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Im Gespräch | Beitrag vom 02.12.2019

Anwalt Wolf-Rüdiger Bub"Ich bin ein schlechter Verlierer"

Moderation: Katrin Heise

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Der Anwalt Wolf Rüdiger Bub in schwarzem Sakko und blauer Fliege. (Frank Schroth)
Erfolgreicher Wirtschaftsanwalt und großer Opernfreund: Wolf-Rüdiger Bub. (Frank Schroth)

Wolf-Rüdiger Bub gilt als einer der gefürchtetsten Wirtschaftsanwälte Deutschlands – nicht erst, seit er das Mandat von Leo Kirch gegen die Deutsche Bank übernommen hat. Mit ebenso viel Leidenschaft ist der 72-Jährige aber Kunstsammler.

Über zwölf Jahre prozessierte Wolf-Rüdiger Bub als Anwalt von Leo Kirch gegen die Deutsche Bank. 2014 kam es zum Vergleich, für Bub wohl sein spektakulärster Fall. Eine knappe Milliarde Euro hatte der Anwalt für die Kirch-Hinterbliebenen erstritten. Nach dem Prozess "bin ich nach Hause gefahren und habe die Kunst der Fuge von Bach aufgelegt". Lange wollte sich Bub nicht ausruhen, sondern ging nach einer Stunde wieder in die Kanzlei und kümmerte sich um einen Mahnbescheid. "Ich bin ein sportiver Mensch gewesen, ein Leben lang. Und das bedeutet, gleich nach einem Erfolg geht es weiter. Und alles was vorher war zählt nicht."

"Jeder Fall bedarf einer eigenen Gangart"

1975 wurde Wolf-Rüdiger Bub als Rechtsanwalt zugelassen. Mit 72 Jahren baut er gerade eine neue Kanzlei auf. Dabei könnte er sich schon lange zur Ruhe setzen. Im Alter von 35 wollte er finanziell unabhängig sein, nur noch solche Fälle übernehmen, die ihn wirklich interessieren. Das hat der Wirtschaftsanwalt geschafft. "Ich möchte nicht für jemanden ins Feld ziehen, der mir nicht sympathisch ist. Das macht keinen Sinn." Seine Motivation und Antrieb bis heute: "Ich bin ein schlechter Verlierer." Als "Deutschlands härtester Anwalt" wird Bub häufig bezeichnet, doch das wäre eine sehr einseitige Darstellung. "Jeder Fall bedarf einer eigenen Gangart. Es gibt viele Fälle, da ist Härte ganz schädlich und nicht geeignet um zu einer Lösung bei Gericht zu kommen."

Seit über 24 Jahren arbeitet Wolf-Rüdiger Bub mit einem Psychologen zusammen. Für Bub hat er maßgeblich Anteil an seiner Karriere. "Er ist angetreten, um dafür zu sorgen, dass ich gut geerdet bin. Der Erfolg verleitet manchmal dazu, die Bodenhaftung zu verlieren. Den Luxus, pro Woche eine Stunde sich mit sich selbst und seinem Umfeld zu beschäftigen, den leistet sich nicht jeder. Für mich war es ein großer Gewinn."

Für Maria Callas das Fahrrad verkauft

1947 in Landau an der Isar geboren, wuchs Wolf Rüdiger Bub bei seinen Großeltern auf, die eine Landbrauerei betrieben. Sein organisatorisches Talent, sein Gespür wie sich Geld verdienen lässt, das konnte er hier schon als Kind unter Beweis stellen. Bub "hat mir Gastwirten geredet und Bestellungen entgegengenommen. Ich habe frühzeitig gelernt, dass man Gastwirte fragen muss, welches Bier sie gerade vergessen haben, damit die Bestellung abgerundet wird. Und wenn ein Sechsjähriger am Telefon fragt ob die das Weißbier vergessen haben, dann finden die das lustig."

Schon mit fünf Jahren nahm ihn der Vater mit in die Oper. Der Junge war nicht gelangweilt, vielmehr fasziniert. Seine Opernleidenschaft hält bis heute an. Tickets für Konzerte kann Wolf-Rüdiger Bub sich heute problemlos leisten, als kleiner Junge waren 100 Mark ein riesige Summe. So viel sollte die Karte für eine Aufführung mit Maria Callas kosten. Aber es war sein Traum, die große Sängerin live zu erleben. Als sie 1955 nach Berlin kam, verkaufte der damals Achtjährige nicht nur sein Fahrrad. "Ich musste auch noch Kleinkredite bei Family und Friends aufnehmen. Heute sind die Schulden weg, die Erinnerung an Maria Callas ist ganz frisch."

Bis heute zieht es Wolf-Rüdiger Bub in die Konzertsäle. Wenn mal wieder ein Prozess länger dauert, kein Problem. Denn neben der Arbeit als Anwalt hat er eine zweite Leidenschaft: Wolf Rüdiger Bub ist passionierter Sammler von Bildern, Büchern und CDs. 120.000 sind in seinem Besitz. Die Zahl der Sammlung ist "wöchentlich wachsend".

(ful)

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