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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.07.2018

Archäologie aus der LuftGrüne Halme verraten, ob es sich lohnt zu graben

Klaus Leidorf im Gespräch mit Julius Stucke

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Luftbild von einem roten Traktor, der gerade auf einer gemähten Wiese das Gras zusammenrecht (Klaus Leidorf)
Fast wie ein Kunstwerk: Gemähtes Gras auf einer Wiese - fotografiert vom Luftarchäologen Klaus Leidorf. (Klaus Leidorf)

Luftbildarchäologen wissen, wo es für ihre Kollegen am Boden vielleicht etwas Interessantes auszubuddeln gibt. Das derzeitige trockene Wetter sei dafür ideal, sagt Luftbildarchäologe Klaus Leidorf. Dann zeigen ihm Boden und Pflanzen am besten, was sie verbergen.

Die Sonne brennt unvermindert weiter, die Äcker der Bauern verwandeln sich in Sandwüsten. "Es ist schon immer so gewesen: Wenn die Bauern Tränen in den Augen haben, lächeln die Luftbildarchäologen", sagt Klaus Leidorf. Er ist seit 1989 freiberuflicher Luftbildarchäologe, zieht mit einem kleinen Flugzeug seine Kreise und fotografiert leidenschaftlich gern die Welt von oben. Seine Fotos wandern anschließend in die Akten des  Landesdenkmalamtes in Bayern.

Selbstportrait des Luftbildarchäologen Klaus Leidorf an seinem Arbeitsplatz, einer Cessna 172 in der Luft. (Klaus Leidorf)Klaus Leidorf an seinem Arbeitsplatz, einer Cessna 172 in der Luft. (Klaus Leidorf)

Das anhaltend trockene Wetter ist für ihn ideal: Denn nur im trockenen Zustand verraten ihm Felder, aus der Vogelperspektive betrachtet, ob sich unter der Erde vielleicht eine alte Festung mit Gräben aus keltischer Zeit verbergen könnte. Solche Informationen könne man nur aus Luftbildern herauslesen.

Die Farbe des Bodens weist den Weg

Wie das?  Sei unter der Erde etwas verborgen, nehme das Einfluss auf den Zustand der Getreidehalme. "Wenn das Getreide in die Reife kommt, dann stellt es ja langsam von grün nach gelb um. Und über alten Gräben sind die Getreidehalme noch grün, während sie nebenan noch gelb sind", erläutert Leidorf. Ähnlich sei es im Herbst, wenn die Felder gepflügt würden – dann könne man erkennen, dass der umgepflügte Boden unterschiedliche Farben aufweise.

Als Luftbildarchäologe geht es dem 62-Jährigen aber gar nicht so sehr ums Ausbuddeln, sondern ums Dokumentieren. Mit Hilfe der Fotos könnten etwa geplante Bauvorhaben rechtzeitig vorher gestoppt oder ausgesetzt werden, weil Leidorfs Fotos Aufschluss darüber geben, ob das Areal für ein Einkaufszentrum etwa eine verschüttete alte Siedlung aus vorchristlicher Zeit beherberge.

Luftbilder sind Leidorfs Leidenschaft

Neben der Entdeckung zahlloser archäologischer Bodendenkmäler gilt Leidorfs Interesse auch zunehmend der Luftbilddokumentation. Seit der Wende hat er beispielhaft das "Grüne Band" auf rund 1400 km der ehemaligen innerdeutschen Grenze in den Jahren 1996, 2003 und 2008 in unzähligen Aufnahmen erfasst.

Luftbild vom Rathausturm am Marienplatz in München, vor dem die Touristen auf das Glockenspiel warten (Klaus Leidorf)Luftaufnahme vom Rathausturm am Marienplatz in München. (Klaus Leidorf)

Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, dass er seine Fotos ausstellen würde. Sie sind derzeit in der Ausstellung "SICHTFlug" in der Flugwerft Schleißheim, einem Standort des Deutschen Museums in München, zu sehen.

(mkn)

"SICHTFlug", bis 26. August 2018 im Deutschen Museum München, Flugwerft Schleißheim.

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