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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 17.10.2012

"Angels' Share - Ein Schluck für die Engel"

Ein Sozial-Märchen um Whisky und Außenseitertum

Von Hans-Ulrich Pönack

Robbie (Paul Brannigan) in "Angels' Share - Ein Schluck für die Engel"
Robbie (Paul Brannigan) in "Angels' Share - Ein Schluck für die Engel"

Ein junger Wilder aus Glasgow wird bald Vater. Er hat sich mal wieder geprügelt. Zur Strafe muss er Sozialstunden in einer Destillerie ableisten. Dort kommt er auf den Geschmack von Whisky, dem flüssigen Gold. Regisseur Ken Loach gelingt ein köstlicher Streich.

"Freiheit und Whisky gehören zusammen", befand einst der schottische Schriftsteller Robert Burns (1759-1796). Angels’ Share bedeutet "Engelsanteil". Der Begriff aus der Whisky-Brennerei bezeichnet den Alkoholanteil des schottischen Nationalgetränks, der während seiner Lagerung aus dem Fass verdunstet - etwa zwei Prozent.

Mit Whisky hat der werdende Jung-Papa Robbie (Paul Brannigan) zunächst nichts am Hut. Wie auch. Derzeit steht der junge Hitzkopf aus Glasgow wieder einmal wegen einer Schlägerei vor dem Richter.

Er wäre ja gern anders, aber wie denn unter den gegebenen Umständen? Freundin Leonie (Siobhan Reilly) setzt ihm eine letzte Frist. Zum Glück muss er diesmal nicht in den Knast, sondern bekommt nochmal eine Chance: Ableistung von Sozialstunden. Gemeinsam mit seinen Kumpels. Der gutmütige Sozialarbeiter Harry (vortrefflich "rund": John Henshaw) nimmt sie allesamt unter seine Fittiche. Besonders Robbie, um ihn endlich "gesellschaftsfähig" zu machen.

Harry nimmt sie alle mit zu einer Destillerie und bringt Robbie erst auf den Geschmack - erst als Whisky-Sommelier, dann zur Erkenntnis, dass mit diesem kostbaren "Nass" ein profitables Geschäft zu machen ist.

Der inzwischen 76-jährige britische Regisseur Ken Loach, bekannt, geschätzt, oft ausgezeichnet für seine großartigen Sozialdramen, ist weiser geworden. Half er zuletzt einem fußballbegeisterten Briefzusteller, seine Lebenskrise über den ehemaligen Fußballstar Eric Cantona in "Looking for Eric" süffisant zu bewältigen (2009), so balanciert er hier zwischen sozialem Real-Drama um Unterschichten-Typen im heutigen Glasgow und solidarischem Milieu-Märchen.

Bei "Angels' Share" arbeitete Loach mit Laien zusammen - Menschen, die diese Geschichten gut kennen: Sein Hauptakteur und Leinwand-Debütant Paul Brannigan beispielsweise hat eine ähnliche Biografie wie sein Filmheld. "Angels’ Share" ist ein köstlicher Außenseiter-Streich.

Großbritannien / Frankreich 2012; Regie: Ken Loach; Darsteller: Paul Brannigan, Siobhan Reilly, John Henshaw; 101 Minuten; ab 12 Jahren


Filmhomepage "Angels' Share"

Mehr Filme von Ken Loach bei dradio.de:

"Looking for Eric" <br> Jörg Taszman über einen typischen Ken-Loach-Film aus Manchester

"It's a free world" <br> Vorgestellt von Jörg Taszman

"The Wind That Shakes the Barley"<br>Szenario der Gewalt

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