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Interview | Beitrag vom 18.01.2020

Anti-Rassismus-Klausel Erste Verträge an Theatern

Sonja Laaser im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Auf dem Foto sieht man einen Scheinwerfer, auf einen roten Theater-Vorhang gerichtet. (picture alliance / Tetra Images)
Die "Anti-Rassismus-Klausel" entstand als Schutzkonzept für Künstler. (picture alliance / Tetra Images)

Vor einem Jahr wurde eine Anti-Rassismus-Klausel entworfen, die Theater in ihre Verträge aufnehmen können, um ihre Mitarbeiter vor Rassismus besser zu schützen. Erste Häuser übernehmen die Klausel jetzt, sagt die Juristin Sonja Laaser.

In der Musik, im Film und im Theater ist die Beschäftigung mit Rassismus ein wichtiges Thema. Aber auch die Kulturwelt ist nicht frei von Rassismus. Schauspieler und Schauspielerinnen berichten da immer wieder von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung. Vor einem Jahr hat die Juristin und Dramaturgin Sonja Laaser zusammen mit der Regisseurin Julia Wissert eine Anti-Rassismus-Klausel entwickelt, die Theater in ihre Verträge aufnehmen können, um ihre Mitarbeiter vor rassistischen Äußerungen und Übergriffen besser zu schützen.

Die Vereinbarung sieht vor, dass ein Theater bei einem möglichen Vorfall auf eigene Kosten eine Schulung oder vergleichbare Maßnahme anbieten muss, um über rassistische Strukturen und rassistische Wortwahl aufzuklären. "Eine Besonderheit ist, dass die Deutungshoheit darüber, welche Beleidigungen als rassistisch diskriminierend empfunden und eingestuft werden, bei den Betroffenen selbst liegt", heißt es in dem Vorschlag. 

Überraschende Vehemenz des Widerstands

Ein Jahr später gebe es erste Verträge, in die diese Klausel mit aufgenommen werde, sagt Laaser. Es habe zunächst nur Einzelfälle gegeben, deshalb sei die Klausel zunächst nicht als Musterklausel gedacht gewesen. "Jetzt haben wir die ersten Fälle, wo diese überhaupt erst in die Verträge mit aufgenommen wird." Bisher sei ihr deshalb noch kein Fall bekannt, bei dem sich jemand auf diese Klausel berufen habe.

Dass am Theater Oberhausen der Intendant im vergangenen Jahr die Klausel zwar übernehmen wollte, aber die Verwaltung dagegen war, habe sie nicht überrascht. "Es ist erst einmal etwas Neues, das in die Häuser hineingetragen wird und ein Fremdkörper." Sie habe eher die Vehemenz und der Ton überrascht. An den Stadttheatern gebe es große Widerstände, in der freien Szene dagegen mehr Offenheit dafür.

Das Theater unterscheide sich in seinen Machtstrukturen wenig von der Gesellschaft, auch wenn das Thema Rassismus auf der Bühne verhandelt werde. Laaser sagte, sie hoffe darauf, dass in zehn Jahren so eine Klausel an den Theatern nicht mehr benötigt werde.

(gem)

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