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Studio 9 | Beitrag vom 21.02.2015

Anti-Ukraine-DemonstrationPatriotischer Marsch der Kremlanhänger

Von Gesine Dornblüth

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Pro-Kreml-Aktivisten in Moskau (AFP / Dimitry Serebryakov)
Pro-Kreml-Aktivisten haben es in Moskau leicht zu demonstrieren, den kritischen Demonstranten ergeht es weniger gut. (AFP / Dimitry Serebryakov)

Pünktlich zum Jahrestag des Maidan-Aufstands in Kiew protestieren in Russland Anhänger der "Antimaidan"-Bewegung gegen die Ukraine und reduzieren den Maidan auf Gewalt. Sie stellen die ukrainische Regierung als Marionetten der US-Führung dar.

"Komm, wenn dir dein Land teuer ist". So steht es auf großen Plakaten an den Hauptstraßen Moskaus. Ein Bündnis kremltreuer Aktivisten hat zur Demonstration aufgerufen, am Mittag soll sie im Zentrum Moskaus beginnen, die Abschlusskundgebung ist in Kremlnähe geplant. Das Bündnis nennt sich „Antimaidan". Einer ihrer Sprecher, Dmitrij Sablin:

"In Kiew hat vor einem Jahr ein bewaffneter Staatsumsturz nazistischer Färbung stattgefunden. Wir haben das analysiert. So etwas darf bei uns nicht passieren."

In der Bewegung "Antimaidan" haben sich schillernde Figuren zusammengefunden. Dmitrij Sablin ist Mitglied in der Kremlpartei "Einiges Russland" und Chef der Veteranenorganisation "Kampfbruderschaft". Eine Schlagersängerin will den Maidan verhindern. Und Aleksander Zaldostanow, genannt „Chirurg", vom Biker-Club „Nachtwölfe". Mit den „Nachtwölfen" hat sich Vladimir Putin schon mal getroffen und den ukrainischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch dafür mehrere Stunden warten lassen. Vor einem Jahr unterstützten die „Nachtwölfe" die sogenannten Selbstverteidigungskräfte der Krim und bereiteten so die Annexion der Halbinsel vor. Und im Sommer veranstalteten sie eine Show auf der Krim. Dort formten Fackelträger ein Hakenkreuz. Über die Demonstranten auf dem Maidan in Kiew, die ursprünglich angetreten waren, um gegen Korruption zu kämpfen, sagt der "Chirurg":

"Wenn wir zulassen, dass die orangefarbenen Dämonen auch in den Kreml kommen, dann werden sie unser Land als erstes vollständig ausbeuten. Dann reißen sie es in Stücke wie einst das gigantische sowjetische Imperium."

Amerikaner als Dämonen

Die orangefarbenen Dämonen - das sind nach Auffassung des "Chirurgen" und seiner Mitstreiter die Amerikaner. Sie stünden hinter dem Maidan und zielten eigentlich darauf, Russland zu unterwerfen. Das werde aber nicht gelingen, beteuert Dmitrij Sablin von der "Kampfbruderschaft":

"Russland ist das freieste Land von allen. Wir können frei reden, niemand zwängt uns seinen Willen auf. Unsere Land müssen wir bewahren: Unsere traditionellen Werte, die besondere nationale Identität. Russland sind nicht nur wir, sondern Milliarden vor uns und Milliarden nach uns, vereint in einer großen Geschichte und nationalen Kultur. So verstanden ist übrigens auch die Ukraine Russland."

Der Antimaidan hat sich vor einigen Wochen gegründet, um Protestgruppen auseinanderzujagen, notfalls mit Gewalt. Der Biker „Chirurg" warnt:

"Wir sind keine Provokateure. Aber wir werden auch keine Opfer sein."

Nun ist in Russland gar kein Maidan in Sicht. Die Protestbereitschaft ist gering. Verschiedene Oppositionsgruppen haben zu einem „Krisenmarsch" am 1. März aufgerufen. Einem der Initiatoren, dem auf Bewährung verurteilten Blogger Aleksej Nawalnyj, wurden diese Woche erneut fünfzehn Tage Ordnungshaft aufgebrummt, weil er gegen Auflagen verstoßen hatte. Damit wird eine Führungsfigur bei dem Oppositionsmarsch fehlen.
Beobachter vermuten, dass die Bewegung „Antimaidan" aus öffentlichen Geldern finanziert wird. Dmitrij Sablin von der „Kampfbruderschaft" weicht Fragen danach aus.

"Die Kampfbruderschaft hat immer Geld. In unseren Kreisen ist es aber nicht üblich, darüber zu reden. Dem Atnimaidan wird es nie an Geld fehlen."

Für die patriotische Demonstration des Antimaidan wurde im Vorfeld heftig geworben, nicht nur auf Plakaten. Die Lehrergewerkschaft zum Beispiel hat Bildungseinrichtungen aufgerufen jeweils sechs Teilnehmer zu schicken. Es gehe um die Verteidigung des Vaterlandes. Das Rundschreiben wurde im Internet bekannt. Die Veranstalter rechnen damit, dass weit mehr als die offiziell angemeldeten 10.000 Teilnehmer kommen.

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