Seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Sonntag, 20.09.2020
 
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Kulturnachrichten

Donnerstag, 17. September 2020

Anja Kampmann für US-National Book Award nominiert

Die deutsche Schriftstellerin Anja Kampmann ist mit ihrem Debütroman "Wie hoch die Wasser steigen" im diesjährigen Rennen um den National Book Award in den USA. Das teilte die National Book Foundation mit. Das Werk schaffte es in der Kategorie der übersetzten Bücher auf die Long List, auf der zehn Romane internationaler Autoren konkurrieren. Am 6. Oktober wird die Short List mit fünf Werken veröffentlicht. Die Gewinner der National Book Awards werden dann am 18. November bekannt gegeben.

Banksy verliert Markenzeichen-Rechtsstreit

Der Straßenkünstler Banksy hat einen Streit mit einer Grußkartenfirma über das Markenzeichen für eines seiner bekanntesten Kunstwerke in der EU verloren. Das 2005 in Jerusalem gesprühte Kunstwerk zeigt einen jungen Demonstranten mit einer Kappe, dessen Gesicht zur Hälfte bedeckt ist, während er einen Blumenstrauß wirft. Die Grußkartenfirma Full Colour Black Ltd., die Produkte mit Bildern der Kunstwerke von Banksy verkauft, hatte argumentiert, dass das Markenzeichen für "Flower Thrower" aus dem Jahr 2014 aufgehoben werden sollte, weil Banksy es nicht verwendet habe. Eine Abteilung des EU-Büros für geistiges Eigentum urteilte nun, dass das Markenzeichen für das Graffiti "in seiner Gesamtheit ungültig" sei. Die EU-Prüfer beriefen sich auf die von Banksy angegebene Verachtung für Rechte auf geistiges Eigentum und argumentierten, dass es Banksy in dem Verfahren auch geschadet habe, dass er seine Identität geheim halte. Der Künstler kann gegen die Entscheidung Berufung einlegen.

Brooklyn Museum verkauft Objekte bei Christie's

Das Brooklyn Museum in New York wird zwölf Kunstwerke aus seiner Sammlung beim Auktionshaus Christie's zum Verkauf anbieten, um den Erhalt des Museums zu finanzieren. Unter anderem sollen Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, Gustave Courbet und Francesco Botticini versteigert werden, berichtet die New York Times. Normalerweise ist es ein Tabu, dass Museen Sammlungsobjekte verkaufen, um die laufenden Kosten zu decken. Allerdings hatte die zuständige Association of Art Museum Directors wegen der ausbleibenden Einnahmen aufgrund der Corona-Pandemie im April die Regeln für zwei Jahre außer Kraft
gesetzt. Das Brooklyn Museum ist nun die erste große Einrichtung in den USA, die von der Möglichkeit Gebrauch macht. Es hoffe dadurch auf Einnahmen in Höhe von 40 Millionen Dollar für den Erhalt seiner Sammlung. Die Live-Auktion bei Christie's soll am 15. Oktober stattfinden.

Chinesische Firma empfiehlt Bücher bei Thalia

Das chinesische Unternehmen "China Book Trading" wählt für das Sortiment der Buchhandlungskette "Thalia" chinesische Bücher aus. Das Unternehmen ist nach eigener Aussage "Chinas größter Verlag in Europa". Wie Thalia dem Deutschlandfunk Kultur in einem schriftlichen Statement bestätigte, schlagen "unsere chinesischen Partner" Bücher vor, die "vom Thalia Sortimentsmanagement geprüft und freigegeben werden". Es handele sich um ein allgemeines Sortiment mit Kinderbüchern, Reiseliteratur, Lyrik und Belletristik sowie zwei Politiktiteln. Dies sei ein "Service für die wachsende chinesische ─ bzw. China-Interessierte ─ Community in Deutschland", heißt es dort weiter. Als Testlauf finde dies in drei Buchhandlungen zeitlich begrenzt statt. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema China finde in den Buchhandlungen über kuratierte Thementische und eine große Buchauswahl statt. Der Recherche von Deutschlandfunk Kultur war ein Tweet einer Thalia-Kundin vorausgegangen. In der Thalia-Buchhandlung am Alexanderplatz in Berlin waren der Kundin drei Regale mit chinesischer Literatur aufgefallen. Auf Nachfrage erklärte eine Thalia-Mitarbeiterin, dass in der Filiale Regalfläche "von außen" gekauft worden sei und dort "nichts Chinakritisches" ausgelegt werden dürfe.

