDie Macher im Hintergrund

Von Gerd Michalek

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Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel bei den Deutschen Meisterschaften in Duisburg im Jahr 1993: Henkels damaliger Trainer Gerd Osenberg ist der Vater des heutigen Leichtathletik-Managers Marc Osenberg. (picture-alliance / dpa)
Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel bei den Deutschen Meisterschaften in Duisburg im Jahr 1993: Henkels damaliger Trainer Gerd Osenberg ist der Vater des heutigen Leichtathletik-Managers Marc Osenberg. (picture-alliance / dpa)

Sie organisieren Reisen, geben Tipps zum Steuerrecht und sorgen für lukrative Wettkampf-Starts: Athletenmanager sind für viele Spitzensportler inzwischen unverzichtbar. Doch unter ihnen gibt es auch schwarze Schafe.

"Ein Highlight sind natürlich sportliche Erfolge der Athleten, wenn man da an das Olympia-Finale in London denkt – mit Björn Otto und Raphael Holzdeppe oder dann ein Jahr später mit dem Finale der WM in Moskau mit dem Raphael als Weltmeister und Björn als Dritter."

Marc Osenberg kommt aus einer Stabhochspringerfamilie und arbeitet folglich gern mit Athleten dieser Disziplin zusammen – mit Profis wie Nachwuchstalenten. Über Jahre sind zwischen ihm und einigen Athleten freundschaftliche Bande gewachsen. So macht Arbeit Spaß, so lassen sich auch stressige Momente gut überstehen.

"Während der Saison ist man 24 Stunden erreichbar, vor allem dann, wenn man weiß, dass die Athleten reisen. Wenn die morgens um 3 Uhr in Amerika landen nach unserer Zeit, dann muss man damit rechnen, dass ein Anruf kommt: 'Wo ist meine Abholung? Da kommt niemand!' Da muss man agieren."

Athleten leben nun mal von Antrittsgagen und Wettkampfprämien

Für den 46-Jährigen ist es ein Traumberuf, gerade weil er vielseitig ist: mit vielen Reisen und interessanten Menschen, die er kennenlernt. Osenberg ist  ein Perfektionist und hilft gern, Talente nach oben zu bringen. Gute Qualitäten für einen Athletenmanager, der sich außerdem im Steuerrecht auskennen muss, der für Auslandsreisen seiner Athleten Visum-Anträge stellt. In die Arbeit ist er eher zufällig reingerutscht.

"Ich habe, als ich noch selbst aktiv war, die Planung für mich und meine damaligen Kollegen mit übernommen, weil es in die Bereiche ging: Wie kriegt man ein Hotel gestellt, kriegt man Reisekosten? Und da musste sich jemand drum kümmern, das war mein Einstieg."

Heute hilft er vor allem Spitzensportlern, um an lukrative Wettkampf-Starts zu kommen. Athleten leben nun mal von Antrittsgagen und Wettkampfprämien: Deswegen verhandelt Osenberg mit Veranstaltern.

"Junge Athleten haben kein Netzwerk mit Veranstaltern. Woher soll er auch die Leute kennen?"

Weil Osenberg sich ständig in der Wettkampfszene aufhält, kennt er den Marktwert der Athleten. Das ist wichtig zu Saisonbeginn, wenn er sich mit Trainern und Sportlern trifft. Diese Dreier-Runde muss sich einig werden.

"Kein Athlet kann sich auf Dauer gegen die Interessen und die Vorgaben seines Trainers stellen, denn sonst würde das Verhältnis zwischen beiden einen Knacks bekommen und sich dann auflösen. Das heißt, der Trainer hat schon einen großen Einfluss auf die Wettkampfgestaltung. Meine Aufgabe ist es zu allererst, wenn man die normale Jahresplanung sieht, einen Kalender zu erstellen für diese jeweilige Disziplin."

Gelingt es Osenberg, Athleten zu großen Wettkämpfen zu vermitteln und bringen sie dort gute Leistungen, freut er sich natürlich. Ihr Erfolg bestimmt unmittelbar seinen Verdienst.

"Da gibt es feste Vorgaben vom Weltverband, es ist auf Provisionsbasis. Standardmäßig würde ich sagen 15 Prozent, das ist deutlich weniger als in anderen beratenden Funktionen. Dort gibt es einen Standardvertrag - vorgegeben  von der IAAF, akzeptiert und umgesetzt vom Deutschen Leichtathletikverband."

Osenberg kann mit seiner Arbeit eine sechsköpfige Familie ernähren. Doch er betont, weit entfernt zu sein von den Einkünften der US-Manager, die mehrere 100.000 Euro im Jahr verdienen - weil sie Usain Bolt oder andere Topsprinter vermarkten.

Athleten können auch Pech mit ihren Managern haben

Derzeit sind rund ein dutzend Manager vom DLV lizensiert. Manche von ihnen haben nur zwei oder drei,  andere - wie Osenberg - etwa 20 Athleten unter Vertrag. Das klingt nach viel, doch gut vorbereitet bringt das den Manager nicht in Zeitschwierigkeiten. Selbst wenn seine Athleten an einem Wochenende fünf oder sechs Wettkämpfe bestreiten. Sind jedoch mehrere Athleten gleichzeitig verletzt, gehen Manager leer aus: ohne Wettkämpfe kein Einkommen. Athleten ihrerseits können Glück, aber auch Pech mit ihren Managern haben. Der Europameister von 2006 über 10.000-Meter, Jan Fitschen, hat beides schon erlebt:

"Es gibt leider auch bei den Managern schwarze Schafe, die entweder nicht den richtigen Einsatz zeigen oder, teilweise noch schlimmer, auch Gelder unterschlagen. Das ist auch schon vorgekommen. Das ist tatsächlich ein sehr schwieriges Thema. Und am besten ist dann Mund-zu-Mund-Propaganda, und gucken, was die anderen sagen, was sie für Erfahrungen gemacht haben."

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