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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.04.2019

Andris Poga beim DSO BerlinPathetische Lieder und Tänze

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Andris Poga (Deinats/DSO Berlin)
Der Dirigent Andris Poga (Deinats/DSO Berlin)

Bereits zum dritten Mal dirigiert Andris Poga das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. Überwiegend russisch ist das Programm, mit Tschaikowskys 6. Sinfonie und Liedern von Mussorgsky. Aus der Heimat Lettland bringt er außerdem Musik mit.

Die "letzte", die "tragischste", die "bekannteste" und noch weitere Superlative (ver)trägt die sechste Sinfonie von Peter Tschaikowsky. Andris Poga wird dieses Standardwerk an diesem Abend mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin aufführen. Aus sich selbst heraus schöpfen will der lettische Dirigent dann, statt in die Extreme abzugleiten - weder in die Sentimentalität noch in die brutal-strahlenden Poliertheit. Ein Schwanengesang ist diese Sinfonie des genialen, oft falsch verstandenen russischen Komponisten, mit dem Beinamen "Pathetique" versehen - was auch immer das heißen mag: Leidenschaftlich, pathetisch, schmerzvoll?

Der Sänger Ildar Abdrazakov (Sergey Misenko/DSO Berlin)Der Sänger Ildar Abdrazakov (Sergey Misenko/DSO Berlin)

Lieder und Tänze des Todes

Nicht weniger dunkel und existentiell als Tschaikowskys Abschiedssinfonie sind die Lieder und Tänze des Todes seines Landsmannes Modest Mussorgsky. Der von vielen nachfolgenden Komponisten bewunderte russische Meister hat die wenigsten seiner Werke zu Ende gebracht. Weltberühmt sind seine "Bilder einer Ausstellung", die in der Instrumentierung von Maurice Ravel am weitesten verbreitet sind. Nicht weniger interessant fanden viele Tonsetzer die Aufgabe, Mussorgskys Lieder und Tänze des Todes für Stimme und Orchester zu bearbeiten. Hier hat sich die Fassung von Dmitrij Schostakowitsch im Konzertsaal durchgesetzt. Sie wird auch in diesem Konzert erklingen, mit dem Bassisten Ildar Abdrazakov in der Solopartie.

Tiefernst und ansprechend

Aus der lettischen Heimat hat Andris Poga, seit fünf Jahren Chefdirigent des Lettischen Nationalorchesters in Riga und weltweit gefragter Gast, das erste Werk an diesem Abend mitgebracht. Pēteris Vasks gehört zu den meistgespielten Gegenwartskomponisten. Er wird international geschätzt für seine tiefernsten und zugleich emotional ansprechenden Instrumentalstücke. In ihnen zeige sich - so der Dirigent Poga - die enorm reiche und vielfältige Gesangstradition des baltischen Landes wie auch seine bisweilen tragische Geschichte.

Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 6. April 2019

Pēteris Vasks
"Musica appassionata" für Streichorchester

Modest Mussorgsky/Dmitrij Schostakowitsch
"Lieder und Tänze des Todes" für Bass und Orchester

Peter Tschaikowsky
Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 "Pathetique"

Ildar Abdrazakov, Bass
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Andris Poga

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