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Kompressor | Beitrag vom 05.04.2018

Argentinische Klangkünstlerin Sol Rezza"Deutsch ist klanglich eine sehr reiche Sprache"

Sol Rezza im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Sol Rezza  (Marcus Andreas Mohr)
Die Klangkünstlerin Sol Rezza nimmt an neuen Orten immer zuerst deren Klang wahr (Marcus Andreas Mohr)

Die argentinische Radio- und Klangkünstlerin Sol Rezza ist derzeit Stipendiatin der Radio Art Residency in Halle. Im Interview erzählt sie, wie sie mit deutschen Klängen arbeitet, ohne die Sprache zu sprechen, und was das Besondere an Halles Sound ist.

Für drei Monate ist die argentinische Radio- und Klangkünstlerin Sol Rezza in Halle. Dort ist sie Stipendiatin der Radio Art Residency beim freien Radio Corax. In ihren Arbeiten verbindet sie Fieldrecordings mit historischen Aufnahmen und synthetisch erzeugten Klängen. Derzeit erstellt sie einen akustischen Stadtplan von Halle. "Es sind verschiedene Stücke von verschiedenen Orten in Halle, die mir aufgefallen sind", sagt Rezza. Dass sie gar kein Deutsch spricht, ist eine der großen Herausforderungen, erzählt sie.

"Sprache ist eine Klangform, aber die Bedeutung und der Klang fließen natürlich immer zusammen", sagt sie. Und sie findet: "Deutsch ist klanglich eine sehr reiche Sprache."

Mikrofon anstelle des Fotoapparates in der Tasche 

Wo andere vielleicht Fotos machen, wenn sie an fremden Orten sind, da zückt Rezza ihr Aufnahmegerät. Dort die Klänge aufzuzeichnen, sei immer ihr Hauptinteresse gewesen, erzählt Rezza. "Mit diesen Dingen spiele ich." Eine Klanglandschaft gebe viele Informationen über einen Ort preis, meint sie: "Wie ein Foto mit einem 360-Grad-Winkel." Mittlerweile laufen ihre Stücke in Argentinien auch im staatlichen Radio.

"Ich versuche, Geschichten über den Klang zu erzählen, wie uns der Klang bewegt", sagt die Künstlerin. "In dieser drei Monate dauernden Residenz in Halle ist mir aufgefallen, dass die Stadt klanglich eine 'vertikale' Stadt ist. Das heißt, der Klang kommt vor allem von oben nach unten." In Mexiko City sei das zum Beispiel anders: Sie sei eine horizontale Stadt, der Klang sei auf einer Ebene mit dem Ohr, sagt Rezza. In Halle hingegen höre man die Vögel, die Turmuhr, einen Hubschrauber, "fast alle Klänge kommen von oben", meint Rezza.

(inh)

Online-Bonus: Auf der Website der Künstlerin können Sie die in Halle zum Auftakt des Stipendiums gezeigte Performance in voller Länge nachhören.

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