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Freitag, 14.12.2018
 
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Kulturnachrichten

Dienstag, 18. September 2018

Architekt und Philosoph Paul Virilio ist tot

Medienkritiker starb mit 86 Jahren

Der französische Architekt, Schriftsteller und Philosoph Paul Virilio ist tot, wie seine Familie und die Fondation Cartier mitteilte. Virilio gilt mit seinen Schriften als Kritiker der Mediengesellschaft. Virilio war ab 1969 Professor und seit 1973 Studiendirektor an der École Spéciale d'Architecture in Paris. Seit den 1970er Jahren beschrieb er den Ablauf und die Gesetze der Menschheitsgeschichte als Beschleunigungs-Prozess, der heute, im Zeitalter gigantischer Informationsnetzwerke, auf seinen Endpunkt zurase. Diesen Zustand begriff er als rasenden Stillstand einer Gesellschaft, die zwar Zeit und Raum hochtechnologisch beherrscht, aber damit an der Auslöschung ihrer selbst arbeite. 1987 erhielt er den Französischen Nationalpreis der Architekturkritik, 1992 gewann er Siemens-Medienkunstpreis. Paul Virilio starb mit 86 Jahren in Paris.

Adolphe Binder lehnt Mediationsverfahren ab

Intendantin des Pina Bausch-Tanztheaters war fristlos gekündigt worden

Im Streit um die fristlose Kündigung der Intendantin des Wuppertaler Pina Bausch-Tanztheaters, Adolphe Binder, muss ein Gericht entscheiden. Binder lehnt ein vom Arbeitsgericht vorgeschlagenes Mediationsverfahren nach mehreren Äußerungen von Verantwortlichen des Tanztheaters ab, wie sie in einer Stellungnahme mitteilte. "Unter anderem wurde meine Rückkehr auf meinen Arbeitsplatz kategorisch ausgeschlossen", heißt es in dem Schreiben. "Angesichts dieser Haltung vermag ich als Klägerin nunmehr keinen Sinn in der Durchführung eines Güterichterverfahrens zu erkennen." Das Arbeitsgericht hatte ein solches Verfahren vorgeschlagen. Die Probleme der Zusammenarbeit lägen offenbar viel tiefer als nur im Streit über den neuen Spielplan, hieß es. Das weltberühmte Tanztheater hatte Binder im Juli nach anhaltenden Querelen fristlos gekündigt. Binder war unter anderem Fehlverhalten und Mobbing vorgeworfen worden. Offiziell war die Kündigung mit dem fehlenden Spielplan für die im Herbst startende neue Saison begründet worden.

Morddrohung wegen Satire-Video

Blogger Schlecky Silberstein erhält antisemitische Morddrohung

Nach dem Dreh eines satirischen Videos über die Vorfälle in Chemnitz hat der Berliner Blogger Schlecky Silberstein eine antisemitische Morddrohung erhalten. Seine Produktionsfirma erklärte, sie habe deshalb rechtliche Schritte eingeleitet. Für das Video, produziert für die Online-Comedyshow Bohemian Browser Ballett vom SWR, hatte Schlecky Silberstein alias Christian Brandes am 7. September einen AfD-Infostand nachgestellt und verkleidete "Skinheads" einen dunkelhäutigen Menschen jagen lassen. Die AfD postete daraufhin ihrerseits ein Videoclip von dem Dreh. Sie warf den Filmemachern vor, sie mit einem "Fake-Video" in Misskredit bringen zu wollen. Zudem klingelte ein AfD-Politiker bei Schlecky Silbersteins Geschäftspartner und veröffentlichte die Adresse im Internet.

Deniz Yücel erhält Medienpreis

In seiner Rede kritisiert Yücel Erdogans Staatsbesuch in Deutschland

Beim Empfang eines Medienpreises hat der "Welt"-Journalist Deniz Yücel den bevorstehenden Deutschland-Besuch des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert und der Bundesregierung "Verrat" vorgeworfen. Es scheine, "als würde sich die Bundesregierung anschicken, ein weiteres Mal all jene Menschen in der Türkei zu verraten, die sich nach einer freiheitlichen, demokratischen und säkularen Gesellschaft sehnen", hieß es in einem vorab verbreiteten Redetext zur Ehrung Yücels mit dem Medienpreis M100 Media Award in Potsdam. Yücel, der für die "Welt" als Türkei-Korrespondent gearbeitet hatte, war bis zu seiner Freilassung im Februar ein Jahr lang in Istanbul inhaftiert. Nach seiner Entlassung reiste er aus. Sein Prozess wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda und Volksverhetzung geht jedoch weiter. Yücel erhielt den M100 Media Award für seine mutige und unbestechliche Arbeit, wie es hieß. Der Preis geht an Persönlichkeiten, die sich für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen.

