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Im Gespräch | Beitrag vom 07.12.2018

Andreas MurkudisSammler und Händler schöner Dinge

Moderation: Katrin Heise

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Der Unternehmer Andreas Murkudis in einem schwarzen Pullover vor einer Wand, an die Zeichnungen gepinnt sind. (Thomas Meyer)
Andreas Murkudis: Online-Handel lehnt er ab. (Thomas Meyer)

Wer sein Geschäft in Berlin betritt, wähnt sich in einer riesigen Galerie mit Gegenständen, deren Preise zumindest teilweise die Vorstellungskraft vieler sprengen dürfte. Trotzdem sieht Andreas Murkudis den eigentlichen Luxus woanders.

Andreas Murkudis hat mehrfach im Leben alles auf eine Karte gesetzt: Als er sein Studium abbrach, um sich der Kunstgeschichte zu widmen, als er einen Job im Museumsbereich aufgab, um seinem Bruder Kostas beim Modeschöpfen zu unterstützen – und als er sich entschloss, ein Geschäft nur für "schöne Dinge" zu eröffnen.

Jede Ware hat eine Geschichte

Den Begriff Luxus sieht er differenziert. "Wir verkaufen Produkte, die sich viele Leute nicht leisten können," sagt er. "Der eigentliche Luxus ist, dass es Firmen gibt, die sich den Luxus erlauben, in Deutschland oder in Italien zu fertigen und dadurch wird ein Produkt teurer. Aber am Ende ist es langlebiger, und es ist nachhaltiger."

Manch ein Produkt hat er so gern, dass er es gar nicht verkaufen will. Zu jeder seiner Waren kann er eine Geschichte erzählen. Und Online-Shopping lehnt er ab.

"Wenn ich jetzt einen Kaschmir-Pullover nehme, der zehn Jahre alt ist, dann hat der vielleicht mal 190 Euro gekostet, aber der hat mich zehn Jahre begleitet. Das heißt, ich habe nicht in der Zwischenzeit 20 Pullover weggeschmissen und 20 Pullover gekauft, die dann am Ende mehr Geld kosten."

Murkudis will positiv auf die Stadtlandschaft einwirken

Als Kind griechischer Eltern in der DDR geboren, in Dresden und Westberlin aufgewachsen, ist ihm seine Karriere nicht in die Wiege gelegt worden. Dass er heute als leidenschaftlicher Sammler einen solchen Erfolg hat, mag auch mit seiner Einstellung zu tun haben: Er möchte mit seinen Läden auch positiv auf die Stadtlandschaft einwirken, in der sie stehen. Ein Laden, wie er ihn betreibt, kommt für ihn daher in von Gentrifizierung betroffenen Gebieten wie etwa Berlin-Kreuzberg nicht in Frage.

"Kreuzberg ist ein Biotop, das schützenswert ist. Es gibt andere Gegenden in Berlin, in denen ich teure Waren anbieten kann, ohne dass das Gentrifizierung zur Folge hat."

(ab)

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