Mittwoch, 25.11.2020
 

Im Gespräch | Beitrag vom 10.10.2020

Angststörungen, Burn-out, DepressionWie können wir unsere Psyche schützen?

Moderation: Vladimir Balzer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Illustration einer Frau die an einem Fenster sitzt und nach draußen schaut. (Gettyimages / fStop / Malte Mueller)
Psychische Erkrankungen kommen häufiger vor als vielen bewusst ist. Was kann man für die seelische Gesundheit tun? (Gettyimages / fStop / Malte Mueller)

Angststörungen, Burn-out, Depression: Knapp 18 Millionen Erwachsene in Deutschland sind jedes Jahr von einer psychischen Erkrankung betroffen. Corona verschlimmert die Probleme oft. Wie kommen wir seelisch wieder in Balance?

An manchen Herbsttagen kann man schon mal den Blues bekommen, schon gar in diesen Coronazeiten. Aber ab wann wird ein Stimmungstief zum Problem? Wie erkennt man, ob man an einer psychischen Krankheit leidet, zum Beispiel an einer Depression oder einer Angststörung? Wie werden psychische Erkrankungen behandelt? Und wie können Betroffene, ihre Angehörigen und die Gesellschaft damit umgehen? Diese Fragen klären wir am "Internationalen Tag der seelischen Gesundheit".

Früh nach Hilfe suchen

"Eine Depression ist wie gedanklicher Treibsand. Je mehr du dich wehrst, umso tiefer versinkst du in Dunkelheit", schreibt Uwe Hauck in seinem Buch "Depression abzugeben". Darin erzählt der IT-Experte und dreifache Vater wie er 2015 durch einen Burn-out so tief in eine Depression abrutschte, dass er nur noch einen Ausweg sah: den Suizid. Der Selbstmordversuch misslang, Uwe Hauck wurde mehrere Monate in einer psychiatrischen Klinik und einer Tagesklinik behandelt. Mittlerweile arbeitet er wieder bei seinem alten Arbeitgeber, hält Vorträge und geht in Schulen, um über seine Erfahrungen zu berichten. Auch über sein heutiges Leben mit der Depression.

Sein Rat: "Erstens zu akzeptieren: Depression ist eine Krankheit, sie ist keine Charakterschwäche. Und eine Krankheit kann man angehen. Zweitens: Sprechen, mit dem persönlichen Umfeld, der Familie, Freunden – und zwar offen und ehrlich. Je früher man die Krankheit erkennt und versteht, desto besser."

Eine Diagnose kann entlastend wirken 

"Psychische Erkrankungen sind Volkskrankheiten", sagt Dr. Iris Hauth, ärztliche Direktorin des Alexianer St-Joseph Krankenhauses in Berlin. "Jeder dritte Mensch in Deutschland ist einmal im Jahr von einer psychischen Erkrankung betroffen." Die Ursachen seien vielfältig: der Verlust eines geliebten Menschen, Überforderung privat oder im Beruf, Stress, Arbeitslosigkeit. Es könnten auch genetische Gründe vorliegen. Deshalb rät sie Betroffenen, möglichst frühzeitig Hilfe zu suchen.

Ihre Erfahrung: "Eine Diagnose, etwa Depression, wird von Patienten oft als Entlastung empfunden. Viele, die herkommen, wissen gar nicht, was mit ihnen los ist. Sie sagen: ‚Ich erkenne mich selbst nicht wieder, bin ich nicht mehr die oder der Alte.‘ Wir zeigen ihnen, dass sie ganz typische Symptome haben und keine Loser sind, wie sie selbst oft glauben."

Abonnieren Sie unseren Kultur-Newsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail.

Ihre Mahnung: "Wir wissen mittlerweile viel darüber, wie man sich körperlich fit hält. Was aber fehlt, ist ein Grundwissen zur seelischen Balance, und das sollte schon in der Schule vermittelt werden." Denn, so ihr Credo: "Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit."

Angststörungen, Burn-out, Depression – Wie können wir unsere Psyche schützen?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer am Sonnabend von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit der Ärztin Iris Hauth und dem Autor Uwe Hauck. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de. Besuchen Sie uns auch auf Facebook, Instagram und Twitter!

Hier finden Ratsuchende Hilfe:

Info-Telefon Depression: 0800 / 33 44 533
Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr

Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Aktionsbündnis seelische Gesundheit

Im Gespräch

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur