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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 14.11.2015

AnschlagsserieParis befürchtet 140 Tote

Straßenszene, Paris bei Nacht: Polizeifahrzeuge blockieren eine Straße, dahinter stauen sich Autos. (picture alliance / dpa / Yann Schreiber)
Polizeikräfte sind an einem der Anschlagsorte in Paris nahe dem Platz der Republik im Einsatz. (picture alliance / dpa / Yann Schreiber)

Was genau am Abend und in der Nacht in der französischen Hauptstadt passiert ist, lässt sich derzeit noch nicht genau sagen. Rettungskräfte kümmern sich um die Versorgung von Verletzten und die Bergung von Leichen, Polizei und Militär sichern Städte und Grenzen. Ermittler sind den Attentätern auf der Spur. Eine erste Bestandsaufnahme.

Peter Lange, Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur, und der langjährige Paris-Korrespondent Burkhard Birke mit einer ersten Einschätzung der Anschläge in der französischen Hauptstadt.

 

Pascal Thibaut, Korrespondent für Radio France Internationale in Berlin, fasst die Reaktionen in Frankreich zusammen.

Ein vollständiges Bild der Terrorserie von Paris wird man so kurz nach ihrem wahrscheinlichen Ende noch nicht entwerfen können. Ermittler, Behörden, Ärzte, Rettungskräfte sind noch zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt, als dass sie ständig neue Informationen an die Medien herausgeben könnten, damit die einen Überblick geben können. Aus den vielen Bruchstücken der Nacht lässt sich mit Stand um 3 Uhr aber grob die Ereigniskette rekonstruieren.

Am Abend und in der Nacht haben unbekannte Täter an mehreren Orten in Paris zugeschlagen. Die Staatsanwaltschaft spricht von sechs Tatorten, die Polizei von mindestens sieben. Auch, wie viele Menschen dabei getötet wurden, ist nicht genau bekannt. Die Pariser Stadtverwaltung hatte von 140 Toten gesprochen, der stellvertretende Bürgermeister Jack Klugman schrieb auf Twitter dagegen von 118 Todesopfern. Diese Zahl nennt auch der Radiosender France Info, die französische Nachrichtenagentur AFP beruft sich auf Ermittler und spricht von mindestens 120 Toten. Auch die Staatsanwaltschaft geht zunächst von mehr als 120 aus.

Dutzende Tote in Konzerthalle

Die meisten Opfer gab es offenbar in einer der bekanntesten Konzerthallen der Stadt, dem "Bataclan". Dort war die US-Rockband "Eagles of Death Metal" vor fast 1.500 Zuschauern aufgetreten. Gegen 21.30 Uhr begannen mehrere Terroristen, um sich zu schießen. Der Journalist Julien Tierce vom Radiosender Europe 1, der selbst im Saal war, berichtete von zwei oder drei Leuten, "die nicht maskiert waren. Sie hatten Maschinengewehre wie Kalaschnikows dabei und haben sofort angefangen, wild um sich zu schießen" – zehn bis fünfzehn Minuten lang.

"Das war von extremer Gewalt. Es gab Panik. Alle sind Richtung Bühne gerannt. Die Attentäter hatten Zeit, mindestens drei Mal nachzuladen." Nach unbestätigten Berichten riefen sie auf arabisch "Allah ist groß". Die Polizei stürmte schließlich den Saal und tötete laut AFP drei Angreifer. Im Bataclan wurden nach Behördenangaben mindestens 70 Menschen getötet, teilweise ist sogar von etwa hundert Todesopfern die Rede.

Im Saal war auch ein anderer Journalist, Pierre Janaszak. Er sagte, er habe genau gehört, was die Attentäter zu Menschen im Saal gesagt hätten: "Das ist die Schuld von Hollande. Das ist die Schuld Eures Präsidenten. Er hätte nicht in Syrien eingreifen dürfen."

Mehrere Explosionen beim Stade de France

Mindestens ein Anschlagsort befindet sich in der Nähe des Stade de France, wo am Abend ein Fußball-Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland stattfand. Im Stadion waren drei schwere Explosionen zu hören – eine gegen 21.16 Uhr, die zweite sechs Minuten später, die dritte zwischen 21.45 und 22.00 Uhr. Das Spiel wurde nicht abgebrochen, nach dem regulären Abpfiff mussten die Zuschauer noch einige Zeit im Stadion bleiben, bis sie es verlassen durften. Viele versammelten sich noch eine Zeit lang auf dem Rasen. Polizisten haben das Gebiet weiträumig abgeriegelt. Bereits am Vormittag hatte es eine anonyme Bombendrohung gegen das Hotel der deutschen Mannschaft im Stadtteil Boulogne gegeben.

Die Polizei hat viele Straßen in Paris abgesperrt. Auch einige Metro- und Buslinien werden nicht bedient. Rettungswagen sind überall unterwegs, die Krankenhäuser arbeiten nach einem Notfallplan. In der Stadt patroullieren Polizisten mit Maschinenpistolen.

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