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Literatur | Beitrag vom 01.01.2021

Artenkatalog einer beredten KulturtechnikStill, das Schweigen spricht!

Von Dagmar Just

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Ein Junge hält sich einen Finger vor den geschlossenen Mund.  (picture alliance / Karl-Josef Hildebrand)
Schweigen hat vielfältige Formen und Funktionen, es ist aber noch kaum ergründet. (picture alliance / Karl-Josef Hildebrand)

Schweigen ist wie schlafen: Jeder tut es, überall, irgendwie. Aber während der Schlaf seit Langem systematisch erforscht wird, ist es um das Schweigen sonderbar still. Viel weiß man nicht von dieser grundlegenden Kommunikationsform. Bis jetzt.

Wie viele Arten Schweigen gibt es? Wie unterscheiden sie sich? Woran erkennt man, welche Art tröstet und welche verletzt, sogar töten kann? Ob diese Schweigeweisen durch die Jahrhunderte unverändert geblieben sind oder sich in Zeiten von Smalltalk und Talkshow, Science-Slam und Mega-Events verändert haben? Seltsamerweise gibt es kaum Untersuchungen des Schweigens. Über die jedem Menschen zur Verfügung stehende Kulturtechnik ist wenig zu erfahren. 

Vom Schweigen über das Schweigen

Oft heißt es, das Schweigen sei auf dem Rückzug, die Welt sei geschwätziger geworden und alle redeten gleichzeitig. Aber ziehen sich nicht immer mehr Menschen zu Schweigeexerzitien in Klöster zurück? Ist Schweigen also eine vom Verschwinden bedrohte Form des Verhaltens? Oder fehlt uns nur die Fähigkeit, es inmitten all des Geredes wahrzunehmen?

Lexika oder Kompendien lassen sich nicht dazu befragen. Sie schweigen über das Schweigen. Aber ein Schriftsteller hat bereits vor 2500 Jahren den Gott des Schweigens erfunden, und seitdem geistert dieses zwielichtige Wesen durch die Literatur. Schon seine Existenz ist beredt.

Es sprechen: Inka Teichmüller, Michael Evers und Udo Schenk
Ton: Christiane Neumann
Regie: Beate Ziegs
Redaktion: Jörg Plath

Das Manuskript können Sie hier herunterladen.

(Erstsendung am 26.2.2017)

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