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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.05.2017

Argentinische Kunstmesse arteBA Spannende Eigendynamik in Buenos Aires

Von Victoria Eglau

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Kunstmesse arteBA in Buenos Aires 2016 (picture alliance/dpa/Foto: David Fernandez)
Eine Arbeit des mexikanischen Künstlers Francisco Toledo auf der Internationalen Kunstmesse arteBA in Buenos Aires 2016. (picture alliance/dpa/Foto: David Fernandez)

Es ist wohl die wichtigste Kunstmesse für zeitgenössische Kunst in Lateinamerika – die arteBA in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. In diesem Jahr nehmen 90 Galerien aus 20 Ländern teil. Darunter auch die Berliner Galeristin Sabine Schmidt.

2017 ist ein gutes Jahr für zeitgenössische Kunst aus Argentinien. Selten war sie in der Welt so sichtbar wie in diesem Moment. Bei der Biennale von Venedig sind, neben dem offiziellen argentinischen Beitrag "The Horse Problem" von Claudia Fontes, vier weitere Argentinier mit ihren Werken vertreten. In Kassel baut die Konzeptkünstlerin Marta Minujín zurzeit ihr Parthenon der Bücher auf – es wird eines der Highlights der diesjährigen Documenta. Zur immer größeren internationalen Präsenz argentinischer Künstler hat arteBA, die Kunstmesse von Buenos Aires, erheblich beigetragen. Seit einem Vierteljahrhundert fungiert sie als Schaufenster argentinischer und lateinamerikanischer Kunst zur Welt. Die Kunstkritikerin Ana Maria Battistozzi:

"Das Engagement von arteBA war wichtig, denn die Messe lädt jedes Jahr eine große Zahl von ausländischen Kuratoren und Sammlern ein. In den letzten Jahren haben argentinische Künstler mit ihren Werken Eingang in bedeutende internationale Museen gefunden: etwa in die Tate Gallery in London oder das Museum of Modern Art in New York. Viele wurden bei dieser Messe entdeckt."

arteBA ist eine attraktive Kunstmesse. Die Non-Profit-Stiftung, die sie organisiert, stellt von Jahr zu Jahr höhere inhaltliche und ästhetische Ansprüche an die Galeristen. Ana Maria Battistozzi gehört dem Komitee an, das die mehr als 90 teilnehmenden Galerien ausgesucht hat.

"arteBA will, dass die Galerien ihre Werke sorgfältig auswählen und sie auf raffinierte, vielschichtige Weise präsentieren."

Mega-Installation "Freelancer" von Eduardo Basualdo

Die Berlinerin Sabine Schmidt schätzt genau das an der Messe von Buenos Aires, zu der sie seit sechs Jahren kommt. Am Stand ihrer Galerie PSM präsentiert sie in diesem Jahr drei Künstler, deren Werke sie unter das Motto "Caged" – Eingesperrt – gestellt hat. Dazu gehört eine Installation mit einem Fenstergitter von Eduardo Basualdo. Der Betrachter fühlt sich eingeschlossen, kann aber zumindest die Landschaft genießen, die der Künstler auf die Gitterstäbe gemalt hat. Basualdo gehört zu einer Generation junger, international höchst erfolgreicher argentinischer Künstler. Auch seine Mega-Installation "Freelancer", mit Sicherheit einer der Hingucker der diesjährigen Messe, hat mit einem begrenzten Raum zu tun. Ein Hubschrauber ist in einer würfelförmigen Struktur gefangen und scheint sie durchbrechen zu wollen.

"Ich finde, dass die Kunstszene in Argentinien unglaublich stark ist. Es gibt ne sehr spannende Eigendynamik hier in Buenos Aires in der Szene, aber es ist sehr nahe auch dem internationalen, dem europäischen Markt. Europa und Argentinien haben sehr enge Verbindungen, das spürt man nach wie vor."

Sagt Galeristin Sabine Schmidt. Bereits zum zweiten Mal wurde sie von arteBA in das Galerien-Auswahlkomitee berufen. Schmidt unterstützt die Messe von Buenos Aires dabei, sich immer internationaler auszurichten. In diesem Jahr sind Galerien aus 20 Ländern dabei – aus Lateinamerika und Europa, den USA und Asien. Die Kunsthändler, insbesondere die argentinischen, hoffen auf ähnlich gute Umsätze wie in den vergangenen Jahren. Viele von ihnen verkaufen während der Messe mehr als das Jahr über in ihrer Galerie. Jorge Mara, ein renommierter Galerist aus Buenos Aires, bedauert, dass in Argentinien nicht kontinuierlich Kunst erworben wird.

"In unserem Land wird traditionell tolle Kunst produziert, aber es gibt keinen dynamischen Kunstmarkt. Gute Künstler, wenige Käufer – das ist paradox. In den 60er-Jahren sammelte in Argentinien die Mittelklasse Kunst. Doch diese hat immer mehr an Kaufkraft verloren. Und die Reichen investieren heute kaum in Kunst. arteBA hat zwar dazu beigetragen, dass einige von ihnen gelegentlich etwas kaufen. Aber es gibt nur wenige Sammlungen."

Relativ preiswerte Kunst

Das unterscheidet Argentinien von seinem Nachbarland Brasilien, wo es eine große Zahl von Sammlern und Mäzenen gibt. Brasilianische Werke erzielen daher international ungleich höhere Preise als argentinische. Dass Argentiniens Kunst noch relativ preiswert sind, führt auf der anderen Seite dazu, dass ausländische Museen sie kaufen. Auch in diesem Jahr wird es bei arteBA wohl wieder zahlreiche Museumsankäufe geben. Die Messe hat eine Reihe von Sponsoren gewonnen, die die Anschaffung ko-finanzieren. Eine Hilfe, die gerade argentinische Museen sehr nötig haben.

"Null Geld haben unsere Museen, sie haben keine Etats, um neue Werke zu kaufen."

Klagt Galerist Jorge Mara. So sind die vier Tage, an denen arteBA stattfindet, ein hoffnungsvoller Moment für Künstler, Galeristen und Museen. Und jenes argentinische Publikum, das nichts kauft, aber zu Tausenden aufs Messegelände strömt, genießt die Messe wie eine riesige Ausstellung einiger der besten Werke, die die zeitgenössische Kunstszene zu bieten hat.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Kunstmesse arteBA.

Mehr zum Thema

"arteBA" - Größte Kunstmesse Lateinamerikas
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 07.06.2015)

Schaufenster lateinamerikanischer Kunst
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 21.05.2012)

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