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Im Gespräch | Beitrag vom 22.11.2019

ARD-Korrespondentin Lena BodeweinVon Myanmar bis Kiribati

Moderation: Ulrike Timm

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ARD-Korrespondentin Lena Bodewein (Steffi Faehnders)
Die ARD-Korrespondentin Lena Bodewein arbeitet in Südostasien. (Steffi Faehnders)

Sie führt das Leben, von dem viele Journalisten träumen: Lena Bodewein ist ARD-Korrespondentin in Singapur und reist von Birma bis nach Kiribati. Sie teilt sich den Job mit ihrem Mann − dabei ist das Paar so erfolgreich, dass es andere inspiriert.

Die Familienpflichten und die ihres Berufes lasten zu gleichen Teilen auf ihren und den Schultern ihres Mannes − ihr kleiner Sohn profitiert davon. Beide haben das größte Berichtsgebiet, das die ARD zu bieten hat − es reicht vom Irrawaddy bis an die Datumsgrenze, das heißt, um die halbe Welt. "Verliebt bin ich immer in das Land, das ich gerade bereist habe", sagt sie. Jüngst war sie in dem Inselstaat Kiribati, der dies- und jenseits der Datumsgrenze und auf beiden Seiten des Äquators liegt.

Verliebt in ein Berichtsgebiet

"Mein Schatzkästchen ist aber Indonesien. Da gibt es so viele tolle Geschichten, so viele fantastische Menschen. Allerdings gibt es auch Gefahren. Als ich auf Sumatra unterwegs war, um über eine gerade entdeckte dritte Orang Utan-Art zu berichten, der durch ein chinesisches Wasserkraftwerk bedroht ist, wurden wir immer wieder von Handlangern auf Mofas verfolgt, wir wurden in Restaurants belauscht."

Mehr als einmal wurde sie aufgefordert, ein Land oder ein Berichtsgebiet zu verlassen, weil es den Mächtigen nicht gefiel. Ihre eigene Sicherheit ist Lena Bodewein dabei wichtiger als jede Geschichte.

"Es gibt viele Situationen, wo ich sage: Da gehe ich nicht hin. Manche Gefahren sind das Risiko nicht wert, ich werde von meiner Familie gebraucht. Die Hörer werden es mir wahrscheinlich verzeihen."

Gemeinsam um die Welt

Der Weg in den Journalismus bestand für Lena Bodewein eher aus einer Reihe von Zufällen, als aus Bestimmung. Nach vielen Jobs während des Studiums volontierte sie beim NDR, danach gewann sie Preise mit ihren Radioreportagen und berichtete drei Jahre aus New York. Es war nicht selbstverständlich, ihre Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass sie statt einer Person ein Paar auf eine Korrespondentenstelle entsenden würden, aber nach einiger Zeit gelang es ihr.

ARD-Korrespondentin Lena Bodewein beim Interview mit der indonesischen Tierschützerin Manohara Odelia Pinot (Deutschlandradio / Lena Bodewein)Lena Bodewein beim Interview mit der indonesischen Tierschützerin Manohara Odelia Pinot (Deutschlandradio / Lena Bodewein)

Das Berichtsgebiet ist so groß, von Myanmar bis in die Mitte des Pazifik, dass das Paar bei weitem nicht über alles berichten kann, was berichtenswert wäre.

"Wenn Sie ganz ehrlich sind als Hörerin: Wie viel aus Südostasien wollen wir denn wirklich mitbekommen? Wir merken, dass das Interesse an Thailand immer groß ist, das kennen die meisten. Bali ist ein magisches Wort, Australien und Neuseeland, weil es westliche Länder sind. Aber wenn es in die Feinheiten von laotischer Politik geht, da lässt das Interesse doch merklich nach."

Wissen, was wichtig ist

Lena Bodewein hat sich entschlossen, auszuwählen und sich für die Reportagen zu entscheiden, die den Hörern in Deutschland wichtig sind.

"Wir müssen nicht jede Drehung der Schraube berichten und konzentrieren uns auf das, was wirklich die Leute auch mitnimmt. Wenn ein Flugtaxi in Singapur getestet wird, oder wenn es um den Vietnam-Krieg geht oder um den Drogenkrieg auf den Philippinen, diese Geschichten erreichen die Hörer in Deutschland."

Das Modell, sich den Job als Paar zu teilen, interessiert auch andere Bereiche als den Journalismus. Immer öfter kommen Nachfragen aus der Wissenschaft und der Politik. Der Weg, den Lena Bodewein und ihr Ehemann Holger Senzel als erste gegangen sind, wird nicht lange Neuland bleiben.

(AB)

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