Maria Eichhorn erhält Käthe-Kollwitz-Preis

Die Künstlerin Maria Eichhorn erhält den diesjährigen Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste. Die Künstlerin hinterfrage "seit nunmehr 30 Jahren mit ihren Arbeiten und Forschungsprojekten kontinuierlich das Betriebssystem für die Künste an der Schnittstelle zu Geschichte, Politik und Gesellschaft kritisch", hieß es in der Jury-Begründung der Akademie in Berlin. In den vergangenen zwei Jahrzehnten trat Eichhorn insbesondere mit ihren Beiträgen für die Documenta 11 und die Documenta 14 öffentlich in Erscheinung. Der mit 12.000 Euro dotierte Preis wird seit 1960 jährlich an bildende Künstler vergeben.

4500 Jahre alte Gräber im Kalksteintagebau entdeckt

Gräber, Grabhügel und Siedlungsgruben aus der Stein- und Bronzezeit haben Archäologen bei Förderstedt im Salzlandkreis entdeckt. Die sieben steinzeitlichen, rund 4500 Jahre alten Gräber hatten teilweise Steineinbauten und Grabbeigaben wie reich verzierte Gefäße, Feuersteinklingen und durchlochte Hundezähne, teilte das Landesmuseum Halle mit. Die Gefäße zeigten Einflüsse der zur gleichen Zeit weiter im Norden beheimateten Schönfelder Kultur und wiesen damit auf einen Austausch zwischen beiden Kulturen hin. Zudem wurden auf dem Areal zwei Grabhügel aus der mittleren Bronzezeit, etwa 3550 bis 3200 Jahre alt, entdeckt, hieß es weiter. Die Grabungen erfolgten im Vorfeld der Erweiterung des Kalksteintagebaus Förderstedt.

Neue Richter-Kirchenfenster in Kloster vorgestellt

Drei neue große Kirchenfenster des Künstlers Gerhard Richter sind im saarländischen Kloster Tholey enthüllt worden. Die jeweils 1,95 mal 9,30 Meter großen Werke hat der 88-Jährige auf Grundlage eines abstrakten Bildes durch wiederholtes Teilen und Spiegeln entwickelt. Die Motive stammen aus seinem Künstlerbuch "Patterns" - in den äußeren Fenstern dominieren Rot und Blau, in der Mitte Gelb. Richter hatte die Fenster den Mönchen geschenkt und angekündigt, dass dies sein letztes großes Objekt ist. Ab Oktober sollen Besucher das Kunstwerk besichtigen können.

Kaiserring-Verleihung auf 2021 verschoben

Die Stadt Goslar hat die Verleihung des renommierten Kaiserrings wegen der Corona-Pandemie ins Jahr 2021 verlegt. Ursprünglich sollte der Preis am 8. November an den deutschen Konzeptkünstler Hans Haacke verliehen werden. Haacke gilt als Vorreiter einer aktivistischen, politisch wachen Kunst. An dem Tag solle nun beraten werden, wann die Preisverleihung nachgeholt werden könne, teilte die Stadt mit. Unklar sei auch, ob es zusätzlich einen Kaiserring-Preisträger 2021 gebe. Der undotierte Kaiserring, der an den im Jahr 1050 in Goslar geborenen Kaiser Heinrich IV. erinnert, wird jährlich vergeben. Mit ihm werden bildende Künstler für ihre Verdienste um die zeitgenössische Kunst gewürdigt. Frühere Preisträger sind unter anderem Max Ernst, Joseph Beuys, Jenny Holzer sowie Barbara Kruger.

Ungarischer Journalist Dull erhält Medienpreis M100

Der ungarische Journalist Szabolcs Dull wird am Abend in Potsdam mit dem Medienpreis M100 ausgezeichnet. Der ehemalige Chefredakteur des größten ungarischen Nachrichtenportals index.hu erhält die Auszeichnung für sein Eintreten für Medienfreiheit und unabhängigen Journalismus. Der Preis M100 wird seit 2005 jährlich an Menschen vergeben, die sich für die europäische Verständigung sowie Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. Im vergangenen Jahr erhielt die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon die Auszeichnung. Weitere Preisträger sind unter anderen der italienische Schriftsteller Roberto Saviano, der dänische Karikaturist Kurt Westergaard und das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo".

"Lindenstraße"-Requisiten im Haus der Geschichte

Teile der Kulissen der ARD-Fernsehserie "Lindenstraße" sind im Bonner Haus der Geschichte zu sehen. Neben der berühmten Küche von Helga Beimer können Besucher auch eine Sitzgruppe und die Leuchtreklame des Restaurants "Akropolis" anschauen. Außerdem zeigt das Museum eine Reihe von Einzelstücken und Requisiten, darunter das Original-Drehbuch der letzten Folgen und den hellblauen Bademantel von Mutter Beimer. Schauspielerin Marie-Luise Marjan zeigte sich begeistert. Beim Anblick ihrer Fernseh-Küche fühle sie sich gleich zu Hause, sagte die 80-Jährige. Dank der Ausstellung bleibe der Gedanke an die "Lindenstraße" erhalten.

Frauenskelett aus der Uckermark über 5300 Jahre alt

Das in der Uckermark gefundene Frauenskelett ist nach Angaben des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege mehr als 5300 Jahre alt. Es sei nun bestätigt, dass die Frau höchstwahrscheinlich zwischen 3400 und 3300 v. Chr. lebte, sagte der Sprecher des Amtes, Christof Krauskopf, dem Berliner "Tagesspiegel". Die Knochen sind somit etwa so alt wie Ötzi, die berühmte Gletschermumie aus dem Eis der Alpen. Das Skelett wurde im Mai bei Bauarbeiten in Bietikow in der Uckermark gefunden. Die Frau wurde wahrscheinlich 30 bis 45 Jahre alt und innerhalb einer Siedlung begraben. Die brandenburgische Landesarchäologie sei um einen seltenen und besonderen Befund reicher, so Krauskopf.

Country Music Awards in den USA vergeben

Zum ersten Mal in der Geschichte der Country Music Awards sind zwei Künstler als "Entertainer des Jahres" ausgezeichnet worden: die Sängerin Carrie Underwood und ihr Kollege Thomas Rhett. Die Country-Band Old Dominion gewann die Preise für das "Lied des Jahres" und die "Gruppe des Jahres". "Künstler des Jahres" wurde Luke Combs. Maren Morris erhielt die Trophäe für die "Künstlerin des Jahres". Ein Höhepunkt der Show war der Auftritt von Sängerin Taylor Swift, die 2011 Entertainerin des Jahres geworden war. Anstelle eines Publikums gab es funkelnde Lichter. Die Show war wegen der Coronavirus-Pandemie um Monate verschoben worden und fand zum ersten Mal nicht in Las Vegas, sondern in Nashville statt.

Neue "Mayflower" soll über den Atlantik fahren

Auf den Tag genau 400 Jahre nach der "Mayflower" ist wieder ein Schiff mit diesem Namen vom Stapel gelaufen. Der US-Botschafter in Großbritannien, Johnson, taufte es mit einem Spritzer Gin. Wie ihre berühmte Vorgängerin soll die neue "Mayflower" im kommenden Frühjahr über den Atlantik in Richtung Amerika fahren, allerdings ohne Besatzung. Der Antrieb erfolgt durch Wind- und Solarenergie, gesteuert wird das Schiff mithilfe künstlicher Intelligenz. Während der Reise soll es unter anderem die Verschmutzung des Meeres durch Mikroplastik untersuchen. Auch Delfin- und Walbestände sollen untersucht werden. Die historische "Mayflower" hatte 1620 europäische Siedler ins heutige Neuengland gebracht.

Heinz Janisch erhält Preis für Kinder- und Jugendliteratur

Der Wiener Schriftsteller Heinz Janisch erhält den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Janisch bringe in seinen Gedichten und Erzählungen zeitlose Themen aus der Lebenswelt von Kindern in poetischer Weise zur Sprache, hieß es in der Begründung der Jury. Der Große Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Dita Zipfel wurde für ihren Roman "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte" mit dem "Korbinian - Paul-Maar-Preis" für junge Talente ausgezeichnet. Klug, sensibel und humorvoll erzähle die Autorin von der Phase zwischen Kindsein und Jugend, von den Wirrungen der ersten Liebe, den Veränderungen im Leben sowie der Suche nach Wahrheit, lobte die Akademie.

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