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Dienstag, 26.10.2021
 
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Kulturnachrichten

Dienstag, 29. Juni 2021

Applaus-Preis würdigt deutsche Club-Szene

In Berlin ist am Dienstagabend der Applaus-Preis verliehen worden, der das Club-Leben in Deutschland würdigt. Mehr als hundert Clubs wurden mit Preisgeldern zwischen 10 000 und 50 000 Euro ausgezeichnet. Das Theaterstübchen in Kassel, das Yaam in Berlin und das Franz Mehlhose in Erfurt sind die Hauptgewinner. Den Applaus-Preis gibt es seit 2013. Die Initiative Musik vergibt ihn mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Kuba und die kritischen Kulturschaffenden

Die kubanische Staatsführung will nach Einschätzung von Menschenrechtlern jede Kritik aus der Kunstszene ersticken. Immer wieder würden regimekritische Kulturschaffende verhaftet, teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte am Dienstag mit - im Zusammenhang mit der Festnahme des Künstlers Hamlet Lavastida am vergangenen Samstag. Lavastida sitzt in einem Geheimdienstgefängnis in Havanna in Untersuchungshaft. Ihm werde vorgeworfen, im Berliner Künstlerhaus Bethanien an einem friedlichen Protest für einen anderen auf Kuba inhaftierten Künstler teilgenommen haben, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Deren Vorstandssprecher Martin Lessenthin sagte, die kubanische Führung fürchte die "stetig wachsende Demokratiebewegung".

EU will Kultursektor wiederbeleben

Die Kultureinrichtungen in der Europäischen Union haben während der Corona-Pandemie bis zu vier Fünftel ihrer Einnahmen eingebüßt. Alle hätten verloren, der Sektor müsse wiederbelebt werden, sagte am Dienstag der Vize-Präsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas. Nach EU-Angaben verloren Museen im vergangenen Jahr bis zu 80 Prozent ihrer Einnahmen. Die Kinos mussten einen Rückgang von 70 Prozent hinnehmen. Die Zahl der Besucher bei Konzerten und Festivals ging um drei Viertel zurück, was zu einem Umsatzeinbruch von mehr als 60 Prozent führte. Vize-Kommissionpräsident Schinas erklärte, die Kultur sei Teil der europäischen DNA. Er forderte die Mitgliedsstaaten auf, in ihren Anträgen auf EU-Corona-Hilfen der Kultur ausreichend Raum zu geben. Die Europäische Union werde den Kultursektor in den kommenden sechs Jahren mit rund 4,5 Milliarden Euro unterstützen.

Herta Müller in den Orden Pour le Mérite aufgenommen

Die Schriftstellerin Herta Müller wird Mitglied im Orden Pour le Mérite. Die 67-jährige Literaturnobelpreisträgerin ist zusammen mit dem Judaisten und früheren Museumsleiter Peter Schäfer in die Gelehrten-Vereinigung gewählt worden, wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Dienstag in Berlin mitteilte. Den Orden Pour le Mérite bekommen Menschen für ihre Verdienste in Wissenschaft und Kunst. Der Vereinigung gehören derzeit jeweils rund 40 Persönlichkeiten aus dem Inland und dem Ausland an. Herta Müller ("Atemschaukel", "Herztier") hatte 2009 den Nobelpreis für Literatur gewonnen.

Venedig ruft Wettbewerb für Kreuzschiff-Hafen aus

Auf der Suche nach einer Lösung für den Kreuzschifffahrtverkehr in der italienischen Weltkulturerbestadt Venedig hat der Hafen einen Ideenwettbewerb ausgerufen. Es werde nach Vorschlägen für den Bau von Anlegeplätzen für Kreuzfahrtschiffe außerhalb der Lagune von Venedig gesucht, hieß es in einer Mitteilung. Damit solle der Kreuzfahrerbetrieb in den dortigen Gewässern verringert werden und die einzigartige Umwelt geschützt bleiben. Experten der Unesco hatten zuletzt außerdem vorgeschlagen, Venedig wegen der Schiffe auf die Negativ-Liste für gefährdetes Welterbe zu setzen. Unter Protesten vieler Aktivisten verließen zuletzt nach rund eineinhalb Jahren Corona-Zwangspause wieder große Kreuzfahrtschiffe die Lagune von Venedig.

