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Interview | Beitrag vom 07.05.2021

Antisemitismus auf Querdenker-Demos Soll man das Tragen des "Ungeimpft"-Sterns verbieten?

Felix Balandat im Gespräch mit Nicole Dittmer

Bei einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen: Vier Demonstranten sitzen auf Steinstufen, vor sich ein Transparent mit der Aufschrift "Keine Panik". Win Demonstrant hat einen gelben Stern auf der Jacke. Auf diesem steht "Ungeimpft". (IMAGO / Willi Schewski)
Nicht nur bei dieser Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Flensburg haben Teilnehmer einen "Ungeimpft"-Stern getragen. (IMAGO / Willi Schewski)

Auf Querdenker-Demonstrationen sind immer wieder an die "Judensterne" angelehnte "Ungeimpft“-Sterne zu sehen. Diese nur zu verbieten, reiche nicht aus, um Antisemitismus zu bekämpfen, sagt Felix Balandat.

Auf den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ist immer wieder als Emblem ein gelber Stern mit der Aufschrift "Ungeimpft" zu sehen. Querdenker setzen sich damit mit den verfolgten Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus gleich.

Für Felix Klein, den Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung, ist das mehr als nur eine Geschmacklosigkeit: Er fordert Städte und Gemeinden dazu auf, das Tragen dieses Sterns zu verbieten. 

München hat das bereits getan. Sollten andere Städte folgen? "Ich bin natürlich froh darüber, dass solche antisemitischen Symbole nicht mehr gezeigt werden, wenn es so ein Verbot gibt und es auch durchgesetzt wird", sagt Felix Balandat von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS). In München sah man die Sterne zuletzt seltener.

Krisen befördern Antisemitismus

"Ein Verbot allein hilft nicht, dem Antisemitismus Einhalt zu gebieten", betont Felix Balandat. Im vergangenen Jahr habe RIAS in Bayern 239 antisemitische Vorfälle dokumentiert, berichtet er.

Nahezu die Hälfte davon stand im Zusammenhang zur Corona-Pandemie – nicht nur in Form der gelben Sterne.

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Antisemitismus sei eine Verschwörungserzählung und Krisenzeiten wie die Corona-Pandemie beförderten solche Verschwörungserzählungen, erklärt Balandat. Antisemitismus zu bekämpfen, sei eine langfristige Aufgabe und staatliche Repression dabei nötig: Viele Antisemiten seien autoritäre Charaktere, die nur mit Autorität erreichbar seien.

Gegenmittel Bildung

Felix Balandat ist es außerdem "wichtig, zu betonen, dass Antisemitismus nicht daher rührt, dass Menschen zu wenig über Juden wissen." Antisemitismus sei eine Art, sich die Welt vorzustellen und zu erklären. "Im Grunde wird dort alles Böse, alles, was in der Welt und in der Gesellschaft als schlecht empfunden wird, auf Juden projiziert."

Auch die Persönlichkeitsbildung sei im Kampf gegen Antisemitismus wichtig, sagt Balandat: "Menschen, die fähig sind, abstrakt zu denken, gleichzeitig aber auch konkret zu fühlen, konkret empathisch zu sein, sind tendenziell besser davor gefeit, antisemitischen Stereotypen zu verfallen."

(jfr)

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