Seit 20:03 Uhr Konzert

Mittwoch, 14.11.2018
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Studio 9 | Beitrag vom 26.10.2018

ARD und ZDF bei der AfDEs trennt sie ein tiefer Graben

Von Bastian Brandau

Beitrag hören Podcast abonnieren
25.10.2018, Sachsen, Dresden: Peter Frey (l-r), ZDF-Chefredakteur, Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, die Moderatoren Klaus Kelle und Andreas Lombard sowie der AfD-Politiker Nicolaus Fest und der Autor Michael Klonovsky sitzen anlässlich der AfD-Podiumsdiskussion zum Thema «Medien und Meinung» in der Messe Dresden auf ihren Plätzen. Die Diskussionsrunde will das Verhältnis zwischen der AfD und größeren Teilen der deutschen Medienlandschaft erörtern sowie mögliche Szenarien für die Zukunft beleuchten. (picture alliance/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa)
Die Chefredakteure von ZDF und ARD-aktuell, Peter Frey und Kai Gniffke, waren bei einer AfD-Veranstaltung in Dresden. (picture alliance/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa)

Berichten die öffentlich-rechtlichen Medien tendenziös? Nein, sagen die Chefredakteure von ZDF und ARD-Aktuell, Peter Frey und Kai Gniffke. Bei einer AfD-Veranstaltung in Dresden erklärten sie die Arbeitsweise ihrer Redaktionen.

Einen "Beitrag zur Debattenkultur" wollte die AfD mit der Podiumsdiskussion in Dresden liefern. Doch je länger die Veranstaltung lief, umso deutlicher blieb der Graben. Auf der einen Seite Kai Gniffke und Peter Frey, Chefredakteure von ARD-Aktuell und ZDF. Auf der anderen Seite das Dresdner Publikum, ganz überwiegend besetzt mit AfD- und Pegida-Anhängern. Einige quittierten mit abfälligen Bemerkungen oder höhnischem Gelächter Aussagen der beiden Chefredakteure. Selbst dann, als Peter Frey auf die körperlichen Angriffe auf Journalisten zu sprechen kam:

"Der Kollege, der von den Pegida-Demonstrationen im ersten Jahr berichtet hat, der stand vor der Live-Kamera in der 19-Uhr-Sendung, und es hat ihn jemand weggeschubst. Ich habe es erlebt…"

"Ooooh."

Moderator: "Bitte Ruhe" 

"Wissen Sie was, ich muss nicht Mimimi machen, die Frage ist, ob Sie es annehmen."

Nämlich die Selbstverständlichkeit, bei Angriffen auf Journalisten auf Demonstrationen einzugreifen, um so auch anders von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Der sächsische Landesverband der AfD gilt als weit rechts stehend, auf einer gemeinsamen Demonstration der AfD mit Pegida waren zuletzt auch Neonazis mitgelaufen. ZDF-Chefredakteur Peter Frey forderte die AfD auf, ihr Verhältnis zu Rechtsextremisten zu überprüfen.

Kritik und Fehleranalyse gehören zur Arbeit dazu

"Wir müssen aber auch über den Ton reden, den Teile der Partei der Presse gegenüber anschlagen. Das gehört zu dem Problem dazu. Ich will nur sagen, dass wir in den allerletzten Wochen Äußerungen gehört haben, aus der AfD 'nach der Revolution zerren wir sie aus ihren Redaktionsstuben'. Herr Klonovsky, in den Reden, die Sie für Herrn Gauland schreiben, kommt immer wieder höhnische Kritik an meinen Kollegen Marietta Slomka oder Claus Kleber."

Michael Klonovsky, früher beim "Focus", dann Mitarbeiter bei Frauke Petry und inzwischen bei Alexander Gauland, bekannte, für den Abend "Kreide gefressen" zu haben. Klonovsky und AfD-Mitglied Nicolaus Fest – früher Journalist bei der "Bild" – kritisierten unter anderem die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien über Donald Trump oder Tötungsdelikte wie zuletzt in Chemnitz. Fest sprach von einer "Nichtberichterstattung", die ihn am öffentlich-rechtlichen Fernsehen störe.

"Dafür stehen die Fälle Freiburg und Offenburg. Dann die Falschberichterstattung, dafür steht einerseits Chemnitz, und vor allem auch der Film in den 'Tagesthemen', für den sich Caren Miosga entschuldigen musste."

Immer wieder erklärten Gniffke und Frey die Arbeitsweise ihrer Redaktionen. Zu der gehöre auch Kritik und Fehleranalyse. Mit Fehlern gehe man transparent um, wie im Fall eines Beitrags aus Chemnitz. Und: Die "Tagesschau" stehe nun einmal nicht für Mordberichte und Fahndungsaufrufe, sagte Gniffke, so schlimm die Taten im Einzelnen seien. Über gesellschaftliche Diskussionen im Anschluss wie etwa im Mordfall in Freiburg aber habe man berichtet, sagte auch ZDF-Chefredakteur Frey.
 
Am Ende blieb der Eindruck: Eine wirkliche Annäherung fand während der Diskussion nicht statt.

Mehr zum Thema

Ein Jahr AfD im Bundestag - "Kampfansage an die parlamentarische Demokratie"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 24.10.2018)

Medien und Rechtspopulismus - Wie soll man berichten?
(Deutschlandfunk, @mediasres, 03.10.2018)

Journalisten und Populismus - "Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen"
(Deutschlandfunk, @mediasres, 29.08.2018)

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

Bill Beverly: "Dodgers"Flucht aus Los Angeles
Die Skyline von Los Angeles im violett-rötlichen Abendlicht, darüber das schlicht gestaltete Buchcover zu Bill Beverlys Roman. (Bild: Martin Adams/Unsplash, Cover: Diogenes)

In seinem Kriminalroman "Dodgers" schickt der Literaturwissenschaftler Bill Beverly vier schwarze Jungen aus Los Angeles auf einen Horrortripp quer durch die USA: Ein spannender, anschaulicher Abgesang auf den Traum der Freiheit.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur