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Interview | Beitrag vom 15.09.2021

Antibiotika in der Tiermast"Eine schleichende Katastrophe"

Martin Häusling im Gespräch mit Ute Welty

Blick in einen Stall mit vielen Puten (picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen)
Jede (koventionell gehaltene) Pute bekomme in ihrem kurzen Leben ein Antibiotikum, kritisiert der EU-Abgeordnete Martin Häusling. Das habe Folgen für den Menschen. (picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen)

Jährlich sterben in der EU 33.000 Menschen, weil immer mehr Keime resistent gegen Antibiotika sind. Deren Einsatz in der Tiermast will die EU-Kommission daher begrenzen. Dem grünen EU-Politiker Martin Häusling reicht das nicht.

Ob Schweine-, Kälber- oder Geflügelmast: Tiere erhalten in großer Zahl Antibiotika, zum Beispiel über Tränken. Das ist Experten zufolge eine der Ursachen dafür, dass immer mehr Erreger resistent gegen diese Mittel werden. Mit gravierenden Folgen: Jedes Jahr sterben etwa 33.000 Menschen allein in der EU, weil ihnen kein Antibiotikum mehr hilft.

Die EU-Kommission spricht von einer "schleichenden Pandemie" und will die Zahl zugelassener Antibiotika in der Tierhaltung reduzieren. Drei Kriterien sollen künftig für die Entscheidung angewandt werden, ob ein Wirkstoff nur noch bei Menschen eingesetzt werden darf. Es handelt sich dabei um sogenannte Reserveantibiotika als letzte Mittel gegen multiresistente Keime.

Es geht nicht um Hund oder Hamster

Gegen diesen Vorschlag hat Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament, Widerspruch eingelegt. Dieser steht nun zur Abstimmung im Parlament. Häusling wirft der EU-Kommission vor, sie lasse zu viele Ausnahmegenehmigungen zu. Der Abgeordnete will erreichen, dass fünf von 35 Antibiotikagruppen für den Einsatz in der Tierhaltung verboten werden:

"Das Problem ist die massenhafte Anwendung von Reserveantibiotika in der Tiermast, nicht das einzelne Tier, nicht der Hund, nicht der Hamster."

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Denn diese sollen von dem Verbot ausgenommen werden, betont Häusling. Er weist damit Vorwürfe des Bundesverbands praktizierender Tierärzte zurück, der gewarnt hatte, künftig könnten keine Haustiere mehr ausreichend versorgt werden.

Häusling sieht hinter den Gegnern seines Vorgehens Lobbyorganisationen wie den Bauernverband, aber auch die Pharmaindustrie. Dabei gehe es doch letztlich um Menschenleben:

"Es kann ja nicht sein, dass wir in ein paar Jahren vor der Situation stehen, dass immer weniger Antibiotika wirken. Wir haben seit 20 Jahren kein einziges neues Antibiotikum auf dem Markt. Das heißt, das ist wirklich eine schleichende Katastrophe, sodass Menschen irgendwann an einer ganz einfachen Infektion auch sterben können, weil nichts mehr wirkt."

(bth, mit dpa)

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