Springer-Chef kommt in Netflix-Verwaltungsrat

Mathias Döpfner entscheidet somit über die Strategie von Netflix

Der Chef des Medienkonzerns Axel Springer, Mathias Döpfner, zieht in den Verwaltungsrat des Videostreamingdienstes Netflix ein. Die US-Firma erhoffe sich davon "wertvolle Perspektiven und wichtige Einblicke für den Ausbau und die kontinuierliche Verbesserung unseres weltweiten Angebots", erklärte Gründer und Chef Reed Hastings. Der Verwaltungsrat spielt in US-Unternehmen eine deutlich größere Rolle als die deutschen Aufsichtsräte und bestimmt unter anderem die Strategie mit.

Marek Janowski ab 2019 Chefdirigent in Dresden

Janowski wird er Nachfolger von Michael Sanderling

Die Dresdner Philharmonie bekommt den Chef ihrer Wahl. Der 79-jährige Marek Janowski wird ab der Saison 2019/2020 Chefdirigent, der Vertrag mit ihm wurde unterzeichnet, wie das Orchester mitteilte. Damit gewinne die Philharmonie einen der führenden deutschen Dirigenten für das Repertoire des 19. und 20. Jahrhunderts. Der dem Orchester eng verbundene Janowski werde für drei Jahre als künstlerischer Leiter das Profil des Klangkörpers prägen und weiterentwickeln. Der in Warschau geborene und in Deutschland aufgewachsene Janowski hatte das städtische Orchester bereits von 2001 bis 2003 geleitet, war dann aber aus Enttäuschung über das Hin und Her beim Streit um einen neuen Konzertsaal gegangen. Nun wird er Nachfolger von Michael Sanderling, der das Amt abgibt.

Ludwig-Mülheims-Theaterpreis für Ferdinand Schmalz

Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert

Der Dramatiker Ferdinand Schmalz erhält den diesjährigen Ludwig-Mülheims-Theaterpreis. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung werde dem Österreicher am 5. November in Köln überreicht, kündigte das Erzbistum Köln an. Das Erzbistum verwaltet den Nachlass des Schauspielers Ludwig Mülheims, aus dem der Preis finanziert wird. Die Laudatio hält den Angaben nach die künstlerische Direktorin des Wiener Burgtheaters, Karin Bergmann. Der Ludwig-Mülheims-Theaterpreis fördert die Begegnung zwischen Theatern, Autoren und Religionen. Zu den Preisträgern zählen der Autor und Regisseur Nuran David Calis und die niederländische Autorin Lot Vekemans.

Japanischer Milliardär will mit Künstlern zum Mond

Yusaku Maezawa hat Flug mit privater SpaceX Unternehmung schon angezahlt

Der Japanische Kunstmäzen und Milliardär Yusaku Maezawa könnte als erster Zivilist mit Elon Musk und dessen privater SpaceX Unternehmung zum Mond fliegen. Der Japaner will zu der kostspieligen Reise auch mehrere Künstler einladen, darunter u.a. Schriftsteller, Filmschaffende, Modedesigner und einen Architekten. Sie alle sollen die Erfahrung der Reise in ihrer Kunstform kreativ umsetzen. Weltraumunternehmer Musk teilte mit, dass Maezawa bereits eine erhebliche Anzahlung für die Reise gemacht habe. 2023 soll der Flug starten.

Wieder US-Chart-Rekord für Rapmusiker Drake

29 Wochen lang an der Spitze der Hitparade zeigen überragenden Erfolg

Der kanadische Rapper Drake (31) hat mit dem kommerziellen Erfolg seiner Songs neue Maßstäbe gesetzt. In den vergangenen zwölf Monaten stand er mit seinen Hits insgesamt 29 Wochen lang an der Spitze der US-Hitparade und hat damit einen neuen Rekord im Musikbusiness aufgestellt, wie das Musikmagazin "Billboard" berichtete. Aktuell belegt Drake die Top-Position mit seinem Song "In My Feelings". Den bisherige Rekord hielt seit 2004 der R&B-Musiker Usher - er stand damals 28 Wochen mit seiner Musik an der Chart-Spitze. Drake übertrumpft mit seinen Songs auch die Beatles, nachdem sieben der Titel zeitgleich in den Top Ten standen. Insgesamt hatte der 31-Jährige Ausnahmemusiker bereits 31 Top-Ten-Songs - mehr als Michael Jackson.

Erstes Menschenrechts-Filmfestival in Berlin

25 Filme dokumentieren die Krisen auf der Welt

Flucht, Vertreibung, Hunger, Armut, die Folgen des Klimawandels und die Diskriminierung von Frauen - das sind die Themen beim ersten Menschenrechts-Filmfestival in Berlin. "Dokumentarfilm ist das Medium, um über Krisen zu sprechen, sie emotional nachvollziehbar zu machen und anschließend politisch aktiv zu werden", erklärte Jan Sebastian Friedrich-Rust von der Organisation Aktion gegen den Hunger, die das Filmfestival Human Rights Film Festival initiiert hat. Mit Dokumentarfilmen werde den Menschenrechten ein Gesicht gegeben. Regisseure aus aller Welt erzählen u.a. von philippinischen Straßenkindern und Umweltaktivisten in Liberia, sowie von irakischen Minen-Entschärfern und Flüchtlingen. In drei Kinos (Babylon, Sputnik, Hackesche Höfe Kino) werden die insgesamt 25 Dokumentarfilme vom 20.-26.September zu sehen sein. Der chinesische Künstlers und Menschenrechtsaktivist Ai Weiwei ist Schirmherr des Festivals. Förderer des Human Rights Film Festivals sind der Hauptstadtkultur-Fonds und das Auswärtigen Amt der Bundesregierung.

"Game of Thrones" erhält weitere Emmy-Auszeichnung

Fernseh-"Oscars" in Los Angeles verliehen

Die Fantasy-Serie "Game of Thrones" hat erneut den begehrten US-Fernsehpreis Emmy erhalten: Bei der Preisverleihung in Los Angeles wurde die Serie zur besten Drama-Serie gekürt und setzte sich damit gegen "The Handmaid's Tale - Der Report der Magd" durch, die im vergangenen Jahr den Preis geholt hatte. "Game of Thrones" war mit 22 Nominierungen ins Rennen gegangen; in den vergangenen Jahren hatte die Serie bereits 45 Emmys gewonnen. Die 50er-Jahre-Serie "The Marvelous Mrs. Maisel" erhielt den Preis für die Beste Comedy-Serie. Emmys gingen zudem an Rachel Brosnahan als beste Hauptdarstellerin und Alex Borstein als beste Nebendarstellerin in der Serie.

Ministerin will schnelle Reaktion auf Bildungsstudie

Karliczek: Ohne Lesen und Schreiben geht es nicht

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, CDU, dringt darauf, die Schreiblernmethoden an deutschen Schulen schnell zu überdenken: "Richtig Lesen und Schreiben zu können ist und bleibt entscheidend, ohne diese Kulturtechniken geht es nicht," sagte Karliczek den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Am Wochenende hatte die Universität Bonn eine Studie veröffentlicht, nach der die herkömmliche Fibel-Methode zu deutlich besseren Rechtschreibleistungen führt als etwa die reformpädagogische Methode "Lesen durch Schreiben". Die Ergebnisse der Studie müssten nun schnell in der Praxis Anwendung finden, so Karliczek. Auch der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter, sieht Handlungsbedarf: Die Studie gebe "wichtige Hinweise", sagte der Linke-Politiker. "Wir werden diese mit unseren Experten in Schule und Wissenschaft besprechen und Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung der Lehr- und Lernmethoden ziehen." Derweil forderte der Deutsche Lehrerverband bereits ein bundesweites Verbot der Methode "Lesen durch Schreiben". Es gehe jetzt darum, möglichst schnell weiteren Schaden von Grundschulkindern abzuwenden, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Funke Mediengruppe. Die Länder müssten jetzt "ernsthafte und tief greifende Konsequenzen" ziehen.

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