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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 21.11.2015

ARD zieht ESC-Kandidat zurückNaidoo fährt nicht nach Stockholm

Der Musiker Xavier Naidoo bei einem Auftritt in Mannheim (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)
Der Musiker Xavier Naidoo bei einem Auftritt in Mannheim (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

Die ARD zieht den Sänger Xavier Naidoo als Kandidaten für den European Song Contest zurück, wie der Norddeutsche Rundfunk am Nachmittag mitteilte.

Xavier Naidoo wird im kommenden Jahr nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm für Deutschland singen. Die Entscheidung für Naidoo, die erst am Donnerstag mitgeteilt worden war, wurde am frühen Samstagnachmittag zurückgezogen.

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber erklärte den Rückzug mit der heftigen Kritik an Naidoo. "Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht. Wir haben das falsch eingeschätzt", erklärte Schreiber. Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden. "Aus diesem Grund wird Xavier Naidoo nicht für Deutschland starten."

Naidoo selbst teilte mit: "Meine Leidenschaft für die Musik und mein Einsatz für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander wird hierdurch nicht gebremst." Und betonte, dass er an der Entscheidung nicht beteiligt wurde: "Wenn sich nun kurz nach unserer vertraglichen Einigung mit dem NDR und dem Abschluss aller Vorbereitungen die Planungen der ARD durch einseitige Entscheidung geändert haben, dann ist das ok für mich."

Petition gegen Naidoo

Die Wahl des Künstlers als ESC-Kandidat durch Schreiber war in der Öffentlichkeit auf heftigen Widerstand gestoßen. Im Internet hatte sie einen Shitstorm ausgelöst, unter anderem weil der Sänger durch Äußerungen aufgefallen war, die als homophob verstanden werden können. So hatte auch Tobias Zimmermann vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) in unserer Sendung "Kompressor" Naidoo für seine verbalen Entgleisungen kritisiert. Schreiber selbst hatte die Entscheidung erst gestern im Deutschlandradio Kultur verteidigt.

Naidoo wird auch vorgeworfen, den sogenannten Reichsbürgern nahe zu stehen. Die "Reichsbürger" leugnen die Existenz der Bundesregierung und behaupten, Deutschland sei von den Alliierten besetzt, sei eine Firma oder illegal.

Tausende Menschen hatten auf der Internetseite change.org eine Online-Petition gegen den Auftritt Naidoos beim ESC im Mai 2016 Stockholm unterzeichnet.

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