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Lesart / Archiv | Beitrag vom 09.09.2014

ArztromanAm Ende steht immer das Happy End

Die Serienromane erscheinen in hoher Auflage und haben vorwiegend weibliche Leser

Von Susanne Billig

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Buchhüllen mit der Aufschrift "Arztroman" von der Künstlergruppe "Girlsroom" (picture alliance / dpa / Peter Endig)
Da weiß man, was drin steckt: Arztromane entführen ihrer Leser(innen) in immer dieselbe Welt. (picture alliance / dpa / Peter Endig)

Der Arztroman ist ein Liebesroman, es wird weit mehr geheilt als das körperliche Leiden. Seit 60 Jahren werden Serienromane gelesen, vor allem von älteren Frauen. Und es geht meist hoch her. Nur einer verliebt sich nie.

Sie heißen Dr. Stefan Frank oder Dr. Andrea Bergen und kämpfen aufopfernd für ihre Patienten. Ein Halbgott in Weiß ist der Arzt im Trivialroman nicht, sondern ein sympathischer Alltagsheld, vor allem aber ein Mentor der Liebenden - denn der Arztroman ist ein Liebesroman.

"Im Umfeld dieses Arztes wird sich verliebt. Also es gibt dann Kollegen oder Patienten, die haben Probleme mit dem Herzen und auch medizinische, mit dem Körper, und es liegt dann am Arzt, diese Probleme zu lösen, also sowohl die Seele als auch den Körper zu heilen."

Weiblich, 60 plus, bildungsfern - aber nicht immer

Anna Basener arbeitet als freiberufliche Autorin. Ihr Buch "Trivialliteratur" gilt als Standardwerk, und sie hat im Bastei-Lübbe-Verlag Arztromane lektoriert. Das Genre erfreut sich seit dem Zweiten Weltkrieg großer Beliebtheit. Derzeit publiziert der Verlag sechs Serien mit über einer Million Gesamtauflage. Der Leser ist eine Leserin, sagt die Marktforschung - 60 plus, bildungsfern. Aber nicht immer.

"Man hat dann eben doch die 22-jährige Studentin, die 34-jährige Ärztin oder den pensionierten Lehrer, die das dann auch lesen und gar nicht so sehr in diese Hauptleserschaft hineinfallen."

Der Arztroman funktioniert wie eine Seifenoper

In immer dieselbe Welt eintauchen, konfrontiert werden mit den Wechselfällen des Lebens, nebenbei Krankenhausluft schnuppern - der Arztroman funktioniert wie alle Serienformate. Und trotzdem verändert er sich.

"Der Heftroman, auch der Arztroman, geht viel mehr mit der Zeit, als man glauben möchte. Wenn man eine Heldin hat, die 25 ist in der heutigen Zeit, dann weiß die, was das Internet ist, dann hat die mitunter einen Facebook-Account und das ist der alles nicht fremd."

Intrigen, spektakuläre Operationen, ergreifende Liebesszenen - am Ende steht immer das Happy-End. Nur einer verliebt sich so gut wie nie.

"Dr. Stefan Frank hat sich in seiner 40-jährigen Geschichte zweimal verliebt. Er selbst tut es eigentlich nicht. Und wenn dann die Frau kommt, bleibt die auch sehr lange bei ihm."

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