Stiftungsrat stimmt für Verhandlungen mit Nigeria

Der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) hat den Weg für die Rückgabe von Benin-Bronzen an Nigeria frei gemacht. Das Gremium ermächtigte SPK-Präsident Hermann Parzinger dazu, bei den deutsch-nigerianischen Verhandlungen auch über die Rückführung von Objekten aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin zu sprechen. Sie stammen aus dem Königreich Benin und wurden 1897 dort geraubt. Dies könne unabhängig von den Umständen der späteren Erwerbungen durch die Berliner Museen auf dem Kunstmarkt stattfinden. Substanzielle Rückgaben sollten schon kommendes Jahr erfolgen. Parzinger begrüßte die Entscheidung. Damit seien nun konkrete Handlungsschritte und ein Fahrplan mit der nigerianischen Seite zu vereinbaren. Es solle aber auch darum gehen, wie die Benin-Bronzen, zu denen rund 3.000 Skulpturen zählen, weiter in Deutschland und dort im Humboldt Forum ausgestellt werden könnten.

Forscher untersuchen Hochdeutsch in Hannover

Mit einer Studie über die Sprache in Hannover will die dortige Leibniz Universität herausfinden, ob in der niedersächsischen Landeshauptstadt wirklich das beste Hochdeutsch gesprochen wird. Interessierte, die in Hannover aufgewachsen sind und derzeit in der Stadt leben, können mit den Wissenschaftlern Kontakt aufnehmen und erhalten dann weitere Informationen. Das Vorhaben ist Bestandteil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes. Ein seit etwa 200 Jahren weitverbreiteter Mythos lautet, in und um Hannover werde das beste Hochdeutsch gesprochen. Das Projekt untersucht diesen Mythos jetzt erstmalig. Früher wurde dort Niederdeutsch gesprochen, ein Dialekt, der sich sehr stark vom heutigen Hochdeutsch unterscheidet. Als sich das Hochdeutsche in der Schrift durchsetzte, musste Hochdeutsch dann dort wie eine Fremdsprache erlernt werden und man orientierte sich dabei an der Schriftsprache.

Kulturrat warnt vor Qualitätsverlust bei ARD und ZDF

Der Vorsitzende des Kulturrats NRW, Gerhart Baum, warnt vor einem Qualitätsverlust in den Programmen der öffentlich-rechtlichen Sender. Quotendenken sei die falsche Strategie, sagte Baum dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er sehe Tendenzen, Hörer und Zuschauer durch Qualitätsminderung zu binden. Es komme nicht allein darauf an, was die Adressaten des Programms hören wollten, sondern auch darauf, was sie wissen und erfahren sollten, so Baum. Der 88-jährige Jurist und FDP-Politiker erinnerte an den Bildungsauftrag der Sender. Darauf zu beharren sei keine elitäre Arroganz. Öffentlich-rechtliche Kernaufgaben, also auch die Kultur, sollten nicht geschwächt, sondern gestärkt werden, mahnte Baum. Kultur sei unentbehrlich für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland.

Bosch-Stiftung mit Studie zu Demokratie-Verhältnis

Die Robert-Bosch-Stiftung hat in fünf Ländern das Verhältnis zur Demokratie untersucht. Rund 10.000 Menschen wurden dazu in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen und den USA zu ihren Demokratieeinstellungen und Erfahrungen mit Demokratie befragt. In Deutschland gibt es ein solides Vertrauen in Institutionen, so ein Ergebnis der Studie. Bei vielen Menschen sei die Bereitschaft erkennbar, Verschwörungserzählungen und elitenkritische Aussagen zu unterstützen. Jeder Zweite sehe Politiker als "Marionetten von dahinterstehenden Mächten" oder denke, die Medien verfolgten ihre eigenen Absichten, statt Fakten zu berichten. Die Studie zeige aber auch, dass es keinen Ruf nach Alternativen zur Demokratie gebe. In allen fünf Ländern bejahe die große Mehrheit der Menschen das Prinzip der Volksherrschaft und ganz grundsätzlich die gemeinsamen Werte wie Rechtsstaatlichkeit, freie Wahlen und Meinungsfreiheit.

Mehr Geld für Kampf gegen Rassismus an Schulen

Das Bundesfamilienministerium gibt mehr Geld für den Kampf gegen Rassismus an Schulen. Von 2021 an stehen dafür bis 2024 jährliche Fördermittel in Höhe von 15 Millionen Euro bereit, wie das Ministerium mitteilte. Damit sollen sogenannte "Respekt Coaches" unterstützt werden. In allen 16 Bundesländern sollen dafür an Schulen insgesamt 151 neue Vollzeitstellen ab der 5. Klasse geschaffen werden. Das Geld sollen die Schulen zusätzlich zu der derzeitigen Fördersumme von 21 Millionen Euro erhalten. Die Bundesregierung fördert das Programm "Respekt Coaches" seit 2018. Dies soll die Schulen darin bestärken, für ein respektvolles, friedliches Miteinander einzustehen und die demokratische Bildung von jungen Menschen zu unterstützen.

Neues Andersen-Museum öffnet in Dänemark

Nach rund vier Jahren Bauzeit wird in Dänemark ein neues Museum zu Ehren des Dichters Hans Christian Andersen eröffnet. Ab Mittwochabend werden erstmals Besucher eingelassen. Am Nachmittag wird zuvor Königin Margrethe II. das H.C. Andersens Hus vor geladenen Gästen feierlich einweihen. 1805 wurde Andersen in Odense geboren. Dort ist das neue Museum nun auch mit seinem historischen Geburtshaus architektonisch verknüpft worden. H. C. Andersens Geschichten wie "Die kleine Meerjungfrau" und "Das hässliche Entlein" zählen auch in Deutschland zu den Klassikern der Märchenwelt. Die Baukosten für das Museum belaufen sich auf 390 Millionen Kronen, das sind rund 52,5 Millionen Euro.

Picassos gestohlener "Frauenkopf" wieder aufgetaucht

Die griechische Polizei hat Pablo Picassos Gemälde "Frauenkopf" sichergestellt, das vor mehr als neun Jahren aus der Athener Pinakothek gestohlen worden war. Sowohl das Picasso-Gemälde als auch ein Piet-Mondrian-Bild seien in einem Lagerhaus rund 50 Kilometer von Athen aufgespürt worden, berichteten griechische Medien. Der Mondrian soll beschädigt sein. Bei dem mutmaßlichen Drahtzieher des Kunstdiebstahls soll es sich um einen 49 Jahre alten Mann handeln. Das Kultusministerium in Athen bestätigte das Wiederauftauchen der Werke. Picassos Bild hat für Griechenland neben dem Schätzwert von rund 16,5 Millionen Euro eine weitere, besondere Bedeutung: Das Bild wurde dem Land einst vom Künstler höchstpersönlich für den Widerstand gegen die Nationalsozialisten übergeben. Die Polizei hatte die Ermittlungen vergangenen Februar erneut aufgenommen, weil Experten davon ausgingen, dass der "Frauenkopf" auf dem Schwarzmarkt nie verkauft werden konnte - und Griechenland deshalb auch nie verlassen hatte.

Grammy-Akademie sucht weiter nach mehr Vielfalt

Die für die Vergabe der Musikpreise "Grammy Awards" verantwortliche "Recording Academy" legt bei der Einladung neuer Mitglieder nach eigenem Bekunden weiterhin einen Fokus auf Vielfalt. Die Akademie erklärte am Montag, von den rund 2700 eingeladenen Musiker*innen und Mitarbeitenden der Musikindustrie sei knapp die Hälfte weiblich. Zudem gehöre eine knappe Hälfte unterrepräsentierten ethnischen Gruppen an. Die Eingeladenen haben bis zum 15. September Zeit, zuzusagen - damit könnten sie dann über die Vergabe der nächsten Grammys abstimmen. Diese ist für den 31. Januar 2022 geplant. Im vergangenen Jahr hatten rund drei Viertel der etwa 2300 Eingeladenen zugesagt. Von den derzeit rund 13.000 Akademie-Mitgliedern ist etwa ein Viertel weiblich, ebenfalls ein Viertel gehört unterrepräsentierten ethnischen Gruppen an. Auch die Oscar-Akademie hat angekündigt, ihre Mitgliedschaft vielfältiger machen zu wollen. Beide Vereinigungen waren zuvor heftig für zu wenig Diversität kritisiert worden.

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