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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.09.2015

Anne Teresa de Keersmaekers TanzperformanceWenn die künstlerische Notwendigkeit fehlt

Von Elisabeth Nehring

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Tänzerin und Choregrafin: Anne Teresa de Keersmaeker (imago/Reporters)
Tänzerin und Choregrafin: Anne Teresa de Keersmaeker (imago/Reporters)

Trotz beeindruckender Intensität zwischen den Künsten: Anne Teresa de Keersmaekers Tanzperformance von Rainer Maria Rilkes Erzählung "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" kann dem Text keine neue Relevanz abgewinnen.

1906 vom jungen, noch unbekannten Rilke geschrieben, avancierte die kurze Erzählung "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" zu einem der populärsten Texte der jungen, kriegsbegeisterten Generation von 1914. Bewegung und Aufbruch, heroische Rhetorik und stereotype Kampfesbegeisterung wechseln sich in dem heute kaum noch rezipierten Text ab mit Melancholie, Sehnsucht und atypischen Männlichkeitsbildern.

Rätselhaft, warum sich Anne Teresa de Keersmaker gerade für dieses zwischen Militarismus und Romantik changierende Frühwerk Rilkes so sehr interessiert, dass sie den Text nicht nur einmal komplett auf die Rückseite der Bühne projiziert, sondern selbst in Gänze deklamiert. Und auch nach der Uraufführung wird die künstlerische Notwendigkeit, diesen Text zu inszenieren, nicht wirklich plausibel.

Schaben, Kratzen und Schlagen

Zwar entwickelt die belgische Choreografin in der mindestens zehn Meter hohen, unwirtlich-abgeschabten Industriehalle zusammen mit ihrem fabelhaften Tanzpartner Michael Pomero und der wunderbaren Querflötistin Chryssi Dimitriou eine beeindruckende Intensität zwischen den Künsten.

Der durch Arbeitsschuhe erdenschwer betonte und doch subtile Tanz Anne Teresa de Keersmaekers und Michael Pomeros trifft auf die performativen Qualitäten Chryssi Dimitrious. Die entlockt ihrer Querflöte eine Komposition Salvatore Sciarrinos, deren Klangqualitäten mehr an Schaben, Kratzen und Schlagen erinnern als an Musik.

Anne Teresa de Keersmaeker spricht den Text mit nur leichtem Akzent und immer in Verbindung mit dem Körper: mal ganz zurückgenommen, fast still, mal physisch nach vorne preschend und stark intoniert. Doch kann auch ihre dynamische Interpretation zwischen Sprache und Bewegung dem Text des jungen Rilke keine wirkliche Relevanz für den Zuschauer von Heute abgewinnen.

Anne Teresa de Keersmaekers Tanzperformance "Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" ist in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg im Rahmen der Ruhrtriennale zu sehen.

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