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Kulturnachrichten

Donnerstag, 13. Februar 2020

Antisemitisches Kinderbuch in tschechischen Onlineshops

Mehrere Internet-Buchhandlungen in Tschechien haben jahrelang das antisemitische Kinderbuch "Der Giftpilz" in einer übersetzten Fassung in ihrem Angebot geführt. Die Polizei befasse sich mit dem Fall, sagte eine Sprecherin des Präsidiums in Prag. Das Machwerk von Ernst Hiemer aus dem Jahr 1938 gilt als Paradebeispiel für nationalsozialistische Propaganda. Der Vorsitzende der Föderation jüdischer Gemeinden in Tschechien, Petr Papousek, verurteilte den Verkauf der Publikation als eine "Verhöhnung der Opfer der Schoah". Tschechiens sozialdemokratischer Außenminister Tomas Petricek äußerte via Twitter sein Entsetzen und die Hoffnung auf hartes Durchgreifen der zuständigen Organe. Der deutsche Schriftsteller Ernst Hiemer war von 1938 bis 1941 Chefredakteur des NS-Kampfblatts "Der Stürmer".

Führung von César-Akademie tritt zurück

Die Führung der Akademie für den französischen Filmpreis César hat ihren kollektiven Rücktritt angekündigt. Hintergrund ist ein Streit um den Filmregisseur Roman Polanski. Es solle der Weg für eine Erneuerung freigemacht werden, heißt es in einer Mitteilung der Akademie. Der César ist Frankreichs nationaler Filmpreis. Die nächste Vergabe ist am 28. Februar geplant. Polanskis Film "J'accuse" wurde zwölf Mal für den begehrten Filmpreis nominiert. Schon im November war es bei einer Premiere des Streifens in Paris zu Protesten gekommen. Nach neuen Vergewaltigungsvorwürfen gegen den polnisch-französischen Regisseur blockierten mehrere Frauen den Zugang zu einem Kino. Die Fotografin und Schauspielerin Valentine Monnier hatte Polanski in einem Medienbericht beschuldigt, sie 1975 vergewaltigt zu haben. Polanskis Anwalt wies das zurück.

Mehr Aufmerksamkeit für zwei NS-Opfergruppen

NS-Opfer, die von den Nationalsozialisten als "Asoziale" und "Berufsverbrecher" verfolgt wurden, sollen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Dieses Ziel verfolgt ein gemeinsamer Antrag von CDU/CSU und SPD, den der Bundestag am Donnerstag mit großer Mehrheit angenommen hat. Damit wird diesen beiden Opfergruppen auch ausdrücklich ein Anspruch auf finanzielle Entschädigung eingeräumt. Obdachlose, Bettler und Prostituierte waren vom NS-Regime als "Asoziale" stigmatisiert, inhaftiert und ermordet worden. Viele Kleinkriminelle wurden als vermeintliche Berufsverbrecher nach Verbüßung ihrer Haftstrafe in Konzentrationslager deportiert. Der Koalitionsantrag, der auch von FDP, Linken und Grünen unterstützt wurde, fordert die Bundesregierung auf, das Schicksal der Betroffenen weiter erforschen zu lassen. Zudem soll eine Ausstellung zu dem Thema in Auftrag gegeben werden, die deutschlandweit an verschiedenen Orten gezeigt wird.

Weinstein-Anwältin macht Druck auf Jury

Im Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein hat die Chefanwältin des ehemaligen Hollywood-Moguls die Vorwürfe gegen ihren Mandanten scharf zurückgewiesen. Verteidigerin Donna Rotunno betonte in ihrem Plädoyer vor dem Obersten Gericht in New York, die Darstellung der Anklage, die mutmaßlichen Opfer trügen keine Verantwortung, wenn sie mit Weinstein auf ein Hotelzimmer gegangen seien oder sich von ihm hatten Flüge buchen lassen, sei nicht schlüssig. Am Freitag ist die Anklage mit ihrem Plädoyer an der Reihe. Ab Dienstag nächster Woche sollen sich die zwölf Geschworenen dann auf unbestimmte Zeit zu Beratungen zurückziehen, um über Schuld oder Unschuld Weinsteins zu entscheiden.

Philosoph Lammer erhielt iranischen Literaturpreis

Der Trierer Philosoph Andreas Lammer hat den wichtigsten iranischen Literaturpreis erhalten. Er wurde für seine Dissertation über den islamischen Philosophen Avicenna mit dem "World Award for Book of the Year of Islamic Republic of Iran" ausgezeichnet. Dies teilte die Universität Trier mit. Lammer forscht zu arabischer Philosophie, Kultur und Geschichte. Die Auszeichnung wurde bereits in der vergangenen Woche vom iranischen Staatspräsidenten Hassan Rohani in Teheran verliehen. Unter den insgesamt sechs ausgezeichneten internationalen Forschern ist auch der Islamwissenschaftler und Fachreferent der Deutschen Bischofskonferenz, Alexander Kalbarczyk. Er erhielt den Preis für sein Buch über die Rezeption der griechischen Logik in der islamischen Philosophie.

Solidarität mit iranischem Regisseur Rasoulof

Die Hamburger Kulturbehörde hat gemeinsam mit dem Filmfest und der Filmförderung die Ausreise des iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof gefordert. Noch immer dürfe der im vergangen Jahr in seinem Heimatland verurteilte Filmemacher den Iran nicht verlassen, kritisierte Kultursenator Carsten Brosda. Seit 2012 hat Rasoulof seinen Wohnsitz in Hamburg. Beim Teheraner Filmfestival im September 2017 hatten iranische Behörden Rasoulofs Pass einbehalten. Sein neuester Film "Es gibt kein Böses" wurde von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unterstützt und läuft im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale. Ob Rasoulof bei der Weltpremiere anwesend sein wird, ist jedoch zweifelhaft.

Bund gibt weitere NS-Raubkunst zurück

Der Bund hat weitere als NS-Raubkunst identifizierte Werke an deren rechtmäßige Besitzer zurückgegeben. Das teilte die Kunstverwaltung des Bundes mit. Unter den zurückgegebenen Werken waren ein Gemälde des Malers Friedrich Kaiser aus der früheren Sammlung des jüdischen Verlegers Rudolf Mosse sowie die frühere Bibliothek des jüdischen Wiener Rechtsanwalts Ludwig Töpfer. Zudem wurden drei Gemälde von Ferdinand Waldmüller an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben. Die Kunstverwaltung des Bundes hat damit nach eigenen Angaben seit Ende 1999 bereits 61 Werke zurückgegeben, die aus ehemaligem Reichsbesitz in das Bundesvermögen übergegangen waren.

Hohenzollerngruft wird für 18 Millionen Euro saniert

Die Hohenzollerngruft im Berliner Dom wird ab März drei Jahre aufwendig saniert und für Besucher besser erschlossen. Die Kosten sind auf bis zu 18 Millionen Euro veranschlagt, wie der Vorsitzende des Domkirchenkollegiums, Stephan Harmening, bei der Vorstellung des Projekts angab. Die Gruft mit 94 teilweise prunkvollen Särgen aus fünf Jahrhunderten ist Deutschlands bedeutendste herrschaftliche Grabstätte. Der Dom hatte im vergangenen Jahr rund 765.000 Besucher. 90 Prozent der Gesamtkosten tragen der Bund und das Land Berlin, 1,7 Millionen Euro übernimmt die Domgemeinde selbst, wie Harmening erklärte. Eine Stiftung steuert 200.000 Euro bei. Errichtet wurde der Berliner Dom um 1900 als Hofkirche der preußisch-deutschen Herrscherfamilie der Hohenzollern. Im Untergeschoss sind einige Familienmitglieder bestattet.

Hörbuch-Sonderpreis für Axel Milberg

Der Schauspieler Axel Milberg wird für seine herausragenden Leistungen als Interpret von Hörbüchern ausgezeichnet. Der 63-Jährige wird mit dem Sonderpreis des Deutschen Hörbuchpreises 2020 geehrt, gab die Jury bekannt. Zur Begründung hieß es, Milberg gestalte seine Rollen in Hörbüchern "mühelos und leidenschaftlich". Axel Milberg ist vielen "Tatort"-Fans als Kommissar Klaus Borowski bekannt. Die Sonderauszeichnung wird seit 2012 alle zwei Jahre vom Verein Deutscher Hörbuchpreis vergeben. Die Ehrung erfolgt am 10. März und eröffnet traditionell das Literaturfestival "Lit.Cologne".

Bis zu 16 Jahren Haft im Yücel-Prozess gefordert

Im türkischen Prozess gegen den "Welt"-Reporter Deniz Yücel hat der Staatsanwalt bis zu 16 Jahre Haft gefordert. Die Information stammt von Yücels Anwalt Veysel Ok. Der Staatsanwalt hatte sein Plädoyer nicht laut verlesen, sondern zuvor schriftlich eingereicht. Ok hält die Begründung für rechtswidrig. Es gäbe ein Urteil des türkischen Verfassungsgerichtes, demzufolge der Inhalt von Yücels Artikeln im Rahmen der Pressefreiheit gewesen sei. Der Prozess gegen Yücel soll am 2. April fortgesetzt werden. Yücel selbst ist nicht anwesend.

Ministerin Grütters würdigt Joseph Vilsmaier

Kulturstaatsministerin Grütters hat den verstorbenen Regisseur Joseph Vilsmaier gewürdigt. Die deutsche Film- und Fernsehlandschaft verliere einen leidenschaftlichen Künstler. Vilsmaier habe Maßstäbe für filmisches Erzählen gesetzt und damit ein breites Publikum beeindruckt, sagte Grütters. Im Alter von 81 Jahren war der Regisseur am Dienstag in München gestorben. Zu seinen größten Erfolgen gehören Filme wie "Schlafes Bruder", "Herbstmilch" und "Comedian Harmonists". Für viele seiner Regiearbeiten war Vilsmaier auch als Kameramann verantwortlich.

Christoph Ransmayr bekommt Ludwig-Börne-Preis

Der österreichische Schriftsteller und Essayisten Christoph Ransmayr erhält den Ludwig-Börne-Preis für herausragende Essays, Kritik und Reportagen. Die Laudatio am 17. Mai in der Frankfurter Paulskirche hält Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Steinmeier hatte als diesjähriger Preisrichter auch den Preisträger ausgewählt. Die Reden und Reportagen Ransmayrs zeichneten sich durch genaue Weltbeobachtung und tiefe Menschlichkeit aus, schreibt der Bundespräsident in seiner Begründung. In von Uneinigkeit und Abgrenzungen geprägten Zeiten halte er auf emphatisch-aufklärerische Weise das Einende hoch. Der Ludwig-Börne-Preis ist mit 20 000 Euro dotiert.

Mehr Kultur aufs Land

Der Vorsitzende der im vergangenen Jahr gegründeten Kultur-Ministerkonferenz, Bayerns Kunstminister Bernd Sibler, will einen Schwerpunkt auf den ländlichen Raum legen. In vielen Bereichen in Westeuropa führten die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in städtischen und ländlichen Regionen zu einem sehr unterschiedlichen Lebensgefühl, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb möchte er nun mit den anderen Bundesländern ausloten, wie eine solide Infrastruktur in ländlichen Bereichen angeboten werden kann. Sibler ist der Meinung, dass es dabei nicht nur um Krankenhäuser gehen sollte, auch Kunst und Kultur seien von entscheidender Bedeutung. Häufig seien Bibliotheken die einzige kulturelle Einrichtung vor Ort, sagte Sibler.

Musikclubs sollen besser geschützt werden

Musikclubs sollen als Kulturorte anerkannt werden. Das haben Bundestagspolitiker von den Grünen, der FDP und den Linken angeregt. Der Bau-Ausschuss wird sich in einem Fachgespräch mit dem Thema befassen. Der Verband der Musikspielstätten „LIVEKOMM" setzt sich seit langem dafür ein, Musikclubs in Deutschland als Kultureinrichtungen einzustufen und so dem Clubsterben entgegenzuwirken. Eine Änderung des Gesetzes könnte dazu führen, dass Musikclubs weniger Aufwand beim Lärmschutz betreiben müssen und rechtlich besser geschützt sind. Bisher gelten sie gesetzlich als Vergnügungsspielstätten und sind damit Spielkasinos gleichgestellt.

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