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Studio 9 | Beitrag vom 20.02.2020

Anschlag von HanauRechtsterrorismus beim Namen nennen

Kübra Gümüsay im Gespräch mit Julius Stucke

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Die Aktivistin Kübra Gümüsay beim Kölner Medienforum (dpa / picture alliance / Galuschka)
Die Aktivistin Kübra Gümüsay beim Kölner Medienforum (dpa / picture alliance / Galuschka)

Nach dem Anschlag von Hanau kritisiert die Journalistin und Aktivistin Kübra Gümüsay, dass die Warnungen vor dem Rechtsterrorismus ignoriert worden seien. Außerdem werde die Gefahr auch nach solchen Taten immer wieder verharmlost.

"Ich hätte nichts lieber als Unrecht gehabt", sagt die Journalistin und Aktivistin Kübra Gümüsay nach dem Anschlag von Hanau. Viele Autorinnen, Aktivistinnen, Politiker hätten seit Jahren vor den Gefahren des Rechtsterrorismus gewarnt. "Ich wünschte, man hätte auf all die Warnungen gehört." Es zeige aber, dass die Gefahr nicht ernst genommen werde.

"Der Preis darf nicht sein, dass zuerst Menschen sterben müssen, bis wir diese Gefahr ernst nehmen." Das Bittere sei, dass bereits Menschen gestorben seien. Die NSU-Morde seien niemals aufgearbeitet worden, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel versprochen hatte.

Fokus auf dem Täter statt auf Opfer

Gümüsay kritisiert auch die Wortwahl nach rechtsmotivierten Straftaten: "Wir haben eine sehr interessante Art und Weise, um über diese Art von Fällen zu sprechen. Wenn ein rassistischer Übergriff geschieht, titelt man: Jemand wurde wegen seiner Hautfarbe angegriffen." Man spreche über die Opfer statt über die Täter, wie man es tun müsste.

Im Fall von Hanau sei wieder von einem "Einzeltäter" die Rede gewesen, was nicht sein könne, weil eine ideologisch motivierte Tat immer einen gewissen Kontext voraussetze. Außerdem sei der Begriff "Rechtsterrorismus" nicht benutzt worden, was die korrekte Bezeichnung gewesen wäre. Gümüsay sträubt sich auch gegen das Wort "Manifest" für die Schrift, die der Täter verbreitet habe. "Das ist Hetze, das sind abstruse Thesen, die nicht mit einem Wort wie Manifest geadelt werden sollten. Wir verschieben in diesen Momenten immer wieder die Aufmerksamkeit." 

Stattdessen brauche es einen Fokus auf den Schmerz, um mit den betroffenen Menschen mitzufühlen. "Denn Hass und Hetze in unserer Gesellschaft bauen darauf auf, dass Menschen entmenschlicht werden."

(leg)

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