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Lesart / Archiv | Beitrag vom 26.11.2014

AnglizismenWie viel Englisch verträgt die Literatur?

Die Übersetzerinnen Cole und Klobusiczky über die Allgegenwart der Weltsprache

Moderation: Joachim Scholl

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"Denglisch" steht auf der Leipziger Buchmesse auf einem Plakat. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)
"Gedenglischt" wird auch häufig im Alltag. (dpa / picture alliance / Hendrik Schmidt)

Im Alltag un in der Literatur sind wir von Anglizismen umzingelt - auch auf der Straße wird fleißig "gedenglischt". So mancher fürchtet schon den Untergang der deutschen Sprache - nicht so jedoch die Übersetzerinnen Isabel Fargo Cole und Patricia Klobusiczky.

Ob im Alltag oder der Buchhandlung: Wir sind von Englischem umzingelt. Bestseller und Blockbuster sind in der Regel Übersetzungen aus dem Amerikanischen, und auf der Straße wird auch fleißig gedenglischt. So mancher fürchtet schon den Untergang der deutschen Sprache. Nicht so die Übersetzerinnen Isabel Fargo Cole und Patricia Klobusiczky: Weder der Welt im Allgemeinen noch der Literatur im Besonderen drohe eine Anglisierung.

"Wenn man sich die literarische Produktion ansieht, dann muss ein anspruchsvoller amerikanischer Roman unter Umständen noch länger auf die Übersetzung ins Deutsche warten als ein russischer. William Gass mit dem 'Tunnel' ist ein wunderbares Beispiel dafür", sagt Patricia Klobusiczky, Übersetzerin aus dem Französischen und Englischen.

Wenn etwas "möchtegern-cool" ist

Umgekehrt übersetzt ihre Kollegin Isabel Fargo Cole, in Berlin lebende Amerikanerin, deutsche Literatur ins Englische. Die zahlreichen Anglizismen im deutschen Alltag sind für sie manchmal praktisch, wenn der englische Ausdruck knapper ist wie bei "to go" - anstelle "zum Mitnehmen" - oder es keine deutsche Entsprechung gibt wie bei bestimmten Begriffen aus dem Computerbereich. 

Anderes hingegen hält sie für überflüssig: dass viele Deutsche alles "strange" finden oder immer sagen "so what?", sagt Isabal Fargo Cole. "Ein bisschen anbiedernd wirkt das auf mich, so möchtegern-cool vielleicht" und auch "ein bisschen unbeholfen, weil die Aussprache dann auch so ein bisschen verdreht ist". Und beim in Deutschland mancherorts erhältlichen "Crash Ice" hört für sie der Spaß auf: "Das irritiert mich sehr, weil ich dann an einen Zusammenprall, an einen Autounfall denke."

Mehr zum Thema:

Gutes Deutsch - Nicht die Sprache wird schlechter, sondern ihre Sprecher (Deutschlandradio Kultur, Thema, 18.11.2013